Aktuelles Heft 2/2015

Aufsätze:

  • Michael Epkenhans: Der Erste Weltkrieg - Jahrestagsgedenken, neue Forschungen und Debatten einhundert Jahre nach seinem Beginn. (A) 
  • Isabelle Davion: Das System der kollektiven Sicherheit im Praxistest. Polen und die Tschechoslowakei im Völkerbund. (A)
  • Jens van Scherpenberg: Hjalmar Schacht, Enrico Mattei und Bayerns Anschluss an das Ölzeitalter. (A)
  • Knut Borchardt: Eine Alternative zu Brünings Sparkurs? Zu Paul Köppens Erfindung französischer Kreditangebote. (Dis) - open access
  • Roman Köster: Keine Zwangslagen? Anmerkungen zu einer neuen Debatte über die deutsche Wirtschaftspolitik in der Großen Depression. (Dis)
  • André Postert und Rainer Orth: Franz von Papen an Adolf Hitler. Briefe im Sommer 1934 (D)

Abstracts

Michael Epkenhans: Der Erste Weltkrieg – Jahrestagsgedenken, neue Forschungen und Debatten einhundert Jahre nach seinem Beginn

Das Jahr 2014 stand ganz im Zeichen des Gedenkens an den Ersten Weltkrieg. Am Beispiel öffentlicher Gedenkveranstaltungen, der Auseinandersetzungen unter Historikern über die Ursachen des Krieges und ausgewählter neuer Publikationen zeichnet der Beitrag die verschiedenen Formen des Gedenkens, die von Politikern und Historikern dabei vermittelten Botschaften und den Stand der Forschung nach. Im Mittelpunkt steht jedoch die Analyse der großen Studien von Christopher Clark und Jörn Leonhard, Herfried Münkler und Oliver Janz. Diese haben unser Wissen über Ursachen, Verlauf und Folgen des Krieges erheblich erweitert. So groß die Resonanz der Öffentlichkeit auf die Neuerscheinungen jedoch auch war, so wenig sollten Historiker sich dazu verleiten lassen, mit ihren Büchern zugleich auch in gegenwärtige politische Debatten einzugreifen.

 

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Isabelle Davion: Das System der kollektiven Sicherheit im Praxistest. Polen und die Tschechoslowakei im Völkerbund

 

Nach dem ersten Weltkrieg waren die Nachfolgestaaten der zerfallenen Kaiserreiche zuerst skeptisch, was die neue Weltordnung der „kollektiven Sicherheit“ betraf. Bald lernten sie, sie zu nutzen, und entwickelten ihre eigene Praxis auf diesem Gebiet. In ihrer Suche nach ihrem Status in den europäischen Beziehungen geschah es, dass Polen und die Tschechoslowakei ihre Konflikte miteinander auf die Genfer Bühne brachten, also gerade den Ort, an dem nationale Interessen eigentlich zurückzustehen hatten. Indem man den Pfaden dieser beiden Staaten im Völkerbund folgt, ist es möglich, sowohl die Zweideutigkeiten als auch die große Flexibilität dieses neuen internationalen Systems zu beleuchten.

 

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Jens van Scherpenberg: Hjalmar Schacht, Enrico Mattei und Bayerns Anschluss an das Ölzeitalter

 

Vor gut 50 Jahren gingen im Raum Ingolstadt die ersten Raffinerien auf bayerischem Boden in Betrieb – Bayern erhielt dadurch entscheidende Impulse für seine Wandlung vom Agrar- zum Industrieland. Dass der Präsident des italienischen Ölkonzerns ENI, Enrico Mattei, mit seinen Expansionsplänen nach Süddeutschland Anstoßgeber für diese Entwicklung und dass ihm Hjalmar Schacht für diese Pläne ein wichtiger Mittelsmann war, ist bekannt. Doch ist diese Geschichte bislang vornehmlich aus bayerischer Perspektive erzählt worden. Für Mattei und Schacht hingegen sollten ihre bayerischen Pläne einem weit höheren Ziel dienen. Ihnen ging es um die wirtschaftliche Emanzipation Italiens und der Bundesrepublik als Verlierernationen des Krieges aus der Dominanz der Westmächte, wie sie sich gerade auf den Ölmärkten durch die beherrschende Stellung der angloamerikanischen Ölkonzerne geltend machte. Diese „strategische Perspektive“ von Mattei und Schacht war Grundlage ihrer mehrjährigen engen Geschäftsfreundschaft, zugleich aber auch eine Ursache für das betriebswirtschaftliche Fiasko, in das der Vorstoß nach Bayern für die ENI mündete, wie Jens van Scherpenberg anhand der bislang unerschlossenen Akten Schachts aus den Jahren 1957 – 1964 zeigt.
             

 

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Knut Borchardt: Eine Alternative zu Brünings Sparpolitik ? Zu Paul Köppens Erfindung französischer Kreditangebote

 

Im Juli-Heft 2014 der VfZ hat Paul Köppen behauptet, Heinrich Brüning habe 1930 französische Kreditangebote abgelehnt, obwohl, ja weil diese ihm einen weniger restriktiven Kurs seiner Haushaltspolitik erlaubt hätten. Weit ausgreifend befasst er sich mit den seiner Meinung nach maßgeblichen Motiven des Kanzlers für dessen angebliche Ablehnung von Krediten. Tatsächlich hat es derartige Angebote nicht gegeben. Köppens Behauptung beruht auf einem Irrtum in der Sache und erstaunlichen Auslassungen bei der Wiedergabe des Berichteten in seinem Hauptzeugnis. In Wahrheit ist von deutscher Regierungsseite 1930/31 sogar wiederholt Interesse an französischen Krediten für das Reich bekundet worden, von einem Fall abgesehen ergebnislos. Es gibt keinen Beweis dafür, dass Frankreich bereit und in der Lage gewesen wäre, Brüning einen fiskalpolitischen Strategiewechsel zu ermöglichen.


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Roman Köster: Keine Zwangslagen? Anmerkungen zu einer neuen Debatte über die deutsche Wirtschaftspolitik in der Großen Depression

 

Der Artikel beschäftigt sich mit den in den letzten Ausgaben der Vierteljahrshefte erschienenen Beiträgen von Paul Köppen und Tim B. Müller, die sich kritisch mit der Wirtschaftspolitik der Regierung Brüning während der „Großen Depression“ auseinandergesetzt haben. Letztere war bereits in den 1980er und 1990er Jahren Gegenstand der sogenannte Borchardt-Debatte um Handlungsspielräume der Wirtschaftspolitik in der Krise. Es wird diskutiert, welche neuen Argumente die Artikel zu dieser Debatte beitragen und ob diese tragfähig erscheinen. Das Fazit fällt dabei allerdings recht kritisch aus: Eine Revision der Thesen Knut Borchardts von den „Zwangslagen“ der Wirtschaftspolitik können die Beiträge nicht leisten.

 

 

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André Postert/Rainer Orth: Franz von Papen an Adolf Hitler. Briefe im Sommer 1934

 

Die folgende Dokumentation präsentiert eine Reihe von Briefen, die der konservative Politiker und Vizekanzler Franz von Papen an Adolf Hitler im Juni und Juli 1934 schrieb. Die ersten Schriftstücke der Sammlung verfasste Papen im Nachgang seiner berühmten „Marburger Rede“ vom 17. Juni 1934. Die weiteren Briefe stammen aus der Zeit unmittelbar nach den Mordaktionen im Zuge des sogenannten „Röhm-Putsches“. Vizekanzler Papen war zwischenzeitlich verhaftet, sein Ministerium zerschlagen und zwei seiner engsten Mitarbeiter ermordet worden. Die Autoren konnten die Entwürfe dieser Schreiben, die bislang lediglich in Auszügen veröffentlicht wurden, im russischen Militärarchiv in Moskau ausfindig machen. Papens Briefe an Hitler – um deren schriftliche Beantwortung sich der Diktator nicht bemühte – sind hier durch weitere zugehörige Dokumente ergänzt worden. Die vorliegende Quellensammlung bietet einmalige Möglichkeiten: zum einen gestattet sie, die Perspektive eines politischen Schlüsselakteurs einzunehmen, zum anderen wird jener selten quellenmäßig fundierte, unmittelbare Einblick in die dramatischen Ereignisse des Sommers 1934 gewährt.

 

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