Das Leitungspersonal im Bayerischen Finanzministerium und das Erbe des Nationalsozialismus

 

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (IfZ):  PD Dr. Bernhard Gotto

Projektinhalt:  

Die Frage nach Ausmaß und Bedeutung von Kontinuitäten zur NS-Diktatur stellte sich für das Staatsministerium der Finanzen mit besonderer Schärfe. Zwischen 1933 und 1945 hatten die Finanzbeamten eine Schlüsselrolle bei der Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung gespielt, wie die Forschung gerade für Bayern eindringlich nachgewiesen hat. Außerdem fielen umfangreiche Aufgabenbereiche in die Zuständigkeit der Landesfinanzpolitik, die unmittelbar mit den Folgen des NS-Unrechts zusammenhingen, beispielsweise die Wiedergutmachung, die Verwaltung und Verwertung von ehemaligen NS-Vermögenswerten und die Versorgung von Staatsbediensteten, die während der NS-Diktatur oder danach aus dem Dienst hatten ausscheiden müssen. Zugleich aber lassen sich anhand von Finanzverwaltung und Finanzpolitik langfristige Wandlungsprozesse analysieren, die sich auf das Verständnis von Staatlichkeit selbst auswirkten.

 

Das Projekt untersucht, welche Auswirkungen solche Prägungen und Erfahrungen, aber auch weiter zurückreichende Kontinuitäten und demokratische Neuanfänge auf die Führungskohorte des Finanzministeriums hatten. Das Sample umfasst alle leitenden Beamten vom Referatsleiter aufwärts. Dabei sind nicht allein deren Haltung zur NS-Ideologie zu rekonstruieren, sondern auch Handlungsspielräume und Entscheidungen in ihrem administrativen Wirkungsrahmen. Parallel zu dieser akteursbezogenen Untersuchungsebene werden Kontinuitäten und Neuanfänge auf ausgewählten Handlungsfeldern analysiert. Dabei werden die nachgeordneten Behörden des Ministeriums, insbesondere die Oberfinanzdirektionen, miteinbezogen. Schließlich untersucht die Studie eingehend, was zu welchem Zeitpunkt unter „NS-Belastung“ verstanden wurde.

 

 



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