27.07.2015

Habilitation



Martina Steber, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Zeitgeschichte, hat sich an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit der Studie "Die Hüter der Begriffe. Politische Sprachen des Konservativen in Großbritannien und der Bundesrepublik Deutschland, 1945-1980" habilitiert.

 

In den 1960er und 1970er Jahren sahen sich Konservative in der Bundesrepublik wie in Großbritannien von einem tief greifenden kulturellen und sozialen Wandel herausgefordert, den sie als umfassende Krise deuteten - als Krise der Demokratie, als Krise der Nation, als Krise von Wirtschaft und öffentlicher Moral. Selbst ihre Sprache glaubten die Konservativen zu verlieren. Die Suche nach einem zeitgemäßen Konservatismus war mithin die Suche nach einer treffenden Sprache. Martina Steber, die den Konervatismus als relativ flexible Sprachstruktur begreift, analysiert in ihrer Habilitationsschrift diese Neuformulierung politischer Sprachen des Konservativen konsequent vergleichend und transfergeschichtlich. "Dabei zeigt sich, wie eng intellektueller Diskurs und programmatische Debatten in den Parteien miteinander verknüpft waren und wie das alarmierte Bewusstsein, die Begriffe der Demokratie hüten zu müssen, das konservative Selbstverständnis durchzog", so Martina Stebers Fazit. Mit dem britischen und dem bundesrepublikanischen Konservatismus nimmt die Studie die beiden prägenden Varianten des europäischen Konservatismus nach 1945 in ihrer entscheidenden Umbruchphase in den Blick, die einander - so Martina Stebers Ergebnis - weit ähnlicher waren als gemeinhin angenommen. Damit trägt die Arbeit grundlegend zum Verständnis der historischen Entwicklung des integrierten Europas bei, das immer auch ein Raum des Sprechens war, ein Raum mithin, in dem sich Konservative gemeinsam auf die Suche nach geteilten Begriffen machten.

 

Martina Steber promovierte an der Universität Augsburg, forschte an der Universität Eichstätt-Ingolstadt, dem Deutschen Historischen Institut London, am Historischen Kolleg und an der LMU München, bevor sie im Herbst 2013 an das Institut für Zeitgeschichte wechselte. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der deutschen und britischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, besonders auf der politischen Ideengeschichte und Parteiengeschichte, der Gesellschaftsgeschichte des Nationalsozialismus und der modernen Regionalgeschichte.




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