Eine Brücke zwischen den Forschungswelten

Die Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte haben ein neues Kapitel ihrer traditionsreichen Geschichte aufgeschlagen: Erstmals erscheint im August 2016 das German Yearbook of Contemporary History. Damit schafft die auflagenstärkste historische Fachzeitschrift in Deutschland ein innovatives Format, um die deutsche und die englischsprachige Forschungswelt noch stärker zu vernetzen.

Schon seit langem werden die Vierteljahreshefte auch in den USA, in Großbritannien oder in Kanada wahrgenommen. Dies zeigen sowohl die Abonnements als auch die hohe Zahl der Zugriffe auf die Beiträge, die im open access verfügbar sind. Gerade im anglo-amerikanischen Forschungsraum ist das Interesse insbesondere an der Geschichte der NS-Zeit und des Holocaust ungebrochen – doch fehlende Fremdsprachenkenntnisse verhindern allzu oft die Rezeption von Forschungsarbeiten, die auf Deutsch erschienen sind. Mit dem German Yearbook of Contemporary History (GYCH) schlagen die Vierteljahrshefte nun einen Weg ein, den noch keine andere historische Fachzeitschrift beschritten hat, um die Sichtbarkeit deutscher Zeitgeschichtsforschung und den Transfer wichtiger Forschungsergebnisse in die englischsprachige Welt zu befördern.

Gemeinsam mit dem Verlag De Gruyter Oldenbourg legt die am Münchner Institut für Zeitgeschichte angesiedelte VfZ-Redaktion eine neue Zeitschrift vor, die speziell auf den britischen und nordamerikanischen Markt zugeschnitten ist und vor allem auf zwei inhaltlichen Säulen ruht: zum einen auf übersetzten VfZ-Aufsätzen aus den jeweils letzten Jahrgängen, zum anderen auf eigens eingeworbenen, diskursiv-kommentierend angelegten Beiträgen. Diese Mischung soll für dynamischen Wissenschaftsaustausch sorgen und Diskussionen anstoßen, die wiederum aus dem angloamerikanischen Sprachraum in den deutschen zurückwirken.

Jede Ausgabe des Yearbooks ist als themenbezogener Sammelband konzipiert, in der Regel verantwortet von zwei Herausgebern, von denen der eine eng an die Redaktion der VfZ angebunden ist und der andere aus dem angloamerikanischen Sprachraum stammt. In den Bänden sollen sich aktuelle Forschungstrends widerspiegeln, wie sie in den VfZ aufscheinen; im besten Fall erfüllen sie damit auch die Funktion eines zeithistorischen Seismografen.

Erster Band: Holocaust And Memory in Europe


Der erste Band greift unter dem Titel „Holocaust and Memory in Europe“ ein zentrales Thema der Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts auf. Er wird herausgegeben von Thomas Schlemmer dem stellvertretenden Chefredakteur der VfZ, und Alan Steinweis, Professor für Holocaust-Studien an der Universität von Vermont und Mitherausgeber der VfZ. Namhafte Autoren wie Ulrich Herbert, Grzegorz Rossoliński-Liebe oder Jürgen Zarusky bilanzieren die deutsche Holocaust-Forschung, spüren der Erinnerung an die Ermordung der Juden in der Ukraine nach und stellen das Konzept der Bloodlands auf den Prüfstand. Für Dialog und Perspektivwechsel zwischen den Forschungswelten sorgen der Kommentar eines bekannten Experten wie Peter Hayes und ein von Valerie Hèbert neu gelesenes Schlüsseldokument zur Geschichte des Mordes an den europäischen Juden: der Gerstein-Bericht.

Die für 2017 und 2018 geplanten Folgebände tragen die Arbeitstitel „West Germany and the Global South“ und „Hitler: New Research“. Ebenso wie die Premierenausgabe des Yearbooks sind sie auch sie dem Ziel gewidmet, mit einem neuen Zeitschriftenformat eine Brücke zwischen den Forschungswelten diesseits und jenseits von Atlantik und Ärmelkanal zu bauen.

German Yearbook of Contemporary History


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