Demokratien und ihr historisches Selbstverständnis

Demokratie ist mehr als ein gesellschaftliches Organisationsmodell. Demokratische Rechte und die daran geknüpften Werte haben sich zu einem Modell mit globalem normativem Anspruch entwickelt. Während uns heute die Demokratie nicht nur als Staatsform, sondern als Grundprinzip des Zusammenlebens erscheint, verlief die Entwicklung der Demokratie in Deutschland alles andere als geradlinig. Nach der von Krisen und Zerreißproben geprägten Republik von Weimar und der Schreckensherrschaft der NS-Diktatur war die frühe Bundesrepublik zunächst eine Demokratie unter Bewährungsvorbehalt. Während in den 1960er Jahren der Trend scheinbar unaufhaltsam zu mehr Demokratisierung in allen Lebensbereichen drängte, erschien die Demokratie unter dem Eindruck von Terrorgefahr, Wirtschaftskrise und Zukunftsangst in den 1970er wieder fragil. Und nur für einen kurzen Moment ließ die friedliche Revolution von 1989 an einen endgültigen, weltweiten Sieg der Demokratie denken.

Demokratie ist daher nicht einmal festgelegt, sondern ein fortwährender Prozess. Die historische Demokratieforschung am Institut für Zeitgeschichte untersucht darum erstens Entstehungsbedingungen, Antriebsmomenten und Gefährdungspotenzialen der Demokratie in Deutschland. Zweitens stellt sie die Frage, was gesellschaftlich und kulturell unter Demokratie in Deutschland verstanden wurde. Drittens analysiert sie die Perzeption demokratischer Partizipationschancen. Zusammengenommen fließen diese Perspektive in die Frage ein, die die Zeitgeschichtsforschung generell antreibt: Wie sind wir geworden, was wir sind?

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