03.01.2017

"Mein Kampf"



Die kritische Edition des Instituts für Zeitgeschichte erscheint in 6. Auflage

 

„Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition“ wird Ende Januar 2017 in der 6. Auflage erscheinen. Seit der Erstveröffentlichung am 8. Januar 2016 wurden die beiden Bände aus dem Institut für Zeitgeschichte rund 85.000 Mal verkauft. Im November dieses Jahres zeichnete der Stifterverband das Projekt mit dem Wissenschaftspreis 2016 „Gesellschaft braucht Wissenschaft“ aus. Für IfZ-Direktor Andreas Wirsching eine schöne Bilanz nach einem turbulenten Jahr: „Wir freuen uns sehr, dass der ambitionierte Spagat zwischen wissenschaftlicher Grundlagenarbeit und historisch-politischer Aufklärung offenbar gelungen ist.“

 

Das Projekt, so hatten es die Münchner Wissenschaftler immer wieder betont, war einer doppelten Zielsetzung gefolgt: Zum einen sollte eine zentrale Quelle des Nationalsozialismus wissenschaftlich aufbereitet und damit eine lange beklagte Forschungslücke geschlossen werden. Zum zweiten sollte eine wissenschaftlich seriöse Referenzausgabe rechtzeitig den Platz besetzen, bevor mit dem Erlöschen der Urheberrechte 70 Jahre nach Hitlers Tod fragwürdige Geschäftemacher oder rechte Propagandisten mit einem Neudruck von „Mein Kampf“ auf den Markt drängten. Die wissenschaftlich kommentierte Neuauflage des Instituts für Zeitgeschichte wollte demnach das Rüstzeug bieten, sich ebenso kundig wie kritisch mit Hitlers Demagogie auseinanderzusetzen.

Für das Editorenteam unter der Leitung von Dr. Christian Hartmann stellte dieses Projekt einen gewaltigen Kraftakt dar. Schließlich galt es, zusätzlich zur wissenschaftlichen Herausforderung auch den sensiblen gesellschaftspolitischen Implikationen einer solchen Neuauflage gerecht zu werden. „Das Institut hatte sich deshalb auch frühzeitig entschlossen, die Edition im Selbstverlag herauszugeben“, erklärt Andreas Wirsching. Ein mit spitzer Feder kalkulierten Selbstkostenpreis sollte auch ein deutliches Signal gegen kommerzielle Begehrlichkeiten setzen. Nun, ein knappes Jahr nach dem Erscheinungstermin, scheint dieses Konzept aufgegangen zu sein: Rund 85.000 Exemplare der Edition sind seit Januar 2016 über den Ladentisch gegangen. Zeitweise hatte die IfZ-Publikation die Spiegel-Bestsellerliste angeführt. Dass diese enorme Nachfrage bei weitem nicht nur dem weltweiten Medienhype um die Neuauflage von „Mein Kampf“ geschuldet war, zeigte auch das positive Echo in der Wissenschaft. Gleichzeitig wurde wie geplant das öffentliche Interesse für „Mein Kampf“ vollständig auf die Neuauflage des IfZ fokussiert: „Ein wie auch immer geartetes „Konkurrenzprodukt“ zweifelhafter Provenienz ist bislang auf dem Markt nicht aufgetaucht.“

Begleitet wurde die Veröffentlichung von zahlreiche Anfragen von Bildungseinrichtungen, Gedenkstätten und Universitäten aus dem In- und Ausland nach Präsentations- und Diskussionsveranstaltungen über die neue Edition. „Gerade diese gut besuchten Veranstaltungen haben uns einen zuverlässigen Gradmesser dafür geboten, wie die Debatte um „Mein Kampf“ in der Öffentlichkeit aufgenommen wurde“, so Andreas Wirsching. So habe sich die Sorge, die Veröffentlichung würde Hitlers Ideologie einen neuen Schub geben oder gar salonfähig machen und so Rechtspopulisten und Neonazis eine neue Agitationsplattform eröffnen, als gänzlich unbegründet erwiesen: „Ganz im Gegenteil: Die Diskussion um Hitlers Weltanschauung und den Umgang mit seiner Propaganda bot vielmehr die Gelegenheit, sich gerade in Zeiten, in denen autoritäre politische Vorstellungen und rechte Parolen wieder Zulauf erhalten, die unheilvollen Wurzeln und Folgen solcher totalitärer Ideologien vor Augen zu führen.“

Mehr zum Projekt „Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition finden Sie hier.




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