Aktuelles Heft 1/2014

Aufsätze:

  • Bernhard Gotto: Enttäuschung als Politikressource. (A) 
  • Hans-Christoph Seidel: Die Bergbaugewerkschaft und die "Gastarbeiter". (A) 
  • Astrid M. Eckert: Geteilt, aber nicht unverbunden. (A)

Diskussion

  • Martin Löns: Historiker versus Juristen oder die "Causa Lehnstaedt"? (Dis)

Dokumentation

  • Ewald Grothe: Hans Rosenberg und die Geschichte des deutschen Liberalismus. (Dok)

Notiz

  • Elke Scherstjanoi: Ilse Stöbe: Verräterin oder Patriotin? (N) - open access

Abstracts

Bernhard Gotto: Enttäuschung als Politikressource. Zur Kohäsion der westdeutschen Friedensbewegung in den 1980er Jahren

Willy Brandts „Mehr Demokratie wagen“, Helmut Kohls „blühende Landschaften“, Barack Obamas „Yes we can“ – die jünger Zeitgeschichte ist voller Beispiele für hochfliegende Hoffnungen, auf die bittere Enttäuschungen folgten. Doch welche Folgen hatte dies für die Demokratie? Am Beispiel der größten Protestbewegung der 1980er Jahre zeigt Bernhard Gotto, welche Enttäuschungen das Engagement für Frieden und ein anderes Verständnis von Demokratie hervorrief, welche Konsequenzen daraus entstanden und wie die Aktivisten dieses Gefühl verarbeiteten.  Ihre Enttäuschung  erweist sich so nicht als Begleiterscheinung, sondern als Ressource für politisches Handeln, als emotionaler Verarbeitungsmodus für gesellschaftliche Kontingenz und Komplexität.

 

Read More: http://www.degruyter.com/view/j/vfzg.2014.62.issue-1/vfzg-2014-0001/vfzg-2014-0001.xml


Hans-Christoph Seidel: Die Bergbaugewerkschaft und die „Gastarbeiter“ im Ruhrbergbau von den 1950er bis in die 1980er Jahre


Der Aufsatz untersucht Stellungnahmen, Wahrnehmungen, Haltungen und Politikansätze der Industriegewerkschaft Bergbau und Energie (IGBE) zur Beschäftigung so genannter Gastarbeiter im Ruhrbergbau seit dem Ende der 1950er bis zum Ende der 1980er Jahre. Wie andere Gewerkschaften auch, stand die IGBE den in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre einsetzenden Anwerbungen von „Gastarbeitern“ sehr skeptisch gegenüber. An deren spezifischen Problemen zeigte sie zunächst nur wenig Interesse. Diese Haltung änderte sich zu Beginn der 1970er Jahre aus einer Reihe von Gründen fundamental. Es entwickelte sich ein außergewöhnlich umfangreiches Engagement zur sozialen und kulturellen Integration der – im Bergbau ganz überwiegend türkischen – „Gastarbeiter“ und ihrer Familien. Es wird gezeigt, in welchem Zusammenhang dieses Engagement mit den ganz spezifischen wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen im westdeutschen Steinkohlenbergbau stand. In den 1980er Jahren geriet auch die IGBE in das Spannungsfeld zwischen den Bemühungen um gesellschaftliche Integration und die Rückkehrförderungspolitik, das die Ausländerpolitik in der alten Bundesrepublik insgesamt kennzeichnete.

 

Read More: http://www.degruyter.com/view/j/vfzg.2014.62.issue-1/vfzg-2014-0002/vfzg-2014-0002.xml


Astrid Eckert: Vorboten des Untergangs. Grenzgewässer als deutsch-deutsches Umweltproblem

Der Artikel untersucht am Beispiel von Grenzgewässern den Umgang  der Bundesrepublik und der DDR mit grenzüberschreitenden Umweltproblemen. Für die Bundesrepublik war die Verschmutzung von grenzkreuzenden Flüssen ein dringendes Problem, denn 95% davon fließen von Osten nach Westen. Der Aufsatz geht der Frage nach, welche spezifischen politischen Umstände und Interpretationen der Sachlage während der siebziger und achtziger Jahre die Kooperation zwischen Ost- und Westdeutschland jeweils bestimmten bzw. verhinderten und arbeitet dabei die Bedeutung der DDR-Devisenknappheit in den achtziger Jahren heraus.  Es wird deutlich, wie in der letzten Dekade der DDR selbst die Umwelt zu einer Ware wurde. Die vorliegende Untersuchung richtet den Fokus allerdings nicht allein auf die Umweltpolitik, sondern  bezieht die Ökologie der Flüsse als einen eigenständigen historischen Faktor mit ein. Als Fallbeispiel dient die Werra, die durch die Kaliindustrie der DDR mit Salzabwässern über Jahrzehnte aufs stärkste belastet wurde.

 

Read More: http://www.degruyter.com/view/j/vfzg.2014.62.issue-1/vfzg-2014-0003/vfzg-2014-0003.xml


Historiker versus Juristen oder die „Causa Lehnstaedt“?
Anmerkungen zu Stephan Lehnstaedt „Wiedergutmachung im 21. Jahrhundert – Das Arbeitsministerium und die Ghettorenten“

 

Read More: http://www.degruyter.com/view/j/vfzg.2014.62.issue-1/vfzg-2014-0004/vfzg-2014-0004.xml


Ewald Grothe: Hans Rosenberg und die Geschichte des deutschen Liberalismus. Seine unveröffentlichte Antrittsvorlesung vom Januar 1933

Am 23. Januar 1933 – gerade einmal eine Woche vor der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler – hielt Hans Rosenberg seine Antrittsvorlesung als Privatdozent in der Aula der Universität Köln. Das Vortragsmanuskript ist in seinem Nachlass im Bundesarchiv Koblenz überliefert und wird hier erstmals veröffentlicht. Rosenberg gibt in seinem Text mit dem Titel „Die Epochen des parteipolitischen Liberalismus in Deutschland“ einen thesenorientierten, politisch argumentierenden Überblick. Es handelt sich um eine gegenwartsorientierte, kritische Analyse liberalen Denkens und liberaler Politik seit dem frühen 19. Jahrhundert. Dabei ist die Enttäuschung eines republiktreuen Zeitgenossen über den Zustand des politischen Liberalismus in den Jahren 1932/33 deutlich spürbar. Die politische Zuspitzung und Bewertung der historischen Entwicklung zeichnet den Vortragstext als Zeitdokument von besonderem Rang aus. Darüber hinaus markiert die Antrittsvorlesung vom Januar 1933 den Beginn von Rosenbergs methodischem Übergang vom Ideen- zum Verfassungs- und Sozialhistoriker. Die von ihm vertretene kritische Liberalismus-Deutung wurde seit den 1960er Jahren von der deutschen Sozialgeschichtsschreibung aufgegriffen und vertieft.

 

Read More: http://www.degruyter.com/view/j/vfzg.2014.62.issue-1/vfzg-2014-0005/vfzg-2014-0005.xml


Elke Scherstjanoi: Ilse Stöbe: Verräterin oder Patriotin? Ein Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte

In der Bundesrepublik der frühen 1950er Jahre galten Vertreter des Widerstandes weithin als Verräter; sie wurden erst nach und nach öffentlich anerkannt. Dieser Prozess ist noch keineswegs abgeschlossen und gestaltet sich besonders schwierig in Fällen, wo Widerstand die Form einer Zusammenarbeit mit ausländischen Mächten, insbesondere der Sowjetunion, angenommen hat. Der Vorwurf des Landesverrats ist dabei schnell bei der Hand. Er hat auch Ilse Stöbe getroffen, die Informantin des sowjetischen Militärnachrichtendienstes war, unter anderem als Mitarbeiterin des Auswärtigen Amtes. Soll Stöbe in die Widerstandsgalerie des Amtes aufgenommen werden? Elke Scherstjanoi, Historikerin am IfZ, kommt in ihrem hier in leicht überarbeiteter Form präsentierten Gutachten zu einem klaren Resultat: Stöbe leistete „Widerstand durch Verrat“.

In der Bundesrepublik der frühen 1950er Jahre galten Vertreter des Widerstandes weithin als Verräter; sie wurden erst nach und nach öffentlich anerkannt. Dieser Prozess ist noch keineswegs abgeschlossen und gestaltet sich besonders schwierig in Fällen, wo Widerstand die Form einer Zusammenarbeit mit ausländischen Mächten, insbesondere der Sowjetunion, angenommen hat. Der Vorwurf des Landesverrats ist dabei schnell bei der Hand. Er hat auch Ilse Stöbe getroffen, die Informantin des sowjetischen Militärnachrichtendienstes war, unter anderem als Mitarbeiterin des Auswärtigen Amtes. Soll Stöbe in die Widerstandsgalerie des Amtes aufgenommen werden? Elke Scherstjanoi, Historikerin am IfZ, kommt in ihrem hier in leicht überarbeiteter Form präsentierten Gutachten zu einem klaren Resultat: Stöbe leistete „Widerstand durch Verrat“.

 

Das dem Beitrag zugundeliegende Gutachten finden Sie in den Beilagen: http://www.ifz-muenchen.de/vierteljahrshefte/zusatzangebote/beilagen/

 

Read More-open access: http://www.degruyter.com/view/j/vfzg.2014.62.issue-1/vfzg-2014-0006/vfzg-2014-0006.xml




© Institut für Zeitgeschichte