06.12.2016

Institut für Zeitgeschichte erforscht die Geschichte der Treuhandanstalt



Der komplexe Transformationsprozess von der Plan- zur Marktwirtschaft am Beispiel einer zentralen Institution der deutschen Wendejahre

München (6.12.2016) Das Institut für Zeitgeschichte München – Berlin (IfZ) startet ein neues Projekt zur Erforschung der Geschichte der Treuhandanstalt. In enger Zusammenarbeit mit dem Bundesarchiv und auf der Basis neu zugänglicher Quellen soll die Tätigkeit, die Arbeitsweise und das politische Kräftefeld rund um diese ebenso zentrale wie umstrittene Institution bei der Transformation der ostdeutschen Wirtschaft von der Plan- zur Marktwirtschaft analysiert werden.

Die Treuhandanstalt (THA) hatte 1990 noch von der ersten freigewählten Volkskammer der DDR den Auftrag erhalten, die knapp 8000 volkseigenen Betriebe (VEB) mit rund vier Millionen Beschäftigten zu privatisieren. Angesichts der damit verbundenen massiven Probleme und Verwerfungen spiegelt die Treuhand wie keine zweite Institution die Komplexität des Transformationsprozesses des wiedervereinigten Deutschland wider.

Im Rahmen seines Forschungsschwerpunkts „Transformationen in der neuesten Zeitgeschichte“, der die rasanten Wandlungsprozesse und soziokulturellen Brüche der Industriegesellschaften seit den 1970er Jahren erforscht, hat das IfZ schon seit längerem die Rolle der Treuhandanstalt in den Blick genommen. Diese soll nun in ihrem wirtschaftspolitischen Umfeld, in ihren Arbeitsweisen und auf der Basis von Regionalstudien untersucht werden. In vergleichender Perspektive richtet sich der Blick zudem auf Transformationsprozesse in Ostmitteleuropa. Neben Eigenmitteln des Instituts für Zeitgeschichte wird das Projekt vom Bundesministerium der Finanzen gefördert.

Das Institut für Zeitgeschichte München – Berlin (IfZ) ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung, die die deutsche Geschichte vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart im europäischen Kontext erforscht. Gegründet wurde das IfZ 1949, um die nationalsozialistische Diktatur wissenschaftlich zu erschließen. Das Arbeitsspektrum gliedert sich heute in die drei Schwerpunkte Diktaturen im 20. Jahrhundert, Historische Demokratieforschung und Transformationen in der neuesten Zeitgeschichte. Zum Institut gehören Forschungsabteilungen in München und Berlin, eine Aktenedition im Auswärtigen Amt und die Dokumentation Obersalzberg. Das IfZ wird von Bund und Ländern finanziert und ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.




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