22.08.2016

Brücke in die englischsprachige Wissenschaftswelt



 

Die Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte bringen mit dem „German Yearbook of Contemporary History“ eine neue Zeitschrift heraus

 

München (22.8.2016). Die Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte (VfZ) haben ein neues Kapitel ihrer traditionsreichen Geschichte aufgeschlagen: Erstmals erscheint in dieser Woche das „German Yearbook of Contemporary History“. Damit schafft die auflagenstärkste historische Fachzeitschrift in Deutschland ein innovatives Format, um die deutsche und die englischsprachige Forschungswelt noch stärker zu vernetzen.

Gerade im anglo-amerikanischen Wissenschaftsraum ist das Interesse insbesondere an der Geschichte der NS-Zeit und des Holocaust ungebrochen – doch fehlende Fremdsprachenkenntnisse verhindern allzu oft die Rezeption von Forschungsarbeiten, die auf Deutsch erschienen sind. Mit dem „German Yearbook of Contemporary History“ schlagen die Vierteljahrshefte nun einen Weg ein, den noch keine andere historische Fachzeitschrift beschritten hat, um die Sichtbarkeit deutscher Zeitgeschichtsforschung und den Transfer wichtiger Forschungsergebnisse in die englischsprachige Welt zu befördern.

Gemeinsam mit dem Verlag De Gruyter Oldenbourg legt die am Münchner Institut für Zeitgeschichte angesiedelte VfZ-Redaktion eine neue Zeitschrift vor, die speziell auf den britischen, kanadischen und US-amerikanischen Markt zugeschnitten ist und vor allem auf zwei inhaltlichen Säulen ruht: übersetzten VfZ-Aufsätzen aus den jeweils letzten Jahrgängen sowie eigens eingeworbenen, diskursiv-kommentierend angelegten Beiträgen. Diese Mischung soll für dynamischen Wissenschaftsaustausch sorgen und Diskussionen anstoßen, die wiederum in den deutschen Forschungsdiskurs zurückwirken. Jede Ausgabe des Yearbook ist als themenbezogener Sammelband konzipiert, in der Regel verantwortet von zwei Herausgebern, von denen der eine eng an die Redaktion der VfZ angebunden ist und der andere aus dem angloamerikanischen Sprachraum stammt.

Der erste Band greift unter dem Titel „Holocaust and Memory in Europe“ ein zentrales Thema der Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts auf. Er wird herausgegeben von Thomas Schlemmer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte und stellvertretender Chefredakteur der Vierteljahrshefte, und Alan Steinweis, Professor für Holocaust-Studien an der Universität von Vermont und Mitherausgeber der VfZ. Namhafte Autoren wie Ulrich Herbert, Grzegorz Rossoliński-Liebe oder Jürgen Zarusky bilanzieren die deutsche Holocaust-Forschung, spüren der Erinnerung an die Ermordung der Juden in der Ukraine nach und stellen Timothy Snyders Konzept der „Bloodlands“ auf den Prüfstand. Für Dialog und Perspektivwechsel zwischen den Forschungswelten sorgen ein Kommentar von Peter Hayes und ein von Valerie Hèbert neu aufbereitetes Schlüsseldokument zur Geschichte des Mordes an den europäischen Juden: der Gerstein-Bericht. Dieser war 1953 im ersten Jahrgang der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte in einem Beitrag von Hans Rothfels veröffentlicht worden.

Die Folgebände für 2017 und 2018 sind bereits in Planung: Sie werden sich der globalen Rolle der Bundesrepublik in den 1970er und 1980er Jahren widmen sowie neue Forschungen über Adolf Hitler präsentieren.




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