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Arbeitsschwerpunkt und laufende Projekte der Abteilung Berlin

Im Rahmen der Arbeit des IfZ ist die Abteilung Berlin zuständig für die Geschichte der SBZ/DDR. Ebenso wie diese ein Bestandteil der ganzen deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts darstellt und mit dieser auf vielfältige Weise verknüpft ist, muß auch die Arbeit der Berliner Abteilung im Rahmen der Institutsarbeit als Ganzes gesehen werden. Anknüpfungspunkte bestehen sowohl zur Zeit vor 1945 als auch zur Geschichte der Bundesrepublik. In den Forschungen der Abteilung Berlin wird die Geschichte der SBZ/DDR in vier größere Zusammenhänge eingeordnet, die damit zugleich thematische Schwerpunkte der Arbeit bilden:
I. Die DDR als Teil deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert
Zur Untersuchung von Kontinuitäten und Brüchen bei den verschiedenen Wechseln von Demokratie und Diktatur wird im Rahmen des DFG-Projekts „Mecklenburg und Vorpommern im 20. Jahrhundert. Lebenswelten im Systemwandel von der Zwischenkriegszeit bis zur Nachkriegszeit“ anhand des Beispiels einer Region nach Verschränkung und Wechselwirkung von politischem und gesellschaftlichem Wandel, nach dem Verhältnis von staatlicher Steuerung und gesellschaftlicher Bindungskraft gefragt. Dies geschieht in zwei Teilprojekten:
1. Bildungsbürger zwischen Demokratie und Diktatur: Gymnasiallehrer in Mecklenburg 1918-1961 (Henrik Bispinck)
2. Traditionelles Gewerbe unter ökonomischem und politischem Wandlungsdruck: Die Küstenfischerei Mecklenburg-Vorpommerns im Systemwandel 1918-1970 (Susanne Raillard)
Zum anderen läßt sich untersuchen, wie sich in einer Biographie die Kontinuitäten und Brüche des 20. Jahrhunderts spiegeln. Dies geschieht in einem Projekt von Dierk Hoffmann zur Biographie Otto Grotewohls, der im sozialdemokratischen Milieu in Braunschweig sozialisiert wurde und in der Weimarer Republik als Politiker aktiv war, bevor er nach 1945 maßgeblich an der Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED beteiligt war und nach Gründung der DDR deren erster Ministerpräsident wurde.
II. Die DDR im osteuropäisch-sowjetischen Zusammenhang
Seit Beginn der Arbeit der Abteilung wurde besonderen Wert auf diesen Aspekt der SBZ/DDR-Geschichte gelegt. In diesem Schwerpunkt wird die Arbeit unter intensiver Nutzung russischer Quellen fortgesetzt. Verwiesen sei auf das SMAD-Handbuch-Projekt von Jan Foitzik, das bis auf die Einleitung und den biographischen Anhang fertiggestellt und bis Mitte 2007 in Manuskriptform vorliegen wird (deutsch-russisches Kooperationsprojekt).
Des weiteren wird das von Elke Scherstjanoi betriebene Projekt zur SED-Kulturpolitik (1961-1989) vor allem im sowjetisch-ostdeutschen Kommunikationszusammenhang, zu einem großen Teil auch auf der Grundlage russischer Quellen betrieben. Zwei Dokumentationen zu den sechziger Jahren sind für 2007/08 vorgesehen.
III. Die DDR im internationalen Zusammenhang
Nachdem die internationale Politik unter Einbeziehung der DDR bereits in einem Sammelband zur Kuba-Krise thematisiert worden ist, liegt nun eine Gesamtdarstellung zur DDR-Außenpolitik von Hermann Wentker im Manuskript vor. Darin geht es um die Schwankungen des außenpolitischen Gewichts der DDR zwischen 1949 und 1989, um das Problem von Heteronomie und Autonomie der Außenpolitik Ost-Berlin und um Perzeptions- und Entscheidungsprozesse in der DDR-Führung.
IV. Die DDR im deutsch-deutschen Zusammenhang
Bereits in den früheren Arbeiten der Abteilung wurden wesentliche Forschungen im deutsch-deutschen Zusammenhang betrieben. Die Forschungen in dieser Richtung werden nicht nur fortgesetzt, sondern auch ausgeweitet und auf eine neue Basis gestellt. In der von Michael Schwartz herausgegebenen, im Manuskript vorliegenden Edition der autobiographischen Schriften des Theaterwissenschaftlers Ernst Schumachers geht es insbesondere um den faszinierenden Lebensweg eines bayerischen Kommunisten in der DDR, der im Westen begann und im Osten seine Fortsetzung fand (und der Zeit seines Lebens gesamtdeutsch orientiert blieb).
In dem im Manuskript vorliegenden, von Udo Wengst und Hermann Wentker herausgegebenen Essayband „Das doppelte Deutschland“ etwas grundlegend Neues versucht. Die DDR wird gleichgewichtig mit der Bundesrepublik behandelt; im Zentrum stehen beziehungs- und wirkungsgeschichtliche Aspekte der deutschen Geschichte nach 1945. Der Band thematisiert vor allem gegenseitige Wahrnehmung und Nichtwahrnehmung von politischen Entscheidungen, Programmen, Ideen und von gesellschaftlichen Prozessen in beiden deutschen Staaten. Wissenschaftler der Berliner Abteilungen sowie der Münchner Zentrale sind daran beteiligt.
V. Synthese
Als zentrales Projekt für die nächsten Jahre ist eine Gesamtdarstellung der Geschichte der SBZ/DDR zwischen 1945 und 1990 geplant:
- Dabei kann an eine Reihe eigener Forschungsleistungen angeknüpft werden.
- Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt von drei Wissenschaftlern der Berliner Abteilung (Dierk Hoffmann, Michael Schwartz, Hermann Wentker): In dieser engen Abstimmung und zeitlichen Perspektive ist dies nur in einem außeruniversitären Institut wie dem IfZ zu leisten.
- Inhaltlich geht es nicht nur um eine Synthese auf dem neuesten Forschungsstand (ein bisher ausstehendes Desiderat), sondern auch darum, die Gesamtgeschichte der DDR in jeweils größere (deutsch-deutsche, osteuropäische, internationale, transnationale) Zusammenhänge zu stellen.
Stand: April 2007

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