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04.02.2012 :: Deutsch :: Druckversion
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Gutachten

 

Die wissenschaftliche Arbeit der Mitarbeiter des Instituts für Zeitgeschichte schlug sich in den 50er Jahren vornehmlich in der Ausarbeitung von Gutachten für Behörden und Gerichte nieder. Die Gutachten behandelten meist Probleme im Rahmen des Vollzugs der Wiedergutmachungsgesetzgebung und des Gesetzes zu Art. 131 GG, befassten sich mit den zu Beginn des Dritten Reiches gleichgeschalteten Vereinigungen oder enthielten Stellungnahmen, die im Rahmen von Strafverfahren gegen NS-Verbrecher abgegeben wurden. In allen Gutachten ging es darum, die jeweiligen speziellen Probleme mit den allgemeinen Fakten und größeren Zusammenhängen zu verbinden. Auf diese Weise ist es im Lauf der ersten 20 Jahre der Institutsarbeit gelungen, "eine solide Kenntnis der für die Herrschaftspraxis des NS-Regimes so typischen Verschränkung penibelster Verwaltung mit Willkürmaßnahmen, die sich über jede staatliche Disziplin hinwegsetzten", zu erlangen.

Angesichts der großen Bedeutung der Gutachten für die Erforschung des NS-Regimes hat das Institut für Zeitgeschichte 1958 und 1966 jeweils Sammlungen von besonders wichtigen Gutachten publiziert. Dabei behandelten die veröffentlichten Gutachten in beiden Bänden Themen, die sich "in erster Linie auf die mannigfachen Verfolgungsmaßnahmen des nationalsozialistischen Regimes und auf Spezialfragen der Organisation des Dritten Reiches" bezogen. Bereits im Jahr vor dem zweiten Gutachtenband waren mit dem Werk "Anatomie des SS-Staates" die Gutachten erschienen, die Martin Broszat, Hans Buchheim, Hans-Adolf Jacobsen und Helmut Krausnick für den Auschwitz-Prozess erstellt hatten und die gewissermaßen den Höhepunkt der Gutachtentätigkeit des Instituts darstellten.

Die Zahl der Gutachten, die das Institut zu erstellen hatte, lag bis 1958 bei durchschnittlich 150 im Jahr. Seit 1958, als die Prozesse gegen das Personal der nationalsozialistischen Konzentrationslager und der Einsatzgruppen geführt oder vorbereitet wurden, stieg die Zahl der Gutachten auf etwa 600 pro Jahr an. Nach dem Ende der Prozesslawine nahm die Zahl der Gutachtenersuchen langsam, aber stetig ab. Sie liegt heute unter 100 und auch die einzelnen Gutachten selbst besitzen inhaltlich in aller Regel nicht das Gewicht wie es früher der Fall war. Überflüssig geworden ist die Arbeit der Gutachtenabteilung jedoch keineswegs: gerade im Zusammenhang mit dem Anwachsen des Rechtsradikalismus muss das Institut für Behörden und Gerichte immer wieder tätig werden.

Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte, München, Selbstverl.. - (Veröffentlichungen des Instituts für Zeitgeschichte)
[1]. (1958). - 439 S.2 . 1966. - 479 S.
 

Anatomie des SS-Staates / von Hans Buchheim .... - 7. Aufl. . - München : Dt. Taschenbuch-Verl., 1999. - 684 S. . - ISBN: 3-423-30145-7. - (dtv ; 30145)


 
 
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