29.11.2017

Die Vierteljahrshefte als Ausstellungsstück



Noch bis zum 17. Dezember 2017 zeigt die Fachberatung Heimatpflege des Bezirks Oberbayern in Benediktbeuern die Ausstellung „Carl Orff und die Carmina Burana“. Orffs bekanntestes Werk ist die Vertonung einer mittelalterlichen Liedersammlung, die in der Klosterbibliothek von Benediktbeuern aufbewahrt und 1847 von dem Germanisten und bayerischen Sprachforscher Johann Andreas Schmeller publiziert wurden.

 

In der Nachkriegszeit galt Orff lange Zeit als Gegner des NS-Regimes, mit dem er tatsächlich nicht unbedingt sympathisierte. Aber eine Mitwirkung am Widerstand der Weißen Rose, die er sich aufgrund einer guten Bekanntschaft mit Professor Kurt Huber zuschrieb, hat es nie gegeben. Das war nur eines der Ergebnisse, mit denen der kanadische Historiker Michael H. Kater in seinem Aufsatz „Carl Orff im Dritten Reich“ in der Januarausgabe 1995 der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte aufwartete. Kater beschrieb unter anderem auch, dass Orff den Auftrag angenommen hatte, eine Alternative zu Mendelsohn-Bartholdys „Sommernachtstraum“ zu komponieren, mit der der „nichtarische“ Komponist aus dem Musikleben verdrängt werden sollte. Von Widerstand konnte keine Rede sein, Orff kam angepasst durch das Dritte Reich. Katers Fazit: „Es ist Orffs historisches Verdienst, mit Werken wie Carmina Burana eine Musik von unbestrittener Eigenständigkeit und mit dem Schulwerk ein pädagogisches Instrumentarium mit universeller Verwendbarkeit geschaffen zu haben. Tragisch aber war für ihn, daß er sich innerhalb der politischen Rahmenbedingungen des Dritten Reiches etablieren mußte, die er ablehnte, die aber doch sein menschliches Verhalten im privaten und sozialen Bereich zum Negativen geprägt haben.“ Dieser Befund hat 1995 viele Orff-Verehrer sehr aufgebracht. Inzwischen sieht man das gelassener. Das Vierteljahrsheft mit Katers Aufsatz ist sogar als Exponat in die laufende Benediktbeuerer Ausstellung eingegangen.




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