Internationale Konferenz: "Right-Wing Politics and the Rise of Antisemitism in Europe 1935–1941"

Der Antisemitismus breitete sich seit den 1930er Jahren nicht nur in Deutschland rapide aus, wo er ab 1933 zentraler Teil der staatlichen Politik wurde, sondern auch in den meisten anderen europäischen Ländern. Diese Entwicklung kulminierte in den ersten Anti-Jüdischen Gesetzen außerhalb Deutschlands 1938 in Italien, Rumänien und Ungarn, so wie in einem Anwachsen antisemitischer Gruppen und einer Welle antisemitischer Zwischenfälle nach 1935.

Die Konferenz am Institut für Zeitgeschichte, organisiert durch Frank Bajohr (Zentrum für Holocaust Studien am IfZ), Dieter Pohl (Alpen-Adria Universität Klagenfurt) und Grzegorz Krzywiec (Polnische Akademie der Wissenschaften, Warschau), untersuchte die Hintergründe, Strukturen und Konsequenzen dieser Entwicklungen, welche sich unter der deutschen Vorherrschaft ab 1940/41 vollends radikalisierten.

 

Der Tagungsbericht, welcher auch das Programm beinhaltet, ist nun auf H-Soz-Kult erschienen.

Teaching Summit

Lehre über den Holocaust an deutschen Universitäten: Eine Bestandsaufnahme.

Vom 20.-24.7.2015 führten das Mandel Center for Advanced Holocaust Studies am US Holocaust Memorial Museum (USHMM) und das Zentrum für Holocaust-Studien ein Seminar der besonderen Art durch: Einen „Teaching Summit“ für deutsche Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer verschiedener Fachrichtungen, die an deutschen Universitäten über den Holocaust unterrichten. Ziel dieser bislang einmaligen interdisziplinären Veranstaltung war es, die Erfahrungen in der Lehre zu bilanzieren und nach Wegen zu suchen, ein dauerhaftes Lehrangebot über den Holocaust sicherzustellen. Wie eine ausführliche Voruntersuchung des USHMM ergab, wird zwar über die NS-Zeit an deutschen Universitäten intensiv unterrichtet, doch spielt die Lehre über den Holocaust dabei eine oft nur untergeordnete Rolle. Da es in Deutschland bislang weder eine Holocaust-Professur noch das Fach „Holocaust Studies“ existiert und Lehrende oft auf sich allein gestellt sind, wurden verschiedene Möglichkeiten diskutiert, Lehre über den Holocaust stärker als bislang u.a. in verschiedenen Master-Programmen der einzelnen Universitäten zu verankern. Das Zentrum für Holocaust-Studien wird in der Zukunft regelmäßige Sommer-Seminare als Fortbildungsveranstaltungen anbieten, die zudem ausreichend Raum für den Erfahrungsaustausch unter den Lehrenden geben sollen.

Tagungsbericht

The Holocaust and the European Societies. Social Processes and Social Dynamics.

23.-25.10.2014, München

Verfasserin: Anna-Raphaela Schmitz

 

 

Der Genozid an den europäischen Juden war nicht nur ein politischer, sondern auch ein gesellschaftlicher Prozess, an dem die Bevölkerung auf unterschiedliche Art partizipierte. Wer waren jedoch die gesellschaftlichen Akteure, die eine Rolle bei der Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden spielten? Welchen Stellenwert spielten materielle Motive für die Partizipation an der Judenverfolgung, aber auch bei der Entscheidung, Juden im Untergrund zu helfen? Und welche sozialen Dynamiken und Veränderungen beeinflussten die Verfolgung und den Massenmord an der jüdischen Bevölkerung in Deutschland, in den mit dem nationalsozialistischen Deutschland verbündeten Ländern und in den besetzten Gebieten? Mit diesen Fragen beschäftigten sich mehr als dreißig, zumeist jüngere Holocaust-Forscher aus insgesamt vierzehn Ländern auf der internationalen Konferenz des Zentrums für Holocaust-Studien am Institut für Zeitgeschichte in München. Sie präsentierten aus aktuellen und meist noch nicht abgeschlossenen Projekten Fallbeispiele, die geographisch von Finnland über Rumänien bis nach Kreta reichten. Im Fokus der Konferenz standen dabei die europäischen Gesellschaften in Mittel- und Osteuropa, wo sämtliche Prozesse nicht zuletzt durch die deutsche Besatzungsherrschaft beeinflusst wurden.

 

Nach den Begrüßungen durch Andreas Wirsching (Direktor des IfZ) und Dan Shaham (Generalkonsul der israelischen Botschaft in München), folgte die inhaltliche Einführung durch FRANK BAJOHR (Leiter des Zentrums für Holocaust-Studien). Er plädierte dafür, dass man die Akteure des Holocaust in Europa nicht auf die Trias „Täter-Opfer-bystander“ reduzieren solle; vielmehr müsse man den Blick auf die Vielfalt gesellschaftlicher Handlungsweisen richten: Weite Teile der europäischen Gesellschaften waren auf unterschiedliche Weise am sozialen Prozess der Ausgrenzung beteiligt. Gerade die Alltagsgeschichte biete hier einen analytischen Zugang, um die Beteiligung der Bevölkerung zu analysieren und zu kontextualisieren.  Bajohr wies auf die Notwendigkeit hin, bei der Betrachtung der Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden sowohl die Mikro- als auch die Makroperspektive zu nutzen:  Beide würden sich ergänzen und es ermöglichen, die unterschiedlichen gesellschaftlichen Phänomene und sozialen Verhaltensmuster genauer untersuchen zu können. Im ersten Panel „Das Deutsche Reich nach 1933“ beleuchteten ANNA ULLRICH, FROUKJE DEMANT, STEFANIE FISCHER und SUSANNA SCHRAFSTETTER das Verhalten von Institutionen und Personen - Helfern, Zuschauern und Profiteuren-, aber auch die Motive und Handlungssituationen jener, die Juden halfen. Sie sprachen unter anderem über jüdische Bewältigungsstrategien in den ersten Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft, Fluchtmöglichkeiten von Juden vor ihrer drohenden Deportation oder auch über die Erfahrungen von Juden und Nicht-Juden in der deutsch-niederländischen Grenzregion. Am nächsten Tag standen zunächst Einzelstudien zu Mittel- und Osteuropa im Fokus. OLGA BARANOVA, NADÈGE RAGARU, ANTON WEISS-WENDT und BARBARA HUTZELMANN warfen einen alltagsnahen Blick auf die mit der Entrechtung, Enteignung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung verbundenen gesellschaftlichen Prozesse in Weißrussland, Mazedonien, Estland und der Slowakei, die zugleich eng mit dem Alltag der Besatzungsherrschaft vor Ort verknüpft waren.

 

In dem sich anschließenden Panel zu der Rolle den Polizeieinheiten und Kollaborationen vor Ort referierte YANNIS SKALIDAKIS über die Rolle der lokalen Machthaber auf Kreta, TOM FRYDEL über die polnisch-jüdischen Beziehungen im Generalgouvernement und YURI RADCHENKO über die ukrainische Hilfspolizei. Hier verdeutlichten sie, dass die Kategorie des „bystanders“ mit Bedacht anzuwenden und dass die mit dem Stempel des Verrats behaftete Bezeichnung „Kollaboration“ mit zahlreichen Problemen konnotiert und somit wenig geeignet ist, gesellschaftliches Handeln im Holocaust zu analysieren. Im Folgenden setzten sich KIRIL FEFERMAN, LINDA MARGITTAI und LEONID REIN mit Eigentum und Enteignung der jüdischen Bevölkerung in der besetzten Sowjetunion, Weissrussland und in Ungarn auseinander. Sie gingen in ihren Vorträgen sowohl auf die rassistisch begründete Hierarchie und implementierten antisemitischen Normen in diesen Ländern durch die Nationalsozialisten ein und skizzierten deren dramatische Auswirkungen auf die Juden, ausgelöst durch Verlust ihres Besitzes und ihres gesellschaftlichen Status.

 

Mit sozialwissenschaftlichen Fragestellungen zu jüdischen Zwangsgemeinschaften beschäftigten sich ELISABETH PÖNISCH in ihrem Vortrag zu den sogenannten „Judenhäusern“ im Deutschen Reich und JUSTYNA MAJEWSKA zu den sozialen Transformationen innerhalb des Warschauer Gettos. Beider Referentinnen wiesen mit ihren Forschungsansätzen besonders auf die fließenden Transformationen innerhalb der europäischen Gesellschaften während des Holocaust hin.

 

 

Die Perspektive der verfolgten Juden stand auch im Fokus zu Beginn des letzten Konferenztages, in dem Handlungsspielräumen und Rollen der jüdischen Führung und der sogenannten „Judenräten“ diskutiert wurden. Teile der jüdischen Bevölkerung kooperierten mit der deutschen Besatzungsmacht, oft wurde ihnen dies jedoch aufgezwungen. Diese Form der Kooperation wurde durch die Bildung der „Judenräte“ institutionalisiert. AGNIESZKA ZAJACKOWSKA-DROZDZ diskutierte die Rolle des Krakauer Judenrats und KATJA HAPPE die des Judenrats in Amsterdam. Einen interessanten Einblick in ein bislang nahezu unbeachtetes Forschungsfeld bot außerdem SIMO MUIR, der den Teilnehmern Überlebensstrategien finnischer Juden und die Rolle der dortigen jüdischen Führung näher brachte. Insgesamt musste die jüdischen Repräsentanten, wie in diesem Panel deutlich wurde, unter starken Einschränkungen agieren, ihre Organisationen waren aufgelöst und Netzwerke zerbrochen, Eigentum und sozialen Ressourcen wurden ihnen entzogen und von Informationen und gewohnte Kommunikationswegen waren sie abgeschnitten. Um mangelnde Solidarität und Plünderung jüdischen Eigentums ging es auch in den folgenden Vorträgen, die sich mit den Beziehungen zwischen Juden und Nicht-Juden auf lokaler Ebene befassten. Dass der Prozess der Ausgrenzung, Entrechtung und Enteignung der Juden in Europa nicht ohne eine immense Anzahl an Akteuren möglich gewesen wäre, zeigten NATALIA ALEKSIUN anhand ihrer Fallstudie zu Ostgalizien und DIANA DUMITRU zu Teilen Rumäniens. AGNIESZKA WIERZCHOLSKA stellte in diesem Kontext ihre Mikro-Studie zu Tarnów vor und IZABELLA SULYOK die Beziehungen zwischen Juden und Nicht-Juden in Ungarn.

 

In seinen resümierenden Schlussbetrachtungen wies DIETER POHL (Klagenfurt) auf die enorme Perspektiverweiterung der Holocaustforschung hin, die auf dieser Konferenz deutlich geworden sei. Er ging auf die Vorträge über unterschiedliche Verhaltensmuster gegenüber der verfolgten jüdischen Bevölkerung ein und betonte, dass die deutsche Gewalt- und Terrorherrschaft neue soziale Beziehungen schuf, an die sich die betroffenen Bevölkerungen zunächst anpassen mussten, dann aber auch antisemitische Normen und rassistische Hierarchien in weiten Teilen eigenständig implementierten. Hier wies er auf bemerkenswerten Ähnlichkeiten, trotz sehr unterschiedlichen regionalen Bedingungen, hin. Pohl plädierte dafür,  über die Einteilung in Täter und Opfer hinaus, Kontinuitäten und Brüche auf lokaler und nationaler Ebene in der Geschichte der europäischen Gesellschaften zu untersuchen und diese dann in einen allgemeinen Kontext der Holocaustgeschichte einzubetten. Weitere Forschungsperspektiven zu den sozialen Prozessen und Dynamiken in der Zeit des Holocaust in Europa hatten zuvor bereits die Kommentatoren, unter ihnen Michael Wildt, Alan Steinweis, Christoph Dieckmann, Jürgen Zarusky, Andrea Löw oder Ingo Loose aufgezeigt. Die Konferenz hat demonstriert, wie komplex die gesellschaftlichen Prozesse und Interaktionen in Europa während des Holocaust waren und wie wenig hilfreich eindeutige Kategorisierungen in der Analyse sind. Je nach Situation und Zeitpunkt, konnte jede Person Opfer, Täter und „bystander“ zugleich sein. Auch machten zahlreiche Beiträge deutlich, dass die sozialen Dynamiken unter der Besatzung nur sehr bedingt ohne einen Blick auf die jeweilige Situation vor 1939 und den weiteren Kontext von Krieg und Besatzung zu verstehen ist. Für viele Regionen und Fragestellungen steht die Holocaustforschung hier erst am Anfang; die internationale Konferenz gelang es jedoch, wichtige Perspektiven künftiger Forschungen aufzuzeigen.

 

Tagungsprogramm

Forschung über den Holocaust – Eine Bilanz

Von: Sonja Schilcher

 

Ein internationaler Workshop des Zentrums für Holocaust-Studien am IfZ diskutierte in Tutzing aktuelle Forschungsansätze.

Die Forschung über den Holocaust hat sich in den letzten Jahrzehnten immer stärker internationalisiert, ausdifferenziert und spezialisiert. Umso wichtiger ist es, die zentralen Zusammenhänge nicht aus den Augen zu verlieren und den Ertrag der verschiedenen Forschungsansätze kritisch zu gewichten. Deshalb hat jetzt das Zentrum für Holocaust-Studien am IfZ die bisherige Holocaust-Forschung bilanziert. Vom 9.-11. April 2014 führte es gemeinsam mit der Akademie für politische Bildung in Tutzing einen internationalen Workshop durch.


Nach einer Begrüßung und Einführung durch Frank Bajohr (Leiter des Zentrums für Holocaust-Studien) und Magnus Brechtken (Stellvertr. Direktor IfZ) leitete Ulrich Herbert (Universität Freiburg) den Workshop am 9. April mit einem öffentlichen Abendvortrag über die Holocaust-Forschung in Deutschland im IfZ München ein: Geschichte und Perspektiven einer schwierigen Disziplin. Nicht nur die Teilnehmer des Workshops, sondern weit über 100 interessierte Gäste folgten gespannt den Ausführungen des renommierten Holocaust-Forschers und der anschließenden Diskussion.

 

Forschungslinien, Kontroversen und Richtungswechsel der Holocaustforschung


Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Holocaust begann in Deutschland spät. Anfänglich erforschten vor allem jüdische Historiker den Massenmord, während die deutschen Kollegen die Geschichte des Nationalsozialismus ins Zentrum ihrer Arbeiten rückten. Herbert zeichnete in seinem bilanzierenden Rückblick die Forschungslinien, Kontroversen und Richtungswechsel der Forschung über den Holocaust nach, dessen Dimensionen nur langsam ins Blickfeld gerieten. „Den Umfang des Berges sieht man erst, wenn man weiter wegrückt“, kommentierte Herbert in der anschließenden Diskussion die zunächst zögerliche Aufarbeitung der NS-Verbrechen.


Fortgesetzt wurde der Workshop am folgenden Tag in der Akademie für politische Bildung in Tutzing. Sybille Steinbacher (Wien) ging der Frage nach, in welche Kontinuitätsperspektiven der Holocaust eingebettet werden kann. Weniger die NS-Forschung als vielmehr die Genozid- und Kolonialismusforschung hat entsprechende Kontinuitätsfragen thematisiert. Trotz aller berechtigten Kritik an dem Kontinuitätsentwurf Jürgen Zimmerers („Von Windhuk nach Auschwitz?“) sei es, so Steinbacher, sehr wichtig, nach der Einbettung des Holocaust in die großen Traditionslinien des 20. Jahrhunderts zu fragen.

 

Die Gefahr der "Verinselung"


Dieter Pohl (Klagenfurt) betonte in seinem Beitrag, dass der Zusammenhang zwischen den verschiedenen Verbrechenskomplexen und dem Holocaust stärker berücksichtigt werden müsse, als dies in der bisherigen Forschung der Fall war. Trotz der eindeutigen Sonderstellung, die den Juden als Opfern zukommt, war der Mord an ihnen gleichzeitig Teil der Gewalt Hitlers in Europa insgesamt, insbesondere in Polen, in den besetzten sowjetischen Gebieten und in Jugoslawien.


Susanne Heim (Berlin) sprach sich ebenfalls dafür aus, den Blick zu weiten und einer „Verinselung der Holocaust-Forschung“ entgegenzuwirken, wie es etwa das Editionsprojekt „Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden“ (VEJ) versuche. Als Leiterin und Mitherausgeberin zog sie ein Zwischenfazit der bislang geleisteten Arbeit (7 Bände der Edition sind bereits erschienen).

 

Täterforschung, Holocaust und Antisemitismus


Frank Bajohr und Ingo Loose (Berlin) widmeten sich in ihren Beiträgen der Täterforschung. Während Bajohr einen Überblick über die bisherige Täterforschung und den damit verbundenen Schwierigkeiten (Wer zählt zu den „Tätern“? Täterforschung vs. Tatforschung) gab, befasste sich Loose mit jenen Raub- und Enteignungsmaßnahmen, die den Massenmord an den Juden begleiteten. Obwohl Loose die These vom „Massenraubmord“ ausdrücklich verwarf, plädierte er dafür, die ökomischen Aspekte des Holocaust wie den Einsatz jüdischer Zwangsarbeiter stärker in den Blick zu nehmen.


Jürgen Matthäus (Washington D. C.) beendete den ersten Konferenztag an der Tutzinger Akademie mit der Frage nach dem Zusammenhang zwischen Holocaust und Antisemitismus. Dass es einen solchen gegeben habe, stehe außer Frage. Zu untersuchen bleibe, wie sehr das Verhalten der Verantwortlichen ideologisch bestimmt war und inwieweit andere Faktoren Voraussetzung für den Holocaust waren.

 

Opfer, Bystander und Täter


Im zweiten Teil des Workshops befassten sich am nächsten Morgen Beate Meyer (Hamburg) und Andrea Löw (München) mit den begrenzten Handlungsspielräumen und den unterschiedlichen Handlungsstrategien der Opfer in West- und Osteuropa. Erst die jüngere Holocaust-Forschung habe herausgearbeitet, dass Juden nicht nur Opfer waren, sondern stets auch handelnde Akteure.


Dass die Kategorien Opfer – Bystander – Täter allerdings selten eindeutig zuzuordnen sind, bemerkte auch Tatjana Tönsmeyer (Wuppertal) in ihrem Vortrag „Jenseits des Bystanders“ kritisch. Die einschneidende Erfahrung der Besatzung im Zweiten Weltkrieg sei als sozialer Prozess zu interpretieren, der neue Dynamiken freisetzte. Da die Verbindung zwischen Krieg und Holocaust unstrittig ist,  müsse die Besatzung in den jeweiligen Ländern stärker in die bisherige Forschung integriert und nach den Interaktionen und Handlungsmustern der beteiligten Akteure gefragt werden.

 

Der Holocaust als dynamische Verflechtungsgeschichte


Michael Mayer (Tutzing) beendete die zweitägige Expertenrunde mit einem Plädoyer, den Holocaust nicht als Summe von Nationalgeschichten zu verstehen, sondern als Paradebeispiel einer dynamischen Verflechtungsgeschichte.

Kommentiert wurden die Hauptvorträge von Holocaustforschern aus vier Ländern, die die Perspektiven der nicht-deutschen Forschung in die Diskussion einbrachten. Schon im Herbst 2014, vom 23.-25. Oktober, wird das Zentrum für Holocaust-Studien die Diskussion auf einer internationalen  Konferenz weiterführen, bei der das Verhalten der europäischen Gesellschaften im Holocaust im Mittelpunkt stehen wird.



© Institut für Zeitgeschichte