Berichte von Diplomaten über Judenverfolgung und Holocaust in Europa 1939-1945

Empfang für das Diplomatische Corps bei Hitler in Berlin

Es gehörte und gehört zu den zentralen Dienstaufgaben von Diplomaten, die Außenministerien der jeweiligen Länder über grundlegende Entwicklungen des Gastlandes in regelmäßigen Berichten zu informieren. Sie sind für Historiker eine hochinteressante Quelle, da die meisten Diplomaten über wichtige Verbindungen in höchste politische Kreise eines Landes verfügen und zugleich mit grundlegenden gesellschaftlichen Entwicklungen durch ihre jahrzehntelange Anwesenheit umfassend vertraut sind. Für die Geschichte des Holocaust sind die über zahlreiche Archive in aller Welt verstreuten Berichte der Diplomaten eine bislang noch nicht systematisch ausgewertete Quelle. Diese sind gerade für die Geschichte von Judenverfolgung und Holocaust von besonderem Wert, waren doch die meisten Diplomaten durch die Erteilung von Visa mit dem Problem jüdischer Flüchtlinge in ganz Europa konfrontiert und oft auch in persönliche Rettungsinitiativen involviert. Man denke nur an die Bemühungen des schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg um die Rettung ungarischer Juden in Budapest. Das Zentrum wird in den folgenden Jahren mit Hilfe zahlreicher Kooperationspartner in diversen Ländern die diplomatischen Berichte der Forschung erschließen, die Berichte auswerten und zahlreiche Quellen im Rahmen des europäischen EHRI-Projektes dokumentieren. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den Berichten jener Länder, die während des Zweiten Weltkrieges in den Regionen Mittel- und Osteuropas mit Konsulaten und Botschaften vertreten waren.


Auswahl-Edition des Ringelblum-Archivs

Das Untergrund-Archiv aus dem Warschauer Getto ist die zentrale Quellensammlung zum Leben und Sterben der polnischen Juden unter nationalsozialistischer Besatzung. Im Geheimen sammelten der Historiker Emanuel Ringelblum und zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die verschiedensten Zeugnisse des Holocaust. Sie wollten ihre Geschichte und die vieler anderer für die Nachwelt dokumentieren und analysieren – schon während Verfolgung und Massenmord. Die Chronistengruppe sammelte hierfür offizielle Dokumente und Aushänge, private Tagebücher und Briefe, Kulturprogramme, Eintrittskarten und zahlreiche weitere Quellen des Alltags. Überdies fertigten sie eigens Reportagen über verschiedenste Aspekte des Gettolebens an, motivierten viele andere Gettobewohner zum Schreiben und lobten Aufsatzwettbewerbe für Kinder aus.

Dieses einmalige Untergrundarchiv, das weitgehend überliefert und heute Teil des UNESCO-Weltkulturerbes ist, wird nun vom Zentrum für Holocaust-Studien am Institut für Zeitgeschichte gemeinsam mit der Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der Justus-Liebig-Universität (http://www.holocaustliteratur.de/deutsch/) in einer Auswahl-Edition dem deutschsprachigen Lesepublikum zugänglich gemacht. Geplant ist eine Veröffentlichung im Wallstein Verlag.

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Projektverantwortliche am Zentrum für Holocaust-Studien
Dr. Andrea Löw
E-Mail: loew[a]ifz-muenchen.de

Projektverantwortlicher an der Arbeitsstelle Holocaustliteratur
Dr. Markus Roth
E-Mail: markus.roth[a]germanistik.uni-giessen.de


Enzyklopädie des Gettos Lodz/Litzmannstadt

Gemeinsam mit der Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der Universität Gießen und dem Lehrstuhl für Germanistische Sprachwissenschaft mit besonderer Berücksichtigung der Sprachgeschichte der Universität Heidelberg die Enzyklopädie des Gettos Lodz/Litzmannstadt.

1943/44 schrieben Mitarbeiter des Archivs um Oskar Singer und Oskar Rosenfeld neben ihrer Arbeit an einer Tageschronik an dieser Enzyklopädie. Sie wollten der Nachwelt das Leben im Getto verständlicher machen, indem sie ein Lexikon zusammenstellten, das die zentralen Begriffe der Getto-Sprache erklärt, Institutionen der Verwaltung, wichtige Persönlichkeiten und Ereignisse erläutert. So haben sie ein einmaliges, aber unvollendetes Zeugnis geschaffen. Die Edition soll 2018 im Wallstein Verlag erscheinen.

 

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Projektverantwortliche am Zentrum für Holocaust-Studien
Dr. Andrea Löw
E-Mail: loew[at]ifz-muenchen.de


Paths of Experience, Ways of Remembrance: The Holocaust in Vojvodina from the Perspective of Jewish Victims and Ethnic German Expellees (Working Title)

While “from below” studies on the Holocaust in Eastern and Central Europe have flourished in recent years, micro-level research on the Shoah´s multifarious contexts and repercussions in Southeastern Europe is still lacking. Focusing on one specific region, Vojvodina, this project seeks to shed a transnational and comparative light not only on the manner in which the Holocaust occurred in Southeastern Europe´s multiethnic borderlands, but also on the ways in which the Holocaust was experienced, remembered, and narrated during the postwar period by the individuals involved in its horrors.
A former Habsburg territory, Vojvodina was home to both considerable Jewish and ethnic German minorities. Following its 1918 cession to Yugoslavia, the region was occupied and divided by Axis forces in April 1941: the Batschka was ceded to Hungary; the Western Banat was occupied by the Third Reich and administered by local ethnic Germans; and Syrmia was incorporated into the fascist-led Independent State of Croatia. In all these territories, Jews became the target of antisemitic legislation, violence, and murder; ultimately, as in the case of the Banat, they fell victim to some of Nazi Germany´s earliest and most comprehensive antisemitic extermination policies. With the arrival of Soviet troops in the fall of 1944, the tides once again turned: the region´s ethnic Germans – previously organized overwhelmingly into pro-Nazi organizations – either fled their hometowns or faced acts of violence, internment in partisan camps, or deportation to the Soviet Union.
With the contention at its basis that the history of the Holocaust in Southeastern Europe is necessarily to be conceptualized as an “integrated history” (Friedländer), this project uses archival sources, original oral history interviews, memoirs, and Jewish and German historiographies of the postwar period to reconstruct the micro-level entanglements of the experiences, perspectives, and narratives of the “victims,” “perpetrators,” and “bystanders” of the Holocaust in Vojvodina, while questioning the validity of such rigid categories to begin with. As such, this project not only aims to present a first micro-level history of the Holocaust in the region; it also seeks to explore the ways in which World War II´s larger contexts – of occupations and civil wars, the redrawing of boundaries, multiple ethnic cleansings, and postwar reconstructions – shaped individuals´ own conceptualizations and narratives of the Holocaust.

 

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Projektverantwortliche am Zentrum für Holocaust-Studien
Dr. Caroline Mezger


Making Sense of Catastrophe: The Jewish leadership in Romania (1938-1948) (Working Title)

Wilhelm Filderman, president of the jewish communities in the kingdom of Romania

Starting in 1938, Jews in Romania were subjected to different and escalating kinds of persecution – social and political discrimination, economic exploitation, recruitment to forced labour, deportations, pogroms, deportations, summary executions and mass murder. Nearly half of the country’s pre-war Jewish population died during the Second World War and the Holocaust. However, around 300,000 Romanian also Jews survived in Romania during the war. As of 1948, by which time the Communists had secured their hold on power, an estimated 400,000 Jews were living in Romania.

The Romanian Jewish community was represented throughout the period 1938-1948 by a range of individuals and institutions. Who were these people and groups? How much agency did they have? How did the situation evolve and what differences existed across groups and areas? Most existing studies of the Holocaust in Romania focus on ‘the perpetrators’, from the rise of the fascist Iron Guard to Marshall Antonescu’s policies in what has come to be known as the Romanian Holocaust. As a result, the role of the Jewish leadership in Romania is often merely viewed as reactive. However, as recent research on the Holocaust in other parts of Europe has shown, Jews deserve to be viewed as historical actors in their own right. By focusing on a small number of key figures and their interaction with different actors and organisations (e.g. the Romanian government, international organisations and underground movements), this project thus seeks to shed new light on the Jewish responses to persecution in Romania in the period 1938-1948.

 

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Projektverantwortliche am Zentrum für Holocaust-Studien
Dr. Gaëlle Fisher


Zentralen des Terrors in der besetzten Sowjetunion

Mizocz, 14. Oktober 1942: Vor der Erschießung jüdischer Kinder, Frauen und Männer. Im Vordergrund Angehörige der Dienststelle des KdS Wolhynien-Podolien. (Quelle: IfZ München, FB 9801, Fotograf: Gustav Hille)

Die Dienststellen der Kommandeure der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes der SS

 

Mehr als ein Drittel der Holocaustopfer wurde von Deutschen und einheimischen Helfern zwischen Ostsee und Schwarzem Meer erschossen oder in Gaswagen erstickt und meist achtlos verscharrt. Unzählige weitere Menschen fielen dort sogenannten Partisanen- und Vergeltungsaktionen oder gezieltem Aushungern zum Opfer. Eine zentrale Täterorganisation waren die Dienststellen der Kommandeure der Sicherheitspolizei und des SD (KdS). Sie wurden nach kurzer Zeit in weiten Teilen der besetzten Sowjetunion eingerichtet und gingen meist aus den mobilen Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD hervor.
Das Dissertationsprojekt untersucht nun erstmals vertiefend die Geschichte dieser Dienststellen. Es versteht sich als Beitrag zur Frage nach den Dynamiken des Holocaust, vor allem in den zivilverwalteten Gebieten der besetzten Sowjetunion: Welche Rolle spielten die KdS Dienststellen und ihre Außen- und Nebenstellen bei der Durchsetzung der Besatzungsherrschaft und beim Massenmord? Welchen Anteil hatten sie an der Bekämpfung vermeintlicher und tatsächlicher Partisanen? Wie gestaltete sich darüber hinaus ihre nachrichtendienstliche Tätigkeit? Zur Klärung dieser Fragen werden die Dienststellen im Gefüge des SS- und Polizeiapparates, sowie der Zivil- und Militärverwaltung verortet. Von Interesse sind in diesem Zusammenhang auch Entscheidungsfindungsprozesse bei der Durchsetzung des Terrors und des Massenmordes. Daneben werden Struktur und die personelle Zusammensetzung analysiert.
Mit dem Heranrücken der Front wurden die stationären Dienststellen wieder in mobile Einheiten umgewandelt oder aufgelöst und das Personal anderweitig eingesetzt. Auch dieser Auflösungsprozess ist Teil der Untersuchung.

 

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Projektverantwortlicher am Zentrum für Holocaust-Studien
Christian Schmittwilken, M.A.


Das Geilenberg-Programm: Machttransfer, Tatorte und die Ökonomie des Häftlingseinsatzes (Arbeitstitel)

Albert Speer (rechts) gratuliert Geilenberg (links) zur Verleihung des Ritterkreuzes des Kriegsverdienstkreuzes (Mai 1944)

Am 30.05.1944 wurde der "Erlaß des Führers über die Bestellung eines Generalkommissars für die Sofortmaßnahmen beim Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion" veröffentlicht. Edmund Geilenberg, der diese Funktion auf Initiative Albert Speers einnahm, war fortan für die Wiederaufbau zerstörter Hydrierwerke, das Ergreifen von Schutzmaßnahmen vor Bombenschäden sowie für die Untertageverlagerung von Raffinerieanlagen zuständig, um die Versorgung der Wehrmacht mit Treibstoff mit allen erdenklichen Mitteln sicherzustellen. Zur Durchsetzung seiner Maßnahmen, denen uneingeschränkter Vorrang vor allen anderen Vorhaben der Rüstung und der Wehrmacht zukam, requirierte Geilenberg rücksichtslos tausende – oftmals jüdische – Zwangsarbeiter.


Das Dissertationsprojekt untersucht das „Geilenberg-Programm“ nicht zuletzt im Hinblick auf den massenhaften Einsatz jüdischer Zwangsarbeiter im letzten Kriegsjahr. Manifestierte sich hier eine partielle Abkehr vom Vernichtungsparadigma, oder bestätigten die menschenverachtenden Arbeitsbedingungen der Zwangsarbeiter letztlich dessen Gültigkeit? Ziel der Arbeit ist eine multiperspektivische Analyse des „Geilenberg-Programms“, die nicht allein nach der kriegswirtschaftlichen Effizienz und den handlungsleitenden Prämissen des Programms fragt, sondern auch die Erfahrungsperspektive der betroffenen Zwangsarbeiter einbezieht.
Quellengrundlage sind vor allem zeitgenössische Akten des Arbeitsstabes oder kooperierenden Firmen der Montan- und Rüstungsindustrie sowie Bestände der juristischen Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen.

 

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Projektverantwortliche am Zentrum für Holocaust-Studien
Laura Löbner, M.A.


Besuche in nationalsozialistischen Konzentrationslagern

Besuch Himmlers im Konzentrationslager Dachau am 8. Mai 1936

Immer wieder werden in Überlebendenberichten oder historischen Zeitungsberichten Besuche in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern beschrieben. Bei den Besuchergruppen ist eine große Bandbreite an Akteuren auszumachen, so kamen etwa nationale und internationale Journalisten, Politiker, Künstler und Hilfsorganisationen.

Die Dissertation untersucht, welche Besuche es in den Lagern gab und geht zur Analyse verschiedenen Fragekomplexen nach. Die vielfältigen Besuchsmotive sollen dabei ebenso in den Blick genommen werden wie Spezifika der Besuche in verschiedenen Lagern und zu unterschiedlichen Zeiten. In einem weiteren Schritt wird analysiert werden, welche Wirkung die Besichtigungen auf die Häftlinge und die Besucher hatte. Abschließend geht es um die Besuche als Inszenierung und Selbstdarstellung des NS-Regimes und ihre Bedeutung für die Frage nach der Öffentlichkeit der Lager.

Das Projekt geht von verschiedenen Thesen aus. So ist anzunehmen, dass die Besuche je nach Lage der Lager differieren und dass der Wandel der Besuchergruppen und Berichterstattungen über den Funktionswandel der Konzentrationslager erklärbar wird. Es wird davon ausgegangen, dass sich Besucherkategorien bilden lassen, die sich in ihren Besuchsmotiven unterscheiden. Die Untersuchung richtet dabei ihren Schwerpunkt auf Visiten in den Lagern, die vor Kriegsbeginn entstanden sind. Durch den vergleichenden Zugang ermöglicht das Projekt die Analyse von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen den Lagern und ihrer "Vermarktung" in der nationalen und internationalen Öffentlichkeit. 

Quellengrundlage sind unter anderem Aufzeichnungen ehemaliger Häftlinge, Zeitungsarchive, zeitgenössische Berichte der Besuchergruppen über die Besichtigungen, Akten der SS sowie Bestände der juristischen Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen. In den überlieferten Anweisungen der IKL bzw. des WVHA finden sich einige Hinweise auf formale Regelungen von Besichtigungen und Angehörigenbesuchen. Einzubeziehen sind Ergebnisse von Nachbarschaftsstudien zu den Konzentrationslagern und zum Funktionswandel der Konzentrationslager im Laufe der NS-Zeit.

 

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Projektverantwortliche am Zentrum für Holocaust-Studien
Kerstin Schwenke


Rudolf Höß – Handlungspraxis, Beziehungsstrukturen und Privatleben eines KZ-Kommandanten

SS-Männer vor dem Erholungsheim "Solahütte", in der Nähe des KZ Auschwitz-Birkenau. Von links nach rechts: Richard Baer, Dr. Josef Mengele und Rudolf Höß.

Im nationalsozialistischen Konzentrationslager-System war die Ausgestaltung politischer Macht eng mit Biographien der SS-Funktionselite, deren personellen Netzwerken und ihrer alltäglichen Handlungspraxis verknüpft. So war der Aktionsradius des Lagerkommandanten des größten Konzentrations- und Vernichtungslagers vor allem durch dessen institutionellen Nahbereich geprägt. Aufgrund seiner Handlungspraktiken gilt Rudolf Höß als Synonym für die präzise organisierte und fabrikmäßige Umsetzung des Massenmordes in Auschwitz-Birkenau.

In dem Promotionsvorhaben von Anna-Raphaela Schmitz zu dem ehemaligen KZ-Kommandanten wird ein bis dato rein personalisierender Ansatz um eine Verbindung von Struktur- und Biographiegeschichte erweitert: Aus der Alltags- und Mikroperspektive von Rudolf Höß werden in der Dissertation die Planung und die Durchführung des Massenmordes untersucht. Der Lagerkommandant war nicht nur ein politischer Funktionär, der allein im Rahmen vorgegebener Handlungsspielräumen agierte – eigenständig schuf er neue Konzepte und nutzte Netzwerke innerhalb und außerhalb der Lagermauern. Mittels einer „praxeologischen“ Biographie des KZ-Kommandanten werden einerseits die von der NS-Führung vorgegebenen Rahmenbedingungen und anderseits die Handlungsmaximen und die sozialen Interaktionen der Täter in Auschwitz-Birkenau analysiert. Das Verhältnis zwischen Höß und Lagerpersonal beschränkte sich nicht ausschließlich auf den alltäglichen KZ-Betrieb, sondern erstreckte sich darüber hinaus auf gesellschaftliche und kulturelle Veranstaltungen nach Dienstschluss. Die Aufrechterhaltung familiärer Strukturen sowie das Zugeständnis intimer Freiräume sollten helfen, den Anschein von subjektiv erlebter „Normalität“ weitestgehend aufrecht zu erhalten.
Die geistige Heimat von Rudolf Höß war besonders durch die tiefgehende Verwurzelung in der nationalsozialistischen „Bewegung“ seit deren Anfängen bestimmt. Das Interagieren der Täter sowie die Verknüpfung der institutionellen und personellen Ebenen innerhalb und außerhalb der Lagermauern soll methodisch anhand einer Netzwerkanalyse untersucht werden. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem KZ-Kommandanten aus unterschiedlichen Blickwinkeln diverser Personengruppen und die Einbettung in den gesellschaftlichen Kontext des nationalsozialistischen Regimes bilden den Ausgangspunkt für das Promotionsvorhaben.

 

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Projektverantwortliche am Zentrum für Holocaust-Studien
Anna-Raphaela Schmitz, M.A.


Abgeschlossene Projekte

Das politische Tagebuch Alfred Rosenbergs 1934-1944

Alfred Rosenberg als Reichsminister für die besetzten Ostgebiete (Quelle: Bundearchiv, Bild 183-1985-0723-500)
Tagebucheintragungen Rosenbergs vom 28.3.1941

Ein Editionsprojekt des Centers for Advanced Holocaust Studies am US Holocaust Memorial Museum, Washington, D.C., und des Zentrums für Holocaust-Studien am Institut für Zeitgeschichte, München.

Im Jahr 2013 wurden verschollen geglaubte Aufzeichnungen und politische Notate des NSDAP-Chefideologen und Reichsministers Alfred Rosenberg (1892-1946) entdeckt, die in einem amerikanisch-deutschen Gemeinschaftsprojekt wissenschaftlich-kritisch ediert wurden, ergänzt um zusätzliche ausgewählte Dokumente. Die politischen Tagebücher Rosenbergs eröffnen einen wichtigen Einblick in die Gedankenwelt des NS-Chefideologen und seine subjektive Perspektive auf die nationalsozialistische Politik nach 1933, die im Einzelfall bemerkenswert kritisch ausfiel. Darüber hinaus erlauben die Aufzeichnungen einen detaillierten Blick auf Rosenbergs Rolle im nationalsozialistischen Herrschaftssystem mit seinen typischen Cliquen- und Machtkämpfen. Schließlich lassen sich Notate auch als kritische Ergänzung anderer Quellen aus dem Arkanbereich nationalsozialistischer Macht lesen, darunter den Tagebüchern von Joseph Goebbels.


Der Baltendeutsche Alfred Rosenberg galt im „Dritten Reich“ – wie es der „Völkische Beobachter“ formulierte – „nächst dem Führer selbst [als] der wichtigste Träger und Verkünder der nationalsozialistischen Weltanschauung“. Ein diplomatischer Beobachter bezeichnete ihn salopp als „Parteipapst“ der NS-Bewegung, der die programmatisch-ideologische Ausrichtung der NSDAP zentral beeinflusste, u.a. in seiner Funktion als „Beauftragter des Führers für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP“.

Rosenbergs Bedeutung ging allerdings über die eines bloßen Ideologen hinaus. Auch in der operativen Politik spielte er eine wichtige Rolle. Als Leiter des Außenpolitischen Amtes der NSDAP beeinflusste er u.a. die Außenpolitik des „Dritten Reiches“. In den Holocaust war Rosenberg als Reichsminister für die besetzten Ostgebiete involviert. Als einziges Ministerium entsandte das Ostministerium gleich zwei Vertreter zur „Wannsee-Konferenz“ am 20. Januar 1942, auf der über die „Endlösung der Judenfrage“ konferiert wurde.

 

Die Edition ist unter dem Titel "Alfred Rosenberg. Die Tagebücher von 1934 bis 1944" im Fischer-Verlag (2015) erschienen.

Auch liegt die Edition in englischer, spanischer und französischer Übersetzung nun vor.

 

 

 



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