Rudolf Höß – Handlungspraxis, Beziehungsstrukturen und Privatleben eines KZ-Kommandanten

 

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (IfZ):  Anna Raphaela Schmitz M.A.

Projektinhalt:  

Im nationalsozialistischen Konzentrationslager-System war die Ausgestaltung politischer Macht eng mit Biografien der SS-Funktionselite, deren personellen Netzwerken und ihrer alltäglichen Handlungspraxis verknüpft. So war der Aktionsradius des Lagerkommandanten des größten Konzentrations- und Vernichtungslagers vor allem durch dessen institutionellen Nahbereich geprägt. Aufgrund seiner Handlungspraktiken gilt Rudolf Höß als Synonym für die präzise organisierte und fabrikmäßige Umsetzung des Massenmordes in Auschwitz-Birkenau.

Das Dissertationsprojekt zu dem ehemaligen KZ-Kommandanten erweitert einen bis dato rein personalisierenden Ansatz um eine Verbindung von Struktur- und Biografiegeschichte: Aus der Alltags- und Mikroperspektive von Rudolf Höß werden die Planung und die Durchführung des Massenmordes untersucht. Der Lagerkommandant war nicht nur ein politischer Funktionär, der allein im Rahmen vorgegebener Handlungsspielräumen agierte – eigenständig schuf er neue Konzepte und nutzte Netzwerke innerhalb und außerhalb der Lagermauern. Mittels einer „praxeologischen“ Biografie des KZ-Kommandanten werden einerseits die von der NS-Führung vorgegebenen Rahmenbedingungen und anderseits die Handlungsmaximen und die sozialen Interaktionen der Täter in Auschwitz-Birkenau analysiert. Das Verhältnis zwischen Höß und Lagerpersonal beschränkte sich nicht ausschließlich auf den alltäglichen KZ-Betrieb, sondern erstreckte sich darüber hinaus auf gesellschaftliche und kulturelle Veranstaltungen nach Dienstschluss. Die Aufrechterhaltung familiärer Strukturen sowie das Zugeständnis intimer Freiräume sollten helfen, den Anschein von subjektiv erlebter „Normalität“ weitestgehend aufrecht zu erhalten.
Die geistige Heimat von Rudolf Höß war besonders durch die tiefgehende Verwurzelung in der nationalsozialistischen „Bewegung“ seit deren Anfängen bestimmt. Das Interagieren der Täter sowie die Verknüpfung der institutionellen und personellen Ebenen innerhalb und außerhalb der Lagermauern soll methodisch anhand einer Netzwerkanalyse untersucht werden. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem KZ-Kommandanten aus unterschiedlichen Blickwinkeln diverser Personengruppen und die Einbettung in den gesellschaftlichen Kontext des nationalsozialistischen Regimes bilden den Ausgangspunkt.

 

 



Zurück zur vorherigen Seite


© Institut für Zeitgeschichte