Erforschung der Diktaturen im 20. Jahrhundert

Das 20. Jahrhundert war seit dem Ersten Weltkrieg vom grundlegenden Gegensatz zwischen Demokratie und Diktatur geprägt. Während infolge des Krieges einerseits die Entwicklung zur parlamentarischen Demokratie in Europa beschleunigt wurde, entstanden andererseits autoritäre Ordnungsmodelle zur besseren Mobilisierung der Massen und Ressourcen sowie mit der bolschewistischen Herrschaft in Russland die erste Diktatur neuer, totalitärer Art. Zwischen 1917 und 1989/90 existierten in Europa neben der Demokratie die unterschiedlichsten diktatorischen Staatsformen.

Der Aufstieg der Diktaturen in einer Zeit, in der sich zunächst die westliche Demokratie in Europa durchzusetzen schien, ihre inneren Ausgestaltungen und Transformationen, ihre Beziehungen und Verflechtungen, ihre Untergänge, Nachwirkungen sowie ihre Aufarbeitung, schließlich ihre typologischen Gemeinsamkeiten und Unterschiede – das alles bleiben zentrale Themen der Zeitgeschichtsforschung. Die nationalsozialistische Diktatur wird an keinem zweiten Ort intensiver erforscht als am Institut für Zeitgeschichte. Die grundlegenden Arbeiten des IfZ zur Politik- und Gesellschaftsgeschichte der NS-Herrschaft werden fortgeführt und kulturgeschichtlich erweitert. Komplementär zur NS-Forschung beschäftigt sich das IfZ außerdem mit den beiden anderen großen europäischen Führerdiktaturen, mit Mussolinis Italien und der Sowjetunion unter Stalin. Die Herrschaftsstrukturen und -praktiken in diesen Staaten werden dabei zu anderen Diktaturen in Beziehung gesetzt oder mit ihnen verglichen.

Die Stalinismusforschung erstreckt sich über 1945 hinaus auch auf die zweite Diktatur in Deutschland. Die Geschichte der SBZ/DDR wird dabei vom IfZ nicht isoliert, sondern sowohl als Teil des sowjetischen Herrschaftsgebiets als auch im deutsch-deutschen Zusammenhang erforscht und in den Gesamtverlauf der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts eingeordnet. Das bietet Anknüpfungspunkte an die Diktaturforschung vor 1945. Überdies gibt es nach wie vor Forschungslücken bei zentralen Themen der DDR-Geschichte im engeren Sinne, zu deren Schließung das IfZ wesentlich beiträgt

 

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