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Nationalsozialismus in Mecklenburg


Bearbeiter: Michael Buddrus


Das Projekt gliedert sich in folgende Teilbereiche:

1. Die mecklenburgischen Kabinette und Minister (1871 - 1952)

Anknüpfend an die weitgehend aus Sekundärquellen zusammengestellte, deshalb teilweise fehlerhafte und unvollständige Veröffentlichung von Helge bei der Wieden: Die mecklenburgischen Regierungen und Minister 1918-1952, Köln/Wien 1978, ist beabsichtigt, ein erstmals aus Personal- und Sachakten gearbeitetes biographisches Lexikon über die führenden Repräsentanten der mecklenburgischen Regierungen in der Zeit des Kaiserreiches, der Weimarer Republik, des Dritten Reiches sowie der SBZ und der DDR zu erarbeiten. Neben einer Analyse des differierenden 'Berufsbildes Minister' in diesen Perioden werden die Zusammensetzung der einzelnen Kabinette, die Biographien der 115 in diesem Zeitraum amtierenden Minister und die Hauptakzente des Wirkens der jeweiligen Regierungen präsentiert.

2. Die Sondergerichte Schwerin und Rostock (1933 - 1945)

Als Beitrag zum Wirken der NS-Justiz entsteht eine Studie über die Geschichte und die Tätigkeit der beiden mecklenburgischen Sondergerichte Schwerin und Rostock. Auf der Grundlage erstmals erschlossener Prozeßunterlagen (Anklageschriften, Urteile, Gnadengesuche, Häftlingsakten, Hinrichtungsprotokolle usw.) werden die Details aller derzeit ermittelten Sondergerichtsverfahren (rund 1.600) in einer vielfältig untergliederten Datenbank erfaßt, so daß eine differenzierte Auswertung der Personalien der Angeklagten, der ihnen vorgeworfenen Delikte und der gegen sie verhängten Strafen ebenso möglich ist wie eine detaillierte Betrachtung der Aktivitäten der anklagenden Staatsanwälte und der urteilenden Richter. Durch die erstmalige Auswertung der überlieferten Personalakten werden darüber hinaus alle mecklenburgischen Sonderrichter und die an den Verfahren beteiligten Staatsanwälte biographisch porträtiert.
 

3. Geschichte des Gaues Mecklenburg (1925 - 1945)

Aufbauend auf bisherigen Studien und neu erschlossenen Archivunterlagen entsteht eine Darstellung des Gaues Mecklenburg, in die sowohl Untersuchungen zur Geschichte der NSDAP, ihrer Gliederungen, angeschlossenen Verbände und betreuten Organisationen als auch Analysen zur Entwicklung der staatlichen Verwaltungsstrukturen (Ministerial- und Landratsebene) einfließen werden.
Neben den spannungsreichen, keineswegs widerspruchsfreien Beziehungen zwischen der staatlichen Administration und den NSDAP-dominierten Organisationen sollen vor allem Aspekte der Wirtschaftsentwicklung, der Sozial-, Kultur- und Wissenschaftspolitik, der Wirtschaftsentwicklung und der Militärpolitik aber auch die Repressionsorgane (Polizei und Justiz) in den Blick genommen und dabei neben den 'Strukturen' immer auch die handelnden Personen sichtbar gemacht werden.
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht jedoch das Wirken der NSDAP in einem in der Weimarer Republik zunächst ländlich strukturierten Raum, der im Dritten Reich zu einer industriedominierten Region ausgebaut wurde und im Zweiten Weltkrieg einen festen Pfeiler der 'Heimatfront' bildete.
In diese 'Gaugeschichte' werden die bislang erzielten Ergebnisse der Forschungen zu den Projekten

  • NS-Organisationen und ihre Führer in Mecklenburg (1925 - 1945),
  • Die mecklenburgischen Ärzte (1929 - 1945/46),
  • Die SS-Führer im Oberabschnitt Nord bzw. Ostsee (1933 - 1945)

einfließen.


4. Alliierte Siegerjustiz oder Ahndung von NS-Verbrechen

Friedrich Hildebrandt, der Gauleiter des Gaues Mecklenburg der NSDAP, ist nach umfangreichen Untersuchungen und mehreren Gerichtsverfahren im März 1947 von einem amerikanischen Militärgericht wegen der angeblichen Beteiligung an der Tötung alliierter Flieger zum Tode verurteilt und im November 1948 in Landsberg hingerichtet worden. Anhand der britischen Ermittlungsunterlagen und der umfangreichen Akten der US-Militärjustiz zu den 'Dachauer Fliegerprozessen' soll untersucht werden, inwieweit dieses auch zeitgenössisch umstrittene Urteil dem heutigem Erkenntnis- und Forschungsstand standhält. Komplettiert und kontrastiert werden diese Betrachtungen durch die Einbeziehung von erstmals für die Forschung zugänglichen Tagebuchaufzeichnungen und mehreren hundert Briefen, die der ehemalige Gauleiter Friedrich Hildebrandt zwischen 1945 und 1948 im Internierungslager Dachau und im Kriegsverbrechergefängnis Landsberg verfaßt hat.


Stand: Oktober 2011


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