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16.05.2012 :: Deutsch :: Druckversion
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"Die SS in der deutschen Gesellschaft"


Das zunächst von Dieter Pohl, seit September 2010 von Johannes Hürter geleitete und von der DFG geförderte Projekt geht erstmals systematisch der Frage nach, inwieweit die von Heinrich Himmler geführte Schutzstaffel (SS) der NSDAP in der deutschen Gesellschaft verankert war. Damit wird die bereits intensive Erforschung der Struktur und Politik der SS sowie der justiziellen Ahndung ihrer Verbrechen um einen wesentlichen Aspekt ergänzt. In den zwei Teilprojekten werden zum einen die Mitgliederrekrutierung und die gesellschaftliche Attraktivität der Allgemeinen SS bis 1945, zum anderen die Wahrnehmungen der SS in der westdeutschen Öffentlichkeit nach 1945 untersucht.

a) Die Rekrutierung der Allgemeinen SS 1925-1945

Die SS war eine der bedeutendsten NS-Organisationen, da sie als Gliederung der NSDAP zu den Trägern der „Bewegung“ gehörte und ihr Hitler eine wachsende Anzahl eigentlich dem Staat vorbehaltener Aufgaben übertrug. Sie wurde schließlich zum Hauptakteur des Terrorapparats der NS-Diktatur. Während die Spezialverbände der SS, die diese Funktionen übernahmen, etwa die KZ-Wachverbände, der mit der Gestapo verzahnte Sicherheitsdienst oder die Waffen-SS, im Rahmen der „neuen Täterforschung“ großes Interesse auf sich gezogen haben, ist die Allgemeine SS, der bis zum Zweiten Weltkrieg nahezu 90 Prozent aller SS-Mitglieder angehörten und die somit die wichtigste Verbindung zwischen der deutschen Gesellschaft und der radikalsten NS-Organisation war, bisher kaum erforscht worden.
Das seit September 2008 von Bastian Hein bearbeitete Projekt untersucht, wie seit der Gründung der SS durch Hitlers Vertrauten Julius Schreck im Jahr 1925 insgesamt rund 300.000 deutsche Männer angeworben, nach welchen Kriterien und mit welchen Verfahren sie ausgewählt und wie sie geschult wurden, um aus ihnen vollwertige „SS-Männer“ zu machen. Eine zentrale Rolle spielte dabei, dass es der SS gelang, sich selbst ein elitäres Image zu geben, sich als eine Art „Neuadel“ – so der erste Chef ihres Rasse- und Siedlungshauptamts, Richard Walther Darré – in der „Volksgemeinschaft“ des Dritten Reichs darzustellen. Aus welchen Elementen und mit welchen Methoden dieses Image konstruiert wurde, wird ebenso in den Blick genommen wie die Frage, inwiefern es gelang, in der Allgemeinen SS Anspruch und Wirklichkeit zur Deckung zu bringen. Abschließend ist zu analysieren, wie sich die „schwarze SS“ nach 1939 veränderte, als nicht mehr sie selbst, sondern die Waffen-SS im Fokus der SS-Werber stand.


b) Die bundesdeutsche Gesellschaft und die SS

Im Projekt von Andreas Eichmüller (seit April 2010) soll der Umgang mit der SS in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft von der Gründung der Bundesrepublik bis zum Ende der 1970er Jahre analysiert werden. Im Mittelpunkt steht weniger das tatsächliche Maß der Reintegration ehemaliger SS-Angehöriger als vielmehr die öffentliche Thematisierung der SS in verschiedenen Zusammenhängen und die dabei vorherrschenden Geschichtsbilder. Insbesondere werden die etwa anlässlich der Aufnahme von SS-Angehörigen in die Bundeswehr, der periodischen SS-Treffen oder der Enthüllung der SS-Mitgliedschaft bekannter Persönlichkeiten immer wieder aufflammenden öffentlichen Diskussionen über die SS untersucht werden. Dabei wird besonders herauszuarbeiten sein, welche Akteure sich in diesen Debatten zu Wort meldeten, welche Argumentationsstrategien sie verfolgten, welche Differenzierungen zwischen einzelnen SS-Gliederungen (Allgemeine SS, Waffen-SS) vorgenommen wurden und ob sich derartige Grenzziehungen im Laufe des Untersuchungszeitraums verschoben. Im Zusammenhang damit soll das in der Öffentlichkeit vorherrschende Bild der SS in seinen Veränderungen über die Jahre hinweg verfolgt werden. Vor allem gilt es zu klären, ob sich gewisse verallgemeinernde Typisierungen für SS-Angehörige herausbildeten und ob bzw. wie sich das Bild der SS in der Öffentlichkeit von den Darstellungen und Deutungen der wissenschaftlichen Forschung unterschied.

 

Stand: Oktober 2010


 
 
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