08.05.2018

Call for Papers



Workshop: Das "demokratische Europa"? Demokratie- und Parlamentarismusgeschichte Europas seit 1970

 

Debatten um Parlamentarismus und Parteiendemokratie bestimmen aktuelle politische und gesellschaftliche Auseinandersetzungen und haben gleichzeitig Anlass zu einer Reihe wissenschaftlicher Gegenwartsdiagnosen gegeben, die sich unter dem Schlagwort einer "Krise der repräsentativen Demokratie" subsumieren lassen. Dieser Befund wird nicht nur mit Blick auf einzelne, meist westliche Nationalstaaten formuliert, sondern darüber hinaus vielfach innerhalb des (weit gesteckten) Themenfeldes "Europa" aufgerufen. So sind es nicht nur die EU-Mitgliedstaaten Ostmittel- und Südosteuropas, in denen die Entwicklung von Demokratie und Rechtsstaat mit großer Sorge betrachtet wird, sondern auch dem institutionalisierten Europa wird in aktuellen Krisendiskursen immer wieder ein markantes "Demokratiedefizit" attestiert. Damit ist in jüngster Vergangenheit ein über lange Zeit weitgehend unhinterfragtes Bezugssystem ins Wanken geraten, welches die Vorstellungen von "Europa" in den Jahrzehnten zuvor stark geprägt hatte: eine häufig als unauflöslich wahrgenommene und auch offensiv präsentierte Verbindung von "Europa", Demokratie, Rechtsstaat und Parlamentarismus.

 

Der Topos vom "demokratischen Europa" als gedachter Ordnung bildet den Ausgangspunkt des vom Institut für Zeitgeschichte in Kooperation mit der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien (KGParl) veranstalteten Workshops vom 15. bis 16. November 2018 im Münchner Institut für Zeitgeschichte, der die "Demokratie- und Parlamentarismusgeschichte Europas seit 1970" zum Gegenstand hat. Im Mittelpunkt steht die Frage nach dem demokratischen Selbstverständnis und der politischen Praxis in verschiedenen europäischen Staaten sowie innerhalb des europäischen Institutionengefüges. Besonderes Augenmerk soll dabei den Phasen europäischer Erweiterung gelten, genau genommen jenen beiden großen Erweiterungsrunden, die mit dem Wandel politischer Systeme einhergingen bzw. diesen folgten: die europäische Süderweiterung nach der Transition der autoritären Regime in Griechenland, Portugal und Spanien in den 1970er Jahren sowie die Transformation der sozialistischen Staaten Ostmittel- und Südosteuropas seit den 1990er Jahren. In beiden Phasen haben wir es mit Systemwechseln hin zu parlamentarischen Demokratien zu tun, die einige Jahre später Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft bzw. der Europäischen Union wurden.

 

Der Workshop möchte die jeweiligen Transformationsphasen sui generis untersuchen, sie aber auch aufeinander beziehen. Das übergeordnete Erkenntnisinteresse zielt zum einen auf eine stärkere Binnendifferenzierung der Epoche "nach dem Boom", indem das Verhältnis zwischen den Wandlungsprozessen der 1970er Jahre und der Zäsur von 1989/91 ausgelotet werden soll. Zum anderen möchte der Workshop zu einer differenzierteren Aufschlüsselung von "Europa" als dynamischem Bezugs- und Imaginationsraum beitragen, indem er jenseits vereinfachter und dichotomischer Vorstellungen von "Zentrum" und "Peripherie" nach wechselseitigen Transferprozessen fragt.

 

Die Vorträge können sich sowohl auf nationale Fallbeispiele als auch auf übergeordnete Fragestellungen beziehen. Selbstverständlich sind weitere, darüber hinaus gehende Vortragsvorschläge aus dem Themenfeld der Demokratie- und Parlamentarismusgeschichte Europas seit 1970 willkommen.

 

Bewerbungsschluss ist der 22. Mai 2018. Ausführlichere Informationen zu Workshop, Bewerbungsmodalitäten und Veranstaltern finden Sie hier.




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