Räume der Obdachlosigkeit. Urbane Erfahrungen und Identitätskonstruktionen von Obdachlosen zwischen Fürsorge und Strafe 1924-1974

 

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (IfZ):  Nadine Recktenwald M.A.

Projektinhalt:  

Das Dissertationsprojekt erforscht urbane Lebensformen von Obdachlosen in Deutschland im 20. Jahrhundert. Die Arbeit beginnt mit den Fürsorgereformen 1924, die erstmals einen Fürsorgeanspruch der Obdachlosen neben ihrer jahrzehntelangen strafrechtlichen Verfolgung formulierten. Diese ambivalente Position zwischen Fürsorge und Strafe blieb bis zur formalen Entkriminalisierung von Obdachlosigkeit 1968 in der DDR und 1974 in der Bundesrepublik bestehen und war grundlegend für den staatlichen Umgang mit und der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Obdachlosen.

Aus einem alltags- und erfahrungsgeschichtlichen Ansatz arbeitet das Projekt urbane Erfahrungen, die der Zustand der Obdachlosigkeit evozierte, heraus und fragt, wie sich diese in einer raum- und zeitübergreifenden Identität der Betroffenen verdichteten. Auf der Untersuchungsbasis von vier Städten in Ost- und Westdeutschland werden analytische Erfahrungs- und Handlungsräume ermittelt. Neben Fragen nach gesellschaftlichen Wahrnehmungsmustern und Umgangsarten in diesen Räumen, stehen in erster Linie Aushandlungsprozesse zwischen Obdachlosen und Behörden, Modi der Selbstrepräsentation sowie Strategien und Reaktionen der Betroffenen auf Stigmatisierungen und Ausgrenzungen im Fokus.

Die Dissertation wird durch ein Promotionsstipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert.

 

 



Zurück zur vorherigen Seite


© Institut für Zeitgeschichte