Wirtschaftspolitische Leitbilder in Deutschland zwischen Krisenerfahrung und Wachstumserwartung 1970-2000

 

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (IfZ):  Prof. Dr. Dierk Hoffmann

Projektinhalt:  

Noch Anfang der 1970er Jahre wurde der „kurze Traum immerwährender Prosperität“ (Burkart Lutz) geträumt. Mit Karl Schillers ökonomischer Globalsteuerung hatte die Große Koalition das Instrumentarium keynesianischer Konjunkturregulierung als festen Bestandteil in die Wirtschaftspolitik aufgenommen. Nach der Rezession von 1966/67 schien es, als würde ein langfristig stabilisiertes Wirtschaftswachstum automatisch zu steigenden Staatseinnahmen führen. Wie utopisch diese Vorstellung war, zeigte sich nach dem ersten Erdölpreisschock 1973. Verschiedene Grundannahmen gerieten mit einem Mal ins Wanken, insbesondere der Glaube an stetiges Wirtschaftswachstum.

Doch der Fortschrittsoptimismus war auch in der DDR ein hervorstechendes Kennzeichen der staatssozialistischen Wirtschaftspolitik; er stieß auch hier an seine Grenzen. Im Westen hingegen wurde die wirtschaftspolitische Rolle des Staates zunehmend kritisch diskutiert. Die Vereinigung Deutschlands 1990 ließ den Interventionsstaat bei der Transformation der planwirtschaftlichen Ordnung und den dabei auftretenden Problemen in den fünf neuen Bundesländern für kurze Zeit wieder in einem anderen Licht erscheinen. Gleichzeitig erreichte die Privatisierungswelle in den 1990er Jahren z. B. im Telekommunikationsbereich ihren Höhepunkt. Diese Widersprüchlichkeit prägt die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung bis heute. Während sich die SED-Führung intern schon Mitte der 1970er Jahre über den bevorstehenden Staatsbankrott durchaus im Klaren war, hielt sie nach außen an der Lösung der Krise durch eine Fortsetzung der Planwirtschaft fest.

In diesem von Dierk Hoffmann bearbeiteten Projekt sollen die wirtschaftspolitischen Leitbilder, vor allem das Verständnis von Wirtschaftswachstum, am Beispiel des Bundeswirtschaftsministeriums und der Staatlichen Plankommission eingehend untersucht werden.

 

 



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