Wintersemester 2013/14

Magnus Brechtken

LMU München
Vorlesung: NS-Aufarbeitung und Vergangenheitsbewältigung: Themen, Thesen, Kontroversen
Zeit: Mittwochs 12.00 bis 14.00 Uhr
Ort: LMU Große Aula, Geschwister Scholl Platz 1

Die Vorlesung beleuchtet die Aufarbeitung der NS-Herrschaft vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart. Sie behandelt unter dem Stichwort „Mastering Hitler“ Fragen der alliierten Sicht auf „die Deutschen“, die Entwicklungsgeschichte des Umgangs mit den NS-Verbrechen, Aspekte der Kontinuität und Diskontinuität, die Perspektiven historischer und juristischer Aufarbeitung, den Wandel von Geschichtsbildern und historischen Diskursen sowie den Kontext allgemeiner Fragen der Historisierung. Sie fragt zugleich nach wichtigen Akteuren – Historiker, Journalisten, Verleger, Forschungsinstitute, Museen, Medien – und deren Einflüssen auf die konkurrierenden Lesarten und Narrative zur NS-Vergangenheit. Die Vorlesung beachtet dabei eine dezidiert internationale Perspektive, in dem sie neben der Diskussion in Deutschland namentlich Beiträge aus Großbritannien, Israel und den Vereinigten Staaten sowie weitere Stimmen mit in den Blick nimmt.


Dierk Hoffmann

Oberseminar: Die friedliche Revolution und die Wiedervereinigung Deutschlands 1989/90 im internationalen Kontext
Universität Potsdam
Mittwochs 16 - 18 Uhr


Axel Drecoll

Seminar: Herrschaft und Gesellschaft im nationalsozialistischen Staat

Zeit: Mo. 8:00 bis 11:00 c.t.
Raum:
Schellingstr. 12 (K) - K 026 Seminarraum
Ort:
LMU München


Inhalt

Die Zeit des Nationalsozialismus hat in der zeithistorischen Wissenschaft nach wie vor Konjunktur. Eine ganze Flut von jährlich publizierten Studien setzt sich mit dem NS-Regime auseinander. Die Autorinnen und Autoren diskutieren darin verschiedene Themenschwerpunkte intensiv und zum Teil äußerst kontrovers. Forschungsfragen beschäftigen sich etwa mit den enormen Bewegungskräften und dem großen Mobilisierungspotenzial, die das Regime entfalten und ausschöpfen konnte. Sie kreisen um die hohe Zustimmungsbereitschaft in der Bevölkerung, setzen sich aber auch und vor allem mit der ungeheuer destruktiven Dynamik auseinander, die die NS-Herrschaft in Gang setzte. Dabei haben in den letzten Jahren vor allem gesellschaftsgeschichtliche Ansätze an Bedeutung gewonnen. Unter dem Begriff „Volksgemeinschaft“ diskutieren führende NS-Forscher Inklusions- und Exklusionsmechanismen im „Dritten Reich“ und analysieren die Rolle der deutschen Bevölkerung jenseits der Eliten aus Staat und Partei.

Der Basiskurs greift die virulenten Forschungsfragen zu Herrschaft und Gesellschaft im Nationalsozialismus auf. Im Mittelpunkt stehen gesellschaftsgeschichtliche Ansätze, es sind aber auch weitere Perspektiven in den Blick zu nehmen, die sich dem NS-Regime etwa in organisationsgeschichtlicher, gruppenbiografischer oder militärhistorischer Hinsicht nähern. Perspektivisch sollen schließlich auch die Ausprägungen der „Zweiten Geschichte“ des Nationalsozialismus, die Erinnerung an das NS-Regime zur Sprache kommen. In diesem Zusammenhang gilt es der Frage nachzugehen, wie sich die enorme Konjunktur der NS-Geschichte heute erklären lässt.

Prüfungsform(en) im BA und modularisierten Lehramt: RE+KL+HA
Prüfungsform im Master-Nebenfach (His im GSP): KL+RE+HA


Literatur

  • Bajohr, Frank/Wildt, Michael (Hg.): Volksgemeinschaft. Neue Forschungen zur Gesellschaft des Nationalsozialismus. Frankfurt am Main 2009.
  • Schmiechen, Ackermann, Detlev (Hg.): „Volksgemeinschaft“: Mythos, wirkungsmächtige soziale Verheißung oder soziale Realität im „Dritten Reich“?: Propaganda und Selbstmobilisierung im NS-Staat. Paderborn 2012.

Bernhard Gotto

LMU München
Übung: Einführung in die Emotionsgeschichte

Zeit: Donnerstags 12.00 bis 14.00 Uhr
Ort: LMU (Raum K 026)

Emotionsgeschichte ist seit einigen Jahren ein produktiver und innovativer Zweig der Geschichtswissenschaft, der untrennbar mit dem „cultural turn“ verbunden ist. Wir werden uns mit Hilfe einschlägiger Theoriearbeiten und Forschungswerke, aber auch anhand laufender Forschungsvorhaben mit Gegenstand, Methoden und Theorien der Emotionsgeschichte vertraut machen. Wir werden Konzeptualisierungen für den wissenschaftlichen Umgang mit Gefühlen vor allem aus der Emotionspsychologie kennen lernen und ihre Anschlussfähigkeit für die Geschichtswissenschaft diskutieren. Weiterhin geht es um die derzeit einflussreichsten theoretischen Zugänge auf dem Feld der Emotionsgeschichte. Wir werden verschiedene Beispiele für konkrete Anwendungen, also Werke über spezifische Gefühle und den Wandel von Gefühlskulturen, gemeinsam lesen und diskutieren. Schließlich werden wir laufende Forschungsprojekte kennenlernen, die sich mit Enttäuschung bzw. Vertrauen beschäftigen.


Die Übung richtet sich an Studierende aller Semester. Erwartet wird die Bereitschaft, regelmäßig die – auch englischsprachigen – Texte zu lesen, über die in den Sitzungen diskutiert wird. Alle Teilnehmenden werden Einführungsreferate übernehmen.


Prüfungsform (BA, mod. Lehramt: ES; Bachelor: RE; Master: RE+ES


Einführende Lektüreempfehlung:

Bettina Hitzer : Emotionsgeschichte – ein Anfang mit Folgen, in: HSoz-u-Kult 23.11.2011, hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/forum/2011-11-001


Sven Keller

Übung: Privat! Geschichte eines Konzepts

Zeit: Fr. 10:00-11:30 Uhr
Ort: Universität Augsburg, Gebäude D3, Raum 2129

Die Trennung zwischen Privatheit und Öffentlichkeit sowie zwischen Familie und Erwerbsarbeit zählt zu den Grundstrukturen der Moderne. Entstanden im Übergang von der feudalen zur bürgerlichen Gesellschaft, scheint sie bis weit ins 20. Jahrhundert hinein eine klare Abgrenzung und Aufgabenverteilung definiert zu haben. In den letzten Jahren und Jahrzehnten ist die Vorstellung davon, was privat und was öffentlich ist, jedoch in Bewegung geraten und zum Gegenstand heftiger Debatten geworden: Volkszählung, Facebook oder Super-Nanny sind nur einige Stichworte.
Die Übung wird sich dem Konzept der Privatheit und seiner historischen Entwicklung multiperspektivisch nähern und dabei anhand von Texten seine soziale, alltägliche, kulturelle, ökonomische, politische, normative und geschlechtergeschichtliche Dimension in den Blick nehmen.

Literatur:

  • Jurczyk, Karin/Mechtild Oechsle: Privatheit: Interdisziplinarität und Grenzverschiebungen. Eine Einführung, in: Dies. (Hrsg.), Das Private neu denken. Erosionen, Ambivalenzen, Leistungen, Münster 2008, S. 8–47.
  • Nolte, Paul: Öffentlichkeit und Privatheit. Deutschland im 20. Jahrhundert, in: Merkur 60 (2006), S. 499–512.

Edith Raim

Universität Augsburg

Übung: Historische Kriminalitätsforschung

Montags, 10 Uhr bis 11.30 Uhr, Raum 1087a

Kriminalität und Gewalt sowie ihre Bekämpfung durch Polizei, ihre Aburteilung vor Gericht und der  Strafvollzug im 19. und 20. Jahrhundert werden anhand von Fallbeispielen untersucht. Wie definierte die (deutsche) Gesellschaft deviantes Verhalten und wie reagierten Staat und Justiz auf verschiedene Formen von Kriminalität? Wie änderten sich Strafgesetzbuch und Strafen? Ein Schwerpunkt wird auf Methoden und Theorien der Kriminalitätsforschung liegen.


Literatur:

  • Imanuel Baumann: Dem Verbrechen auf der Spur. Eine Geschichte der Kriminologie und Kriminalpolitik in Deutschland 1880 bis 1980, Göttingen 2006.
  • Kerstin Brückweh:  Mordlust. Serienmorde, Gewalt und Emotionen im 20. Jahrhundert , Frankfurt am Main 2006.
  • Richard Evans: Rituale der Vergeltung. Die Todesstrafe in der deutschen Geschichte 1532-1987, Hamburg 2001.
  • Gerd Schwerhoff: Historische Kriminalitätsforschung, Frankfurt am Main 2011.

Elke Scherstjanoi

TU Chemnitz, Wirtschaft- und Sozialgeschichte
Hauptseminar:
Die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg 1941-1945: Volkswirtschaft, Bevölkerungsentwicklung, Alltag

Zeit: Montags, 11.30-15.15 Uhr (14tägig)
Anmeldung und Beginn: 14. Oktober 2013
Raum: 1/375

Inhalt: Das Hauptseminar behandelt die wichtigsten strukturellen Entwicklungen in der Wirtschaftsplanung, der Wirtschaftsverwaltung, im Investitionsprogramm, bei der Arbeitsorganisation und der Beschäftigungspolitik in der UdSSR während des Zweiten Weltkrieges. Anhand statistischen Materials und in Auswertung vor allem englischer und russischer Forschungsliteratur werden die kriegswirtschaftliche Mobilisierung, das immense Evakuierungs- und Investitionsprogramm zur Verlagerung industrieller Hauptstandorte, das Rüstungsprogramm und die Ernährungspolitik analysiert. Vor dem Hintergrund extremer Lebensverhältnisse, hoher materieller und Arbeitskräfteverluste stellt sich die Frage nach entscheidenden strukturellen volkswirtschaftlichen Ursachen für den Sieg über Deutschland. Das Hauptseminar ist mit einer 4tägigen Exkursion nach Berlin verbunden, die Anfang Mai 2014 durchgeführt wird.

Literatur zur Veranstaltung am 25. November 2013:

Literatur zur Veranstaltung am 5. Dezember 2013:


Michael Schwartz

Hauptseminar II (Blockveranstaltung):
"Die Zivilbevölkerungen im Ersten Weltkrieg 1914-1918: Zwischen Mobilisierung, Kriegseinwirkung und Ausgrenzung".

Ort: Westfälische Wilhelms-Universität Münster


Elke Seefried

Ludwig-Maximilians-Universität München
Vertiefungskurs: Ära der Ökologie? Umwelt und Gesellschaft seit 1945
Mo, 13-16 Uhr, R 302 (Historicum)


Zwischen den späten 1950er und den frühen 1980er Jahren veränderte sich in den westlichen Industriestaaten mit der starken industriellen Wachstumsdynamik das Verhältnis des Menschen zur Natur und zur menschlichen Umwelt. Verweisen lässt sich auf frühe US-amerikanische Mahnrufe wie Rachel Carsons „Silent Spring“ 1962, eine Konjunktur ökologischen Denkens, die in der transnationalen Debatte um die „Grenzen des Wachstums“ 1972 einen ersten Höhepunkt erfuhr, und auf die moderne Umweltbewegung, die sich in den 1970er Jahren formierte und in der Bildung grüner Parteien ihren politischen Ausdruck fand. Worin liegen die Wurzeln und Triebkräfte dieser Entwicklungen, die sich auch im semantischen Wandel von der „Natur“ zur menschlichen „Umwelt“ manifestierte, und welche Verbindungslinien zur älteren Natur- und Heimatschutzbewegung um 1900 gibt es? Welche Ideen, Wissensformen und Trägerschichten prägten die Auseinandersetzung und die Konstruktion von „Umwelt“ zwischen den 1950er und 1980er Jahren, welche Handlungsmuster zeigten sich, und welche gesellschaftlichen und politischen Folgen hatte die „Ära der Ökologie“ (Joachim Radkau)? Diesen Fragen will der Vertiefungskurs nachgehen und insbesondere ausloten, ob und inwieweit die Jahre um 1970 als Zäsur in der gesellschaftlichen Wahrnehmung von und Beschäftigung mit Natur und Umwelt auszumachen sind. Der Kurs stellt die Bundesrepublik Deutschland in den Mittelpunkt, ordnet deren Entwicklungen aber immer in den Kontext der westlichen Industriestaaten und insbesondere der transatlantischen Transferprozesse ein.


Literatur:

  • John McNeill, Blue Planet. Die Geschichte der Umwelt im 20. Jahrhundert, Bonn 2005 (Orig. 2001).
  • Joachim Radkau, Die Ära der Ökologie. Eine Weltgeschichte, München 2011.

Prüfungsformen: RE, HA, MP


Sebastian Voigt

Seminar an der Universität Leipzig (WS 2013/14)
Titel: Krisen der Weimarer Republik

Zeit: Fr. 15.15-16.45 Uhr

Beschreibung: Die Weimarer Republik wird ständig von gesellschaftlichen und politischen Krisen erschüttert. Bereits die Entstehung der ersten deutschen Republik als Konsequenz aus dem Untergang des deutschen Kaiserreichs im Ersten Weltkrieg verweist auf die schwierige Ausgangslage.
Das Seminar möchte eine Kenntnis der Geschichte der Weimarer Republik vermitteln, wobei der Schwerpunkt auf die krisenhaften Zäsuren gelegt wird, die mit der Novemberrevolution 1918 beginnen und über den Kapp-Putsch, politischen Morden bis hin zu den Präsidialkabinetten in der Endphase der Republik reichen, die den Weg zur Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler im Januar 1933 ebneten.


Hermann Wentker

Seminar WS 2013/14 an der Universität Leipzig
Titel:
Vom Kalten Krieg zur „neuen Weltordnung“: Die Transformation der Ost-West-Beziehungen (1979-1991)


Beschreibung: Angesichts der zu Beginn der 1980er Jahre vorherrschenden eisigen Temperaturen in den Ost-West-Beziehungen war es fast unverstellbar, dass gegen Ende des Jahrzehnts der Kalte Krieg endgültig beendet sein würde. Dieser Transformation der Weltpolitik wird insbesondere anhand der Beziehungen der Supermächte USA und Sowjetunion, aber auch anhand markanter Krisen und Ereignisse der 1980er Jahre nachgegangen.


Literatur:

  • John Lewis Gaddis, Der Kalte Krieg. Eine neue Geschichte, München 2007
  • James Mann, The Rebellion of Ronald Reagan. A History of the End of the Cold War, New York 2009
  • Archie Brown, Der Gorbatschow-Faktor. Wandel einer Weltmacht, Fankfurt a.M./Leipzig 2000


Termine:

  • 18.10.2013, 10.15-13.00, HSG, HS 16
  • 29.11.2013, 10.15-19.00, SG SR 202
  • 24.01.2014, 10.15-19.00, SG SR 202

 

 



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