03.11.2017

Neues Forschungsprojekt



Das IfZ befasst sich in einem neuen Forschungsprojekt mit der Geschichte der Deutschen Bundesbank und ihrer Vorläufer, also der Reichsbank und der Bank deutscher Länder. Dabei soll der Zeitraum von 1923 bis 1969 unter wirtschafts-, sozial- und kulturgeschichtlichen Aspekten untersucht werden. Die wissenschaftliche Leitung liegt bei Prof. Dr. Magnus Brechtken, dem Stellvertretenden Direktor des Instituts für Zeitgeschichte und Prof. Dr. Albrecht Ritschl, Leiter der Wirtschaftshistorischen Fakultät an der London School of Economics. Die beiden Wissenschaftler sind dabei weder inhaltlichen Vorgaben noch sonstigen Weisungen der Bundesbank unterworfen.

Die Untersuchung konzentriert sich auf die historische Entwicklung von der Reichsbank über die Bank deutscher Länder bis zur Bundesbank sowie die Besetzung von Schlüsselpositionen in der Bundesbank und ihrer Vorgängerinstitution. Zu diesem Themenkomplex existierten zwar einzelne Studien, doch gibt es nach wie vor keine umfassende wissenschaftliche Aufarbeitung. Der Untersuchungszeitraum beginnt in den Jahren 1923/24 mit der Stabilisierung der neuen Währung nach der Hyperinflation und dem ersten Amtsantritt Hjalmar Schachts als Reichsbankpräsidenten. Sie endet im Jahr 1969, als mit Karl Blessing der letzte Präsident der Deutschen Bundesbank aus dem Amt schied, der zum engsten Mitarbeiterkreis um Hjalmar Schacht gehört hatte.

 

Das Forschungsvorhaben ist auf vier Jahre angelegt und gliedert sich in zwei Blöcke mit je vier Teilprojekten. Im ersten Block, geleitet von Magnus Brechtken, stehen die Biografien des ersten Bundesbankpräsidenten Wilhelm Vocke und seines Nachfolgers Karl Blessing sowie eine Gruppenbiografie des Führungspersonals in der jungen Bundesbank im Mittelpunkt. Darüber hinaus wird im Rahmen einer Länderstudie zum besetzten Polen die Rolle der Reichsbank als Akteur im Eroberungskrieg untersucht. Im zweiten, von Albrecht Ritschl geleiteten Block stehen das institutionelle Selbstverständnis sowie politische Handlungsfelder der Zentralbank in Deutschland im Zeitraum von 1924 bis 1969 im Vordergrund. Zudem werden die Gold- und Devisentransaktionen der Reichsbank im Dritten Reich beleuchtet. Weitere Teilprojekte widmen sich dem Thema Währungspolitik als Ausbeutungspolitik (im Rahmen einer Studie zu Westeuropa im Zeitraum von 1940 bis 1944) sowie der Beteiligung der Reichsbank an der finanziellen Ausbeutung Griechenlands in den Jahren 1941 bis 1943.

Es ist geplant, nach Abschluss der Untersuchung die Ergebnisse der acht Teilprojekte jeweils eigenständig in Buchform zu publizieren, und zwar sowohl in Deutsch als auch in Englisch. Darüber hinaus sollen die Perspektiven des Forschungsprojekts im Rahmen einer wissenschaftlichen Konferenz diskutiert werden. Hierzu soll auch ein zweisprachiger Sammelband erscheinen.

 

Das Foto zeigt Magnus Brechtken und Albrecht Ritschl bei der Projektvorstellung am 3.11. in der Bundesbank Frankfurt (Bildnachweis: Frank Rumpenhorst)




© Institut für Zeitgeschichte