Aktuelles Heft 2/2014

Aufsätze:

  • Jenny Pleinen/Lutz Raphael: Zeithistoriker in den Archiven der Sozialwissenschaften. (A) 
  • Hajime Konno: Die liberalen und konservativen Interpretationen der deutschen Politik an der Kaiserlichen Universität Tokio 1905-1933. (A) 
  • Hans Schafranek: NS-Fememorde in der Steiermark. (A)
  • Sven Feyer: Otto Meyer: MAN-Vorstand im Dritten Reich. (A)
  • Thorsten Holzhauser: „Niemals mit der PDS“?. (A)

Abstracts

Jenny Pleinen/Lutz Raphael: Zeithistoriker in den Archiven der Sozialwissenschaften. Erkenntnispotenziale und Relevanzgewinne für die Disziplin

Der Aufsatz diskutiert die methodischen und theoretischen Herausforderungen, die sich für die Zeitgeschichte aus den Daten und Deutungen der zeitgenössischen Sozialwissenschaften ergeben. Er plädiert dafür, die kritische Historisierung sozialwissenschaftlicher Analysen zu kombinieren mit einer methodisch reflektierten Nutzung der ihnen zugrundeliegenden qualitativen wie quantitativen Daten. Beispiele solcher Möglichkeiten bieten Theorien und Daten zum Wertewandel, die Nutzung amtlicher Daten und Statistiken für die Migrationsgeschichte und die Analyse von Forschungsdaten der Industriesoziologie und des sozio-oekonomischen Panels für die Sozialgeschichte der Bundesrepublik seit den 1970er Jahren.

 

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Hajime Konno: Die liberalen und konservativen Interpretationen der deutschen Politik an der Kaiserlichen Universität Tokio 1905–1933. Sakuzo Yoshino und Shinkichi Uesugi im Vergleich


Deutschland war bekanntlich das einflussreichste Modell der modernen japanischen Politik seit der erzwungenen Öffnung des Landes. Der Aufsatz erläutert dies am Beispiel von Sakuzo Yoshino (1878-1933) und Shinkichi Uesugi (1878-1929), zwei Professoren an der Kaiserlichen Universität Tokio und zugleich bedeutenden politischen Publizisten. Beide hatten in Heidelberg studiert, nahmen jedoch die deutsche Politik auf ganz unterschiedliche Weise wahr: während Yoshino den deutschen „Sonderweg“ entschlossen ablehnte und zur angelsächsischen Demokratie neigte, verteidigte Uesugi die politische Rolle des japanischen Kaisers gerade aufgrund seiner deutschen Erfahrungen. Der Aufsatz versucht Erklärungen dafür zu finden, weshalb und wie Yoshino und Uesugi zu diametral entgegengesetzten Auffassungen gelangten.

 

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Hans Schafranek: NS-Fememorde in der Steiermark

Im Gefolge des NSDAP-Verbots in Österreich (19.Juni 1933) setzte eine massive Terrorwelle der illegalen Nationalsozialisten ein, die am 25.Juli 1934 in einem (missglückten) Aufstandsversuch und der Ermordung des Bundeskanzlers Engelbert  Dollfuß kulminierte. Diese Versuche der gewalttätigen Destabilisierung Österreichs forderten Hunderte Todesopfer.  Nach dem gescheiterten Putsch wurde die österreichische Partei von der „reichsdeutschen“ weitgehend „abgekoppelt“, auch lag eine Fortsetzung des offen terroristischen Kurses nicht im Interesse der deutschen Außenpolitik. Während die Zahl der schweren politischen Gewalttaten  insgesamt erheblich  sank, gewann die „Liquidierung“ von „Verrätern“ innerhalb der illegalen NS-Bewegung massiv an Bedeutung. Fast die Hälfte der nach 1934 von Nationalsozialisten verübten Tötungsdelikte sind  als „Fememorde“ einzustufen. Dabei handelte es sich keineswegs um spontane Racheaktionen, sondern um gut vorbereitete Auftragsmorde, die von kleinen Terrortrupps der SA bzw. SS durchgeführt wurden. Als Drahtzieher fungierten zumeist organisatorische Mittelinstanzen der SA bzw. SS mit  Wissen  und Zustimmung der jeweiligen Gauleitungen. „Reichsdeutsche“ Stellen waren an der Vorbereitung dieser Fememorde nicht beteiligt, sehr wohl aber an der Fluchthilfe der Täter, die im Deutschen Reich eine neue Identität erhielten. Diese Fememorde sollten vor allem einen abschreckenden Effekt erzielen und eine starke Präsenz und Kontrollmöglichkeit der „Illegalen“ demonstrieren. Auch wurden dadurch die nachrichtendienstlichen Strukturen  des „austrofaschistischen“ Polizeiapparats empfindlich gestört.  Resümierend ist festzustellen, dass die Fememorde einem in herrschaftstechnischer Hinsicht durchaus zweckrationalen Kalkül entsprangen und den geplanten Abschreckungseffekt tatsächlich erreichten.                                                                                                                                    

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Sven Feyer: Otto Meyer: MAN-Vorstand im Dritten Reich

 

Otto Meyer war seit 1926 Vorstandsmitglied der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN), wenige Jahre später stand er an ihrer Spitze. Auch nachdem die Nationalsozialisten die Macht übernommen hatten, war es für den konservativen Unternehmer eine selbstverständliche Pflicht, die deutschen Rüstungsanstrengungen zu unterstützen. Dabei entwickelte sich die MAN durch die Herstellung von U-Bootmotoren und durch die Produktion moderner Panzer zu einem unverzichtbaren Bestandteil der deutschen Kriegswirtschaft. Auf der anderen Seite war Meyer nicht zuletzt aufgrund seiner früh emigrierten jüdischen Ehefrau den Anfeindungen der Nationalsozialisten ausgesetzt. Nichtsdestotrotz führte er die MAN nicht nur bis zum Ende des NS-Regimes, sondern darüber hinaus erfolgreich während der schwierigen Zeit des Wiederaufbaus. Am Beispiel  Otto Meyers lässt sich nicht nur die Kontinuität der Wirtschaftselite von der Weimarer Republik bis in die Bundesrepublik zeigen. Vielmehr manifestiert sich in seiner Person die Zerrissenheit zwischen Pflichterfüllung gegenüber Unternehmen und Vaterland auf der einen und der Ablehnung des Nationalsozialismus auf der anderen Seite, wie man sie gerade im konservativen Milieu häufig findet.

 

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Thorsten Holzhauser:  “Niemals mit der PDS”? Zum Umgang der SPD mit der SED-Nachfolgepartei zwischen Ausgrenzungs- und Integrationsstrategie (1990-1998)

Wie man mit der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) umgehen sollte, gehörte zu den großen Streitfragen der deutschen Politik der 1990er Jahre, vor allem in der Sozialdemokratischen Partei. Nach dem Ende des Kommunismus in Ostdeutschland beschwor die Sozialdemokratie zunächst einen sogenannten “Konsens aller Demokraten” gegen die “SED-Nachfolgepartei”. Doch schon 1994 begannen einige in der Partei, die Exklusionsstrategie zu überdenken und sich für Formen rot-roter Zusammenarbeit zu öffnen – bis hin zur ersten SPD/PDS-Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern 1998. Der Aufsatz analysiert die kontroverse Debatte innerhalb der SPD-Führung und stellt die Frage, warum es ihr nicht gelang, einen Konsens im Umgang mit der PDS herzustellen. Es wird gezeigt, dass die Partei nicht einfach zwischen ost- und westdeutschen Teilen gespalten war. Vielmehr finden sich tiefergehende strategische und politisch-kulturelle Differenzen zwischen den Vertretern einer antikommunistischen Traditionslinie und jenen, die dieser fernstanden. Die PDS-Frage fachte daher eine Langzeitdebatte um Abgrenzung und Kooperation innerhalb der deutschen Linken an, die bis heute andauert. 

 

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