26.01.2017

1986: Auf dem Weg zu einer neuen europäischen Friedensordnung?



IfZ legt neuen Band der Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik vor

 

München (26.1.2017) Gorbatschow, Tschernobyl, Terrorismus, Historikerstreit – das Institut für Zeitgeschichte hat mit dem neuen Band 1986 der Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland ein turbulentes Jahr vermessen. Mit Ablauf der 30-jährigen Sperrfrist werden die Dokumente aus dem Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes nun auch der Öffentlichkeit vorgelegt: In zwei Bänden zusammengefasst, zeichnen sie auf 2127 Seiten die außenpolitischen Ereignisse des Jahres 1986 nach.

 

Mit Gorbatschows Abrüstungsinitiativen prägte eine nie gekannte Dynamik das Verhältnis zwischen Ost und West: Durch eine Reihe öffentlichkeitswirksamer Vorschläge zur Rüstungskontrolle forderte der KPdSU-Generalsekretär die NATO heraus und sammelte damit vor allem beim westdeutschen Publikum wichtige Sympathiepunkte. Der Gipfel der Supermächte in Reykjavik eröffnete, obwohl ergebnislos, die Perspektive einer Welt ohne Atomwaffen. Zusammen mit der Fortsetzung des KSZE-Prozesses nährte diese Entwicklung die Hoffnung auf eine neue europäische Friedensordnung. Nach dem Besuch Außenminister Genschers in Moskau schien auch das Verhältnis zwischen der Bundesrepublik und der UdSSR neuen Schwung zu erhalten. Für ein abruptes Ende dieses Tauwetters sorgte allerdings Bundeskanzler Helmut Kohl: Im US-Nachrichtenmagazin Newsweek zog er einen aufsehenerregenden Vergleich zwischen Gorbatschow und NS-Propagandaminister Goebbels und provozierte damit einen diplomatischen Eklat.

Eine wachsende Herausforderung stellte 1986 der internationale Terrorismus dar: In Berlin wurde die Diskothek „La Belle“ Ziel eines Anschlags, im Oktober ermordete die Rote Armee Fraktion (RAF) Gerold von Braunmühl, den Leiter der Politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes. Der dramatische Unfall im sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl erschütterte europaweit das Vertrauen in die Kernenergie. Ein Dauerthema für die deutsche Politik blieb schließlich das schwierige Erbe des Nationalsozialismus, das 1986 im „Historikerstreit“ kulminierte.

Das Institut für Zeitgeschichte gibt die Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland im Auftrag des Auswärtigen Amtes, jedoch in völliger wissenschaftlicher Unabhängigkeit heraus. Jedes Jahr erscheint unmittelbar nach Ablauf der 30-jährigen Sperrfrist ein neuer Band der Editionsreihe und macht damit zumeist geheime Akten erstmals der Öffentlichkeit zugänglich.

 

Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland 1986

 

Herausgegeben im Auftrag des Auswärtigen Amts
vom Institut für Zeitgeschichte
bearbeitet von Matthias Peter und Daniela Taschler
Wissenschaftliche Leiterin: Ilse Dorothee Pautsch

Berlin/Boston 2017, 2 Bde., XCV, 2127 Seiten – € 149,95
ISBN 978-3-11-048683-4

 

 




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