NS-Belastungen in Bayern (ca. 1945-1970)

 


Projektinhalt:  

Die Frage, wie weit die frühe Bundesrepublik durch personelle Kontinuitäten aus der NS-Zeit geprägt und belastet war, ist schon früh gestellt worden und bis heute nicht verstummt. Auch das IfZ hat sich in einer Reihe von bahnbrechenden Studien intensiv mit den Nachwirkungen des Nationalsozialismus, etwa mit der Entnazifizierung oder der bundesrepublikanischen „Vergangenheitspolitik“ beschäftigt. Die Frage nach personellen Kontinuitäten nach 1945 hat seit einigen Jahren Konjunktur, wie sich an zahlreichen Studien über das Auswärtige Amt, diverse Bundesministerien und Behörden bis hin zu mehreren Landesparlamenten erkennen lässt. Die Kernfrage lautet: Wie konnte in der Bundesrepublik und in den Ländern mit zum Teil stark belasteten Nationalsozialisten eine funktionierende Demokratie aufgebaut werden?

Am 20. Juni 2013 beschloss der Bayerische Landtag in einem fraktionsübergreifenden Antrag, der auf einer Initiative der Fraktion Bündnis 90 / DIE GRÜNEN beruhte, „die wissenschaftliche Aufarbeitung einer etwaigen NS-Belastung von Mitgliedern der Staatsregierung, Angehörigen der Staatskanzlei und der Ministerien sowie der weiteren obersten Landesbehörden“ (Drucksache 16/17486). Das IfZ wurde beauftragt, einen entsprechenden Forschungsplan zu erarbeiten. Unter dem Arbeitstitel „NS-Belastungen in Bayern (ca. 1945-1970)“ hat das Institut einen grundlegenden Projektplan entwickelt, in dem sich wissenschaftliche Fragen, die politisch-gesellschaftlichen Interessen des Auftraggebers sowie die methodologischen und heuristischen Standards der aktuellen Forschungsdiskussion kombiniert finden. Das Unternehmen knüpft an die Tradition der früheren „Bayern-Projekte“ des IfZ an. Neben dem Blick auf personelle Kontinuitäten fragt dieses Projekt nach gesellschaftlichen und lebensweltlichen Kontexten sowie der konkreten politischen und administrativen Praxis.

 

In einer ersten dreijährigen Projektphase sollen nun ab dem Sommer 2016 die vier Studien „Die Bayerische Staatskanzlei, die Personalpolitik und das 131er Gesetz“, „Das Leitungspersonal im Bayerischen Finanz- und im Bayerischen Justizministerium“, „Landeskriminalamt und Verfassungsschutz“ und „Gesundheitspolitik und Gesundheitsfürsorge“ entstehen. Während der anschließenden zweiten Projektphase werden die Studien „Das Finanzministerium und das Erbe des Nationalsozialismus“, „Bereitschaftspolizei und Polizeiausbildung“, „Polizei und Großstadt“ und „Die Schulabteilung des bayerischen Kultusministeriums und die Direktoren der bayerischen Gymnasien“ durchgeführt.

Für die Umsetzung des Projekts hat sich eine Historikerkommission konstituiert. Sie besteht aus den Professor(in)en Sabine Freitag (Bamberg), Helmut Flachenecker (Würzburg), Ferdinand Kramer (München), Bernhard Löffler (Regensburg), Joachim Scholtyseck (Bonn), Georg Seiderer (Erlangen) und Margit Szöllösi-Janze (München).

 

 

 

 



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