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16.05.2012 :: Deutsch :: Druckversion
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Revolution aus dem Rathaus? Kommunale Kulturpolitik in der Bundesrepublik Deutschland vor und nach 1968


Manfred Kittel

Die Studie untersucht vor allem am Beispiel der Stadt Frankfurt am Main kommunale Kulturpolitik in der Bundesrepublik Deutschland in den 1960er und 1970er Jahren. Sie geht davon aus, dass die Begriffe "Studentenrevolte" oder "Kulturrevolution" bis heute die Spannbreite markieren, in der sich viele Einschätzungen über die "68er"-Bewegung in Deutschland bewegen. Doch auch wenn "1968" eine "kulturrevolutionäre" Bedeutung beigemessen wird, bleibt in der Regel unklar, auf welche Bereiche der Kultur sich die Umwälzungen denn tatsächlich konkret bezogen haben. Statt dessen begnügt man sich nur zu oft mit Gemeinplätzen über den offensichtlichen "Lebensstilwandel", der sich in einer neuen Sexualmoral oder im Protest gegen überkommene Modevorstellungen (Minirock und lange Haare) geäußert habe; von der Funktion der (Rock-)Musik vielleicht einmal abgesehen, gerät dabei die kulturelle Entwicklung im engeren und "klassischen" Sinne (Theater, Museen etc.) kaum in den Blick.

Auf eben diese Bereiche wird sich die Studie nun konzentrieren. Frankfurt am Main, das ausgewählte Forschungsfeld, war nicht irgendeine deutsche Stadt, sondern einer der nationalen Brennpunkte der "68er"-Bewegung und zugleich ein großes Laboratorium gesellschaftlichen und kulturellen Wandels im Spannungsfeld von "Frankfurter Schule" und Frankfurter Banken, von Neomarxismus und voll entfaltetem Kapitalismus. Zudem war die Stadt traditionell sozialdemokratisch regiert, so dass sich die vom "Marsch durch die Institutionen" (der SPD) ausgelösten Erschütterungen ziemlich unmittelbar in kommunalem Regierungshandeln niederschlagen konnten. Mit dem von "68" beeinflussten, sich ausdrücklich zum "progressiven Flügel" der SPD bekennenden Hilmar Hoffmann wurde 1970 - gegen eine Konkurrentin vom "rechten" SPD-Flügel - ein Kulturdezernent berufen, der die universalste gesellschaftliche Forderung der damaligen Zeit, das Konzept der "Demokratisierung", zur Maxime seiner Politik erhob: "Kultur für alle".

Auf welchen lokalspezifischen Voraussetzungen Hoffmanns Politik aufruhte, auf welche Widerstände sie stieß und was sie letztlich konkret bewirkte, wird an zentralen Themen der Frankfurter Kulturpolitik untersucht. Im Mittelpunkt steht dabei die Entwicklung der Städtischen Bühnen, die zu Beginn der 1970er Jahre mit neuen Modellen der "Mitbestimmung" experimentierten, und nicht zuletzt des "Theaters am Turm", wo mit Rainer Maria Fassbinder zeitweilig eine besonders umstrittene Persönlichkeit agierte. In den Blick genommen werden aber auch die äußerst kontroversen Debatten um ein neues stadtgeschichtliches Museum, dem ein stark von "1968" inspiriertes didaktisches Konzept von "demokratischer Gesellschaft" zugrunde lag, sowie der Wandel des Frankfurter Kunstmuseums "Städel", an dem die Interessen der lokalen Mäzene aus dem vielzitierten Kreis von "Adel und Banken" mit denen des "demokratisierenden" Kulturdezernenten Hoffmann hart zusammenstießen. Von der besonders stürmischen Frankfurter Entwicklung darf man sich vor allem auch Antworten auf die grundlegende Frage versprechen, in welcher Weise "Reform und Revolte" in den 1960er Jahren tatsächlich aufeinander eingewirkt haben.

Stand: April 2007


 
 
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