29.09.2016

Im Gedenken



Im September 2016 starb der frühere langjährige Archivleiter des Instituts für Zeitgeschichte, Dr. Werner Röder. Er wurde 1938 in Pilsen geboren, studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Southeast Missouri State University in Cape Girardeau. 1967 wurde er an der LMU mit einer Arbeit über „Die deutschen sozialistischen Exilgruppen in Großbritannien 1940-1945“ promoviert. Damit gehörte Röder zu den Pionieren der westdeutschen Exilforschung und war die erste Wahl, als 1968 ein Kooperationsprojekt renommierter deutscher Institutionen die Grundlagen zu einer systematischen Exilforschung legen sollte.

Die Arbeitsgruppe, die Werner Röder vom Institut für Zeitgeschichte aus leitete, begann sowohl deutsche und ausländische Archive und Bibliotheken nach einschlägigen Materialien zu durchforsten als auch Informationen und Quellenmaterial zum Verlauf von Emigration und Exil aus Privathand zu sichern. Noch vor Beendigung dieses Projekts begann in Zusammenarbeit mit der Research Foundation for Jewish Immigration die Arbeit am 1980 fertiggestellten „Biographischen Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933“, bei dem Werner Röder die deutsche Herausgeberschaft übernahm. Das Grundlagenwerk enthält eine Auswahl von 8.000 Biographien und deckt die Bereiche Politik, Wirtschaft, öffentliches Leben, Kunst, Wissenschaft und Literatur ab. Im Zuge des Projekts war biografisches Material zu 25.000 Emigrantinnen und Emigranten gesammelt worden.

Seit 1980 Archivleiter im Institut für Zeitgeschichte, ergriff Werner Röder die Chance, mit originären Beständen, die nicht automatisch den Weg in staatliche oder andere Archive gefunden hätten, der archivalischen Sammlung ein neues und unverwechselbares Gesicht zu geben. Damit brachte er das Archiv des Instituts für Zeitgeschichte, bisher streng genommen eine Dokumentationsstelle, auf den Weg zu einem „echten“ Archiv. Zu den Überlieferungen des politischen Exils aus Privatbesitz ehemaliger Emigranten und ihrer Nachkommen, die im Zuge des von ihm geleiteten Projekts ins Archiv des Instituts für Zeitgeschichte gekommen waren, trat weiteres zeitgeschichtlich wertvolles privates Schriftgut aus den Bereichen Militär, Politik und Diplomatie sowie Akten von Parteien und Verbänden hinzu. Zu einem Schwerpunkt entwickelten sich dabei die Sozialen- und Protestbewegungen wie Studenten-, Friedens- und Neue Frauenbewegung.




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