Internationale Kooperationen und Gastwissenschaftlerprogramme

Wissenschaftliche Forschung und ihr Diskurs sind international ausgerichtet. Entsprechend kooperiert das Institut für Zeitgeschichte regelmäßig mit zahlreichen europäischen und außereuropäischen Institutionen und Partnern, um den Austausch wissenschaftlicher Ideen zu fördern, gemeinsame Forschungsprojekte zu entwickeln, diese voranzutreiben und die Ergebnisse dieser Arbeit global zu verbreiten. Die wichtigsten Beispiele internationaler Kooperationen werden hier kurz skizziert.

 

Zusätzlich zu diesen vielfältigen Kooperationen mit internationalen Partnerinstitutionen bietet das IfZ Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftlern aus aller Welt die Möglichkeit, die renommierte Infrastruktur des Instituts für einen Forschungsaufenthalt zu nutzen. Die dazugehörigen Programme finden Sie ebenfalls auf dieser Seite.


Zentrum für Holocaust-Studien

Das 2013 am Institut für Zeitgeschichte eingerichtete Zentrum für Holocaust-Studien ist in hohem Maße international ausgerichtet. So arbeitet es in internationaler Kooperation an Forschungs- und Editionsprojekten und organisiert jährlich internationale Konferenzen. Das Zentrum für Holocaust-Studien ist auch am EU-Projekt "European Holocaust Research Infrastructure" (EHRI) beteiligt.

 

Um Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt eine attraktive Forschungsinfrastruktur bieten zu können, schreibt das Zentrum für Holocaust-Studien verschiedene Stipendienprogramme aus. Bereits seit 2011 besteht eine Kooperation des IfZ mit dem Center for Advanced Holocaust Studies des United States Holocaust Memorial Museum (USHMM) in Washington D.C., die seit 2013 vom Zentrum für Holocaust-Studien fortgeführt wird. Im Rahmen eines gemeinsamen Fellowship-Programms wird jährlich einem amerikanischen und einem deutschen Forscher ein wechselseitiger Aufenthalt in Deutschland bzw. den USA ermöglicht. Neben Kurzzeitstipendien im Rahmen des EHRI-Projekts schreibt das Zentrum jährlich allgemeine Fellowships für einen bis zu viermonatigen Forschungsaufenthalt in München aus.

 

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Zentrums für Holocaust-Studien.

Mehr Informationen zu den Fellowship-Programmen und aktuellen Ausschreibungen finden Sie hier.


European Holocaust Research Infrastructure (EHRI)

Das Zentrum für Holocaust Studien am IfZ arbeitet im Projekt "European Holocaust Research Infrastructure" (EHRI) mit 23 anderen Forschungseinrichtungen aus 15 europäischen Staaten sowie Israel und den USA zusammen. Das von der EU finanzierte Projekt soll die dauerhafte Vernetzung von Forschungs- und Archivressourcen zur Geschichte des Holocausts gewährleisten. Das Zentrum gehört mit dem NIOD - Institute for War, Holocaust and Genocide Studies (Amsterdam), Yad Vashem (Jerusalem), CEGESSOMA- Centre for Historical Research and Documentation on War and Society (Brüssel), dem King’s College (London), dem Jüdischen Museum in Prag und Data Archiving and Networked Services - DANS (Den Haag) zu den zentralen EHRI-Partnern, die das Gesamtprojekt leiten und organisieren. Die intensive Kooperation im Project Management Board und in den einzelnen Work Packages, an denen das Zentrum für Holocaust-Studien mitwirkt bzw. für die es die Verantwortung trägt, erfordert die Teilnahme von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an den regelmäßigen Meetings, Workshops und virtuellen Konferenzen. Dadurch wird die internationale Verflechtung des Instituts ebenso gestärkt wie durch das EHRI-Gastwissenschaftlerprogramm und die EHRI-Seminare, die zahlreichen jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem Ausland den Forschungsaufenthalt in München ermöglichen. Das IfZ war mit seinem Engagement im EHRI-Projekt von Beginn an und maßgeblich am Aufbau einer europäischen Infrastruktur zu einem der wichtigsten internationalen Forschungsgebiete beteiligt.

 

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Zentrums für Holocaust-Studien und der Homepage des EHRI-Projektes.


Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler am IfZ

Das Institut beherbergt stets auch Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler aus dem Ausland, die die renommierte Infrastruktur des Instituts nutzen und ihre Projekte zur Diskussion stellen. Neben den oben ausgeführten Fellowships des Zentrums für Holocaust-Studien am IfZ und den EHRI-Fellowships ermöglicht auch ein DAAD-Fellowship einen Aufenthalt am IfZ im Rahmen der Leibniz-Gemeinschaft. Zusätzlich wird ein ganzjähriges Forschungsstipendium des Instituts für Zeitgeschichte vergeben, das am Historischen Kolleg angesiedelt ist. Mehr Informationen hierzu auf der Seite des Historischen Kollegs.

 

Im Folgenden finden Sie einen Überblick über die Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler, die in den letzten Jahren am Institut für Zeitgeschichte gearbeitet haben:

 


Deutsch-russische Historikerkommission

Die Gemeinsame Kommission für die Erforschung der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen wurde auf Initiative des deutschen Bundeskanzlers Helmut Kohl und des russischen Präsidenten Boris Jelzin im Jahr 1997 mit dem Ziel der Vertrauensbildung durch wissenschaftliche Zusammenarbeit bei der Erforschung der gemeinsamen Geschichte gegründet. Andreas Wirsching, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, ist seit 2015 deutscher Co-Vorsitzender der Kommission. Sein Partner auf der russischen Seite ist Alexander Tschubarjan, Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften. Die Kommission fördert einschlägige Forschungs- und Editionsprojekte und organisiert jährlich wechselweise in Deutschland bzw. Russland wissenschaftliche Kolloquien sowie Workshops. Am Institut für Zeitgeschichte angesiedelt ist seit 2007 auch die Redaktion der "Mitteilungen/Сообщения" der Kommission, in denen Kolloquiumsergebnisse veröffentlicht werden. Seit 2012 betreut die Redaktion die von ihr erstellte Homepage der Kommission.

 

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der deutsch-russischen Historikerkommission.


German Yearbook of Contemporary History

Ein wichtiger Schritt zur Vernetzung insbesondere mit der englischsprachigen Wissenschaftswelt stellte das 2016 zum ersten Mal erschienene German Yearbook of Contemporary History dar. Gemeinsam mit dem Verlag De Gruyter Oldenbourg legte das Institut für Zeitgeschichte damit eine neue Zeitschrift vor, die speziell auf den britischen und nordamerikanischen Markt zugeschnitten ist und auf zwei inhaltlichen Säulen ruht: zum einen auf übersetzten Beiträgen aus den renommierten Vierteljahrsheften für Zeitgeschichte, zum anderen auf eigens eingeworbenen, diskursiv-kommentierend angelegten Beiträgen. Zielsetzung des innovativen Projekts ist es, damit die Sichtbarkeit deutscher Zeitgeschichtsforschung und den Transfer wichtiger Forschungsergebnisse in die englischsprachige Welt zu befördern. Die jährlich erscheinenden thematischen Bände werden jeweils von einem Herausgeberteam betraut, dem in der Regel ein Redaktionsmitglied der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte und ein Vertreter der angelsächsischen Zeitgeschichtsforschung angehören.

 

Weitere Informationen zum German Yearbook of Contemporary History finden Sie auf der Homepage der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte.


Internationales Editorennetzwerk

Die Editorengruppe der "Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland" (AAPD) ist seit ihrer Gründung Teil eines Netzwerks von Editionen diplomatischer Akten anderer Staaten bzw. Organisationen und war regelmäßig auf den alle zwei Jahre stattfindenden internationalen Editorenkonferenzen vertreten. In diesem "International Network of Editors of Diplomatic Documents" sind Institutionen und Organisationen aus Europa, Nord- und Südamerika, Asien und Australien sowie der Europäischen Union und der Vereinten Nationen zusammengeschlossen.

 

Im Jahr 2013 gründete sich innerhalb dieses Netzwerks das "International Committee of Editors of Diplomatic Documents" (ICEDD) - ein Zusammenschluß von Editoren und Editorinnen, die sich in ihrer Arbeit hohen wissenschaftlichen Standards verpflichtet fühlen. Das IfZ ist in dem sechsköpfigen "Bureau" des ICEDD über die Leiterin der AAPD, Ilse Dorothee Pautsch, vertreten, die diesem seit April 2017 vorsteht. Für Austausch zwischen den Editionen sorgt neben den regelmäßigen Konferenzen die Internet-Plattform www.diplomatic-documents.org.


Transatlantische Perspektive mit Toronto

Das IfZ unterhält seit 2012 eine Kooperation mit der renommierten Munk School of Global Affairs der University of Toronto. Mit dieser Kooperation hat das Institut seine transatlantischen Kontakte weiter ausgebaut und einen globalgeschichtlichen Zugang gestärkt, der die Thematik des Zweiten Weltkrieges und seiner Folgen in einer erweiterten Perspektive ausleuchtet. Neben einem Wissenschaftleraustausch organisieren beide Institutionen regelmäßig Konferenzen, die die internationale Forschung mit interdisziplinären Fragestellungen voranbringen. 2013 beschäftigte sich eine Konferenz in Toronto mit Zwangsmigration in einer globalen Perspektive, 2014 ging es in Berlin um "Authenticity and Victimhood in Twentieth Century History and Commemorative Culture".  2016 fand die Tagung "Migration, Refugees and Asylum. Concepts, Actors, Practices since the Second World War in Global Perspective" in München statt.


NS-Forschung mit Nottingham und Warschau

Im Jahr 2012 hat das IfZ in enger Kooperation mit Prof. Dr. Elizabeth Harvey (University of Nottingham, Großbritannien), dem Polish Center for Holocaust Research (Warschau) sowie dem Deutschen Historischen Institut in Warschau ein großes Forschungsprojekt über "Das Private im Nationalsozialismus" konzipiert. Realisiert wird es seit Juli 2013. Ein Teilprojekt ist an der University of Nottingham angesiedelt. Wechselseitige Gastaufenthalte der Projektmitarbeiterinnen und Projektmitarbeiter, gemeinsame Konferenzen und Workshops sowie regelmäßige Arbeitstreffen der Steuerungsgruppe in München, Nottingham und Warschau dienten einem regen internationalen Austausch.

 

Weitere Informationen zum Projekt "Das Private im Nationalsozialismus" finden Sie hier.



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