Von der Hallstein-Doktrin bis zum Krieg am Golf: Das Verhältnis des Irak und des Iran zu beiden deutschen Staaten 1969-1991

 

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (IfZ):  Julia Sittmann MPhil

Projektinhalt:  

Der Iran-Irak-Krieg gilt als längster traditioneller Landkrieg des 20. Jahrhunderts – dennoch wird der Stellenwert dieses Krieges in den größeren Strömungen des Kalten Krieges, des Aufstiegs des politischen Islam, der Proliferation der modernen Waffenindustrie und des Aufstiegs der Erdöl-produzierenden Staaten, weitgehend vernachlässigt. Im Bestreben, den Iran-Irak-Krieg innerhalb der Geschichtsschreibung des Kalten Krieges neu zu positionieren, wählt dieses Forschungsvorhaben als Ausgangspunkt die Außenbeziehungen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik mit dem Iran und dem Irak – begrenzt auf den Zeitraum zwischen der diplomatischen Anerkennung der DDR von der Ba'thistischen Regierung Iraks (1969) und der deutschen Wiedervereinigung und dem ersten Golfkrieg (1991).

Während der deutsch-deutsche Sonderkonflikt elementar mit dem Kalten Krieg verwoben war, hat die Rivalität zwischen Iran und Irak ihren Ursprung in dem Streben nach regionaler Hegemonie und in der Unterdrückung sektiererischer Unruhen. Dennoch war der Ost-West-Konflikt ein entscheidender Vektor, durch den alle vier Länder aufeinander einwirkten, der Irak nominell mit dem sozialistischen Lager alliiert, und der Iran ein Klienten-Staat des Westens. Erst die iranische Revolution und die darauffolgenden Kriege veränderten den Grundtenor dieser Beziehungen und schufen damit die neue Basis, auf der beide deutsche Staaten um Erdöl-, Waffen-, Industrie- und Informationsressourcen (und Kredite) konkurrierten. Ferner begann in dieser Zeit der politische Islam – auch für beide deutschen Staaten – erstmals eine Rolle zu spielen, als Motivationsstrategie (die von westlichen und nahöstlichen Akteuren gezielt eingesetzt wurde, um den Kampf gegen die UdSSR, wie z.B. in Afghanistan, zu untermauern), als politisches Ziel an sich, und als grenzüberschreitendes Feindbild. Der Vergleich der Außenbeziehungen mit dem Iran und dem Irak erlaubt uns die Gestaltung der Logiken des globalen Kalten Krieges in der BRD und der DDR zu beleuchten und die Bedeutung solcher Beziehungen in der Ausformung der internationalen Weltordnung nach 1989 zu analysieren.

 

 



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