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02.09.2010 :: Deutsch :: Druckversion
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Inhaltsverzeichnis 4/2007


Aufsätze: 

  • Anselm Doering-Manteuffel: Nach dem Boom. Brüche und Kontinuitäten der Industriemoderne seit 1970. (A)[Abstract]
  • Stefan Martens: Frankreich zwischen "Histoire contemporaine" und "Histoire du temps présent". (A)[Abstract]
  • Malte König: Prostitution und Emanzipation. Die Schließung der staatlich lizenzierten Bordelle Italiens 1958. (A)[Abstract]
  • Matthias Dahlke: "Nur eingeschränkte Krisenbereitschaft". Die staatliche Reaktion auf die Entführung des CDU-Politikers Peter Lorenz 1975. (A)[Abstract]

Dokumentation:

  • Matthias Uhl und Armin Wagner: "Die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen nachrichtendienstlicher Aufklärung". Bundesnachrichtendienst und Mauerbau, Juli-September 1961. (D)[Abstract]

Rezensionen online:

Mit Heft 4 wird im Abonnement auch die Bibliographie zur Zeitgeschichte Jahrgang 55 (2007) ausgeliefert.

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Abstracts


Anselm Doering-Manteuffel, Nach dem Boom: Brüche und Kontinuitäten der Industriemoderne seit 1970.

Seit den 1970er Jahren hat sich ein Paradigmenwechsel der Industriemoderne in Europa vollzogen. Er läßt die Zeit des Nachkriegsbooms bis 1975 als eine historische Epoche erscheinen, die abgeschlossen ist. Die Geschichtswissenschaft muß deshalb analytische Kriterien zur Historisierung dieser Zeit entwickeln, um die „Epoche des Booms“ deutlich von unserer Gegenwart „nach dem Boom“ abzugrenzen. Der Aufsatz gibt Begründungen für die These des Epochenbruchs um 1975/80 und skizziert ein epistemologisches Instrumentarium, mit dem eine solche Historisierung geleistet werden kann.

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Stefan Martens
, Frankreich zwischen "Histoire contemporaine" und "Histoire du temps présent". 

In Frankreich hat sich in den vergangenen Jahren neben der "Histoire contemporaine" zunehmend auch der Begriff der "Histoire du temps présent" eingebürgert. Die Entwicklung der Zeitgeschichte zu einer eigenen Disziplin nahm wie in Deutschland, auch in Frankreich nach dem Ersten Weltkrieg ihren Anfang. Einer der Wegbereiter war Pierre Renouvin. Nach dem Zweiten Weltkrieg ordnete der Staat mit der Gründung des Comité d’Histoire de la Deuxième Guerre mondiale die Forschung neu, verweigerte ihr aber zugleich den Zugang zu den Archiven. Unter dem Einfluss der Schriften von Marc Bloch privilegierten Lucien Febvre und vor allem Henri Michel die Zeitzeugenbefragung. Die Dokumentation der Befreiung des Landes entwickelte sich rasch zu einem der Schwerpunkte der Arbeit des Comités. Nach öffentlicher Kritik wurde das Comité aufgelöst; an seine Stelle trat 1978 das Institut d’histoire du temps présent. Gleichzeitig wurde die Verschlusszeit für staatliche Akten auf dreißig Jahre reduziert. Die Forschung nahm unter dem Gründungsdirektor François Bédarida einen neuen Anfang, entwickelte sich aber als Reaktion auf Enthüllungen und Skandale zunächst zu einer innerfranzösischen Auseinandersetzung um die eigene Vergangenheit. Das Abtreten der Generation der Zeitzeugen in Verbindung mit der Verankerung der Zeitgeschichte an den Universitäten und dem Nachrücken von jungen Forschern haben die Diskussion jedoch zunehmend versachlicht. Das IHTP, das am Anfang dieser Entwicklung stand, ist jüngst durch die Forderung nach einer Reform der staatlich finanzierten Forschung in eine Krise geraten. Angesichts der Gründung zahlreicher neuer Forschungseinrichtungen ist eine inhaltliche Neuausrichtung dieses Instituts unverzichtbar, wenn es seine führende Stellung in Frankreich bewahren soll.

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Malte König
, Zwischen Prostitution und Emanzipation. Die Schließung der staatlich lizenzierten Bordelle Italiens (1948-58).

Zehn Jahre diskutierte das italienische Parlament die so genannte Legge Merlin. Erst im Jahre 1958 setzte das Gesetz der kontrollierten Prostitution ein Ende und sorgte für die Schließung der case chiuse – staatlich lizenzierter Bordelle, in denen seit Zeiten Cavours die medizinische Überwachung von Prostituierten garantiert wurde. War im 19. Jahrhundert die Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten ausreichend gewesen, um die Einführung der case di tolleranza zu begründen, so stellte sich die Diskussion nach dem Zweiten Weltkrieg ungleich komplizierter dar. Menschen-, insbesondere frauenrechtliche Argumente hatten an Gewicht gewonnen, während das gesundheitspolitische aufgrund der Entdeckung des Penicillins an Zugkraft verlor. Gleichzeitig nahm der internationale Druck zu, da sogar die UNO gegen die lizenzierte Prostitution in den Mitgliedsstaaten vorging. Schließlich spiegeln sich in dieser Debatte auch die Neudefinition der Frau sowie der Bruch mit einigen sozialen Grundmustern wider.

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Matthias Dahlke
, "Nur eingeschränkte Krisenbereitschaft". Die staatliche Reaktion auf die Entführung der CDU-Politikers Peter Lorenz 1975.

Die Entführung des Spitzenpolitikers Peter Lorenz im Februar 1975 war eine der bis dahin schwersten Herausforderungen für die „Innere Sicherheit“ der Bundesrepublik Deutschland; allerdings wird sie heute durch den „Deutschen Herbst“ weitgehend verdrängt. Politikerentführung als Mittel des Terrorismus war ein Novum. Für die Krisenstäbe der Bundes- und Landesregierungen gab es keine vorgefertigten Strategien; nach fast einer Woche entschieden sie sich für ein Nachgeben und ließen fünf inhaftierte Terroristen in das sozialistische Süd-Jemen ausfliegen. Der Blick in die Akten, Strategiepapiere und Manöverkritiken der Krisenstäbe und der involvierten Ministerien offenbart die Konfliktlinien, Handlungsansätze und Debatten auf dem Weg zu dieser Entscheidung. Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung spielte Bundeskanzler Helmut Schmidt nur eine untergeordnete Rolle bei der Entscheidungsfindung. Insbesondere die Länder, dominiert von Helmut Kohl und Klaus Schütz, verstanden es, ihre nachgebende Haltung durchzusetzen. Es wird auch deutlich, dass die neue, medienorientierte Strategie der Terroristen sowie die Überforderung der zerrütteten Berliner Landespolizei den staatlichen Spielraum stark einschränkte. Die „erfolgreiche“ Lorenz-Entführung setzte Maßstäbe für terroristisches als auch staatliches Handeln, wie die kurz darauf folgende Botschaftsbesetzung in Stockholm zeigte.

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Matthias Uhl und Armin Wagner, "Die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen nachrichtendienstlicher Aufklärung in besonders verständlicher Weise". Bundesnachrichtendienst und Mauerbau, Juli-September 1961.

„Im Sommer einundsechzig, am 13. August, da schlossen wir die Grenzen und keiner hat's gewusst“, hieß es nach dem Mauerbau in einem ostdeutschen Propagandalied. Doch hatten die westlichen Geheimdienste tatsächlich keinerlei Kenntnis von den östlichen Vorbereitungen zur Grenzschließung? Ein Blick in die jetzt im Bundesarchiv in Koblenz zugänglichen Dokumente des Bundesnachrichtendienstes bestätigt dieses Bild nicht. Bereits Ende Juli 1961 wies der BND die Bundesregierung in seinem routineüblichen Monatsbericht darauf hin, dass mit einer „wirksamen Blockierung“ West-Berlins durch die DDR gerechnet werden müsse. Während die Politik in West-Berlin und Bonn verschiedene Reaktionen des Ostens für möglich hielt, gab es aus Sicht des Bundesnachrichtendienstes in den Wochen und Tagen vor und während des Mauerbaus für keine Handlungsoption so viele Indizien wie für die gewaltsame Sperrung der Sektorengrenze und die Abriegelung West-Berlins. Genau das meldete die BND-Auswertung der politischen Führung der Bundesrepublik.

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