Gutachten

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts für Zeitgeschichte leisten regelmäßig historische Expertise durch wissenschaftliche Gutachten für Behörden, die Justiz und zivilgesellschaftliche Organisationen.


Schon in den Gründungsjahren des IfZ zählte diese Beratungstätigkeit zu einer Kernkompetenz des Instituts. Insbesondere in den 1950er und 1960er Jahren unterstützten IfZ-Wissenschaftler Behörden und die Justiz mit Sachverständigengutachten über Funktionsweise, Strukturen oder Personal des NS-Regimes bei der Verfolgung von NS- und Kriegsverbrechen. Die Zahl solcher IfZ-Gutachten lag bis 1958 bei durchschnittlich 150 im Jahr. Seit 1958, als die Prozesse gegen das Personal der  Konzentrations- und Vernichtungslager und der Einsatzgruppen  geführt oder vorbereitet wurden, stieg die Zahl der Aufträge auf bis zu 600 im Jahr an.


Auch in jüngerer Zeit begleitete das IfZ mit wissenschaftlichen Gutachten beispielsweise die gerichtlichen Auseinandersetzungen um den Bezug von Renten für frühere Ghetto-Insassen. Ein weiterer spektakulärer Fall war der Kriegsverbrecherprozess gegen John Demjanjuk, der ab 2009 in München verhandelt wurde und für den das Gericht auf Sachverständigengutachten eines IfZ-Historikers zurückgriff.


Diese Form der Expertise steht mit dem Ableben der Kriegsgeneration jedoch deutlich weniger im Mittelpunkt: Immer wichtiger wird es stattdessen, historischen Sachverstand für aktuelle Fragen im Umgang mit den langen Schatten des Nationalsozialismus zu liefern. In diesen Kontext fallen beispielsweise Gutachten, in denen die Biografien von Stiftern und Namensgebern posthum auf NS-Bezüge überprüft werden sollen.


Eine wichtige Rolle nimmt die Expertise des IfZ darüber hinaus in der Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus ein: Dazu zählen zum einen Gutachten, die die aktuelle Ideologie, das Liedgut oder die Symbolik rechtsradikaler Gruppierungen auf deren historische Quelle  und damit mögliche volksverhetzende Strafbarkeit überprüfen sollen sowie Stellungnahmen für Behörden, die rechtsradikale Aufmärsche an symbolischen Orten untersagen möchten.


Ansprechpartner für die Gutachtertätigkeit am Institut für Zeitgeschichte ist der Stellvertretende Direktor PD Dr. Magnus Brechtken.



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