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16.05.2012 :: Deutsch :: Druckversion
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Mecklenburg und Vorpommern im 20. Jahrhundert


Lebenswelten im Systemwandel von der Zwischenkriegszeit bis zur Nachkriegszeit


Das Projekt fragt im systemübergreifenden Längsschnitt nach der Verschränkung und der Wechselwirkung von politischem und gesellschaftlichem Wandel im Zeitraum von 1918 bis in die konsolidierte SED-Diktatur der sechziger Jahre. Es zielt auf regionaler Ebene auf eine politische Sozialgeschichte von Herrschaft in drei unterschiedlichen politischen System der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert. An ausgewählten Beispielen werden Versuche staatlicher Steuerung und diktatorischer Herrschaftsdurchsetzung mit Tendenzen gesellschaftlicher Beharrung und Interessenbehauptung konfrontiert. Vor dem Hintergrund der im Untersuchungszeitraum wachsenden Dominanz des Politischen werden die unterschiedlich weit reichenden Versuche der Steuerung, Regulierung und Kontrolle von Gesellschaft und Wirtschaft in den Blick genommen.

Methodisch versucht es, der im Untersuchungszeitraum wachsenden und in den beiden Diktaturen extrem ausgeprägten Rolle von „Politik“ – hier verstanden als der unterschiedlich weit reichende Versuch der Steuerung, Regulierung und Kontrolle von Gesellschaft und Wirtschaft – gerecht zu werden, indem es politikgeschichtliche Ansätze mit wirtschafts-, sozial- und kulturgeschichtlichen kombiniert.

1. Teilprojekt: Bildungsbürger zwischen Demokratie und Diktatur: Gymnasiallehrer in Mecklenburg 1918-1961 (Henrik Bispinck)

Das Projekt fragt nach Entwicklungen innerhalb der Gymnasiallehrerschaft als bildungsbürgerlicher Berufsgruppe und nach Konfliktlinien zwischen den für das Schulwesen maßgeblichen Akteuren – Schulverwaltung, Lehrer und ihre Interessenvertretungen sowie Massenorganisationen. Dabei kommen zwei Ebenen in den Blick: Erstens die regionale Ebene, auf der die Interaktion zwischen – von zunehmender Zentralisierung geprägter –Schulverwaltung und den berufsständischen Lehrerverbänden behandelt wird. Zweitens die lokale Ebene, auf der die Studie zusätzlich auf zwei traditionelle humanistische Gymnasien in Schwerin und Rostock fokussiert, anhand derer exemplarisch die konkrete Ausprägung politischer Eingriffe im beruflichen Alltag der Lehrer untersucht wird.


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2. Teilprojekt: Traditionelles Gewerbe unter ökonomischem und politischem Wandlungsdruck: Die Küstenfischerei Mecklenburg-Vorpommerns im Systemwandel 1918-1970 (Susanne Raillard)

Die Studie nimmt mit der Küstenfischerei ein traditionelles Gewerbe in den Blick, das im Untersuchungszeitraum einer zunehmenden Durchdringung durch staatliche Regulierung und Kontrolle ausgesetzt und gleichzeitig existentiell auf staatliche Alimentierung angewiesen war. Zunächst werden die Auswirkungen der politischen Systemwechsel auf die Struktur der Fischereiverwaltung und die Interessen- bzw. Berufsverbände der Küstenfischer dargestellt. Vor diesem Hintergrund wird unter Berücksichtigung der jeweiligen Gemengelage von wirtschaftlicher Situation und ideologischer Ausrichtung in einem zweiten Schritt analysiert, welche staatlichen Eingriffe vorgenommen wurden, wie sich diese auf die Küstenfischerei auswirkten und ob und in welcher Form die Betroffenen darauf reagierten.


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3. Teilprojekt: Stralsund im Systemwandel. Vom Ende des Kaiserreichs bis in die 1960er Jahre. (Detlev Brunner)


Wie verändern sich städtische Repräsentationen im Wandel der Systeme? Welche „Bilder“ werden konstruiert, von wem und mit welchem Ziel? Welchen Stellenwert nimmt städtische Geschichte für die Identität der Stadt und ihrer Bewohner ein? Dies sind die zentralen Fragen, die die Studie mit einem sozial-, politik- und kulturgeschichtliche Aspekte vereinenden Ansatz in den Blick nimmt. Zunächst wird gefragt, wie die historischen Zäsuren (1918, 1933, 1945) auf die städtische Gesellschaft, insbesondere auf die Beteiligungsmöglichkeiten verschiedener Akteursgruppen und sozial-kultureller Milieus, wirkten. Anhand herausragender, stadtgeschichtlicher Ereignisse (Festtage, Jubiläen), werden die Gestaltung von Repräsentationen, deren Funktion und Wirkung analysiert. Damit wird zugleich der politische und kulturelle Standort von Stadt in Demokratie und Diktatur thematisiert. Wie selbstbestimmt agieren die stadtbürgerlichen Kräfte, welche Brüche, welche Kontinuitäten zeichnen sich ab? Welche Funktionen (Integration, Identitätsstiftung) übernimmt die Stadt im Wandel der Systeme?

 

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Stand: Oktober 2011


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