14.04.2015

Die Tagebücher von Alfred Rosenberg



Aufzeichnungen des NSDAP-Chefideologen 1934 – 1944

 

München (14.4.2015). Seit 1946 verschollen, wurden vor wenigen Jahren die politischen Tagebücher des NSDAP-Chefideologen Alfred Rosenberg aufgefunden. In einem amerikanisch-deutschen Gemeinschaftsprojekt des Centers for Advanced Holocaust Studies am US Holocaust Memorial Museum (Washington) und des Zentrums für Holocaust-Studien am Institut für Zeitgeschichte wurden die Aufzeichnungen wissenschaftlich-kritisch ediert und liegen nun erstmals als Gesamtausgabe vor. Am Donnerstag, 16. April stellen die Herausgeber Jürgen Matthäus und Frank Bajohr die Edition im Institut für Zeitgeschichte in München vor.

 

Rosenberg fungierte von 1934 an als Hitlers "Beauftragter für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP" und war in den Jahren 1941 bis 1945 als Reichsminister für die besetzen Ostgebiete mitverantwortlich für den Holocaust. Vom Internationalen Militärgerichtshof wurde er 1946 in Nürnberg als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt und hingerichtet. Ergänzt um zusätzliche ausgewählte Dokumente, eröffnen die politischen Tagebücher Rosenbergs einen wichtigen Einblick in die Gedankenwelt des NS-Chefideologen und seine subjektive Perspektive auf die nationalsozialistische Politik nach 1933. Darüber hinaus belegen sie Rosenbergs Rolle im nationalsozialistischen Herrschaftssystem mit seinen typischen Cliquen- und Machtkämpfen. Rosenbergs Bedeutung ging über die eines bloßen Ideologen hinaus: Seine Aufzeichnungen zeigen, dass seine Rolle bei der Vorbereitung und Umsetzung des Holocaust lange unterschätzt wurde. Schon früh einer der radikalsten Antisemiten, unterstützte er bis zuletzt die deutsche Vernichtungspolitik. Die Tagebücher Rosenbergs liefern damit einen wichtigen Einblick in die vom NS-Regime erzeugte Gewaltdynamik.

 

Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im Institut für Zeitgeschichte, Leonrodstraße 46b, 80636 München.
Die Moderation übernimmt Elizabeth Harvey von der Universität Nottingham.

Wir möchten Sie dazu herzlich einladen und bitten um Anmeldung per E-Mail an presse[at]ifz-muenchen.de oder telefonisch unter (089) 1 26 88 - 150.




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