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26.05.2013 :: Deutsch :: Druckversion
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Wehrmacht in der nationalsozialistischen Diktatur

Mit diesem Projekt hat das IfZ auf eine der größten geschichtswissenschaftlichen Debatten in der Geschichte der Bundesrepublik reagiert und dabei vorgeführt, welch hohen Stellenwert seine Arbeit besitzt – für eine hochspezialisierte Forschung wie auch für das historische Selbstverständnis einer breiten Öffentlichkeit. Anlass für dieses groß angelegte Forschungsprojekt, das von Christian Hartmann geleitet und maßgeblich vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst finanziert wurde, war die lange und heftige Debatte, die seit 1995 über die Wehrmacht geführt wurde. Es war das Problem dieses Diskurses, dass er von Verallgemeinerungen lebte – von Verallgemeinerungen des persönlich Erlebten und des wissenschaftlich Erarbeiteten. Dagegen fehlten große wissenschaftliche Synthesen, schon weil die deutsche Historiographie die militärischen Aspekte der deutschen Vergangenheit lange Zeit fast völlig vernachlässigt hatte. Dass die Debatte über die Wehrmacht, in der sich ein historiographisches und auch ein gesellschaftliches Problem fokussierten, so eskalieren und polarisieren konnte, war immer auch eine Folge dieses Defizits. Daher war uns von Anfang an klar, dass es mit einigen Detailstudien nicht getan ist. Im Zentrum unserer Forschungen standen vielmehr große, komparatistisch angelegte Darstellungen über das mit Abstand größte und folgenreichste Ereignis in der Geschichte der Wehrmacht – den deutsch-sowjetischen Krieg der Jahre 1941-1944. Dabei sind die Perspektiven unserer Monographien eng aufeinander bezogen: Oberste Truppenführung (Johannes Hürter, 2005; 22006), Praxis des Truppenalltags (Christian Hartmann, 2009; 22010), Besatzungspolitik in den rückwärtigen Militärverwaltungsgebieten (Dieter Pohl, 2007, 22008) und schließlich, um diese drei institutionell-räumlichen Vergleichsachsen: oben, unten, hinten, noch durch eine räumliche außerhalb des sowjetischen Kriegsschauplatzes zu ergänzen, eine Studie über den Einsatz der Wehrmacht im besetzten Frankreich 1943/44 (Peter Lieb, 2006).

 

  • Johannes Hürter: HITLERS HEERFÜHRER. DIE DEUTSCHEN OBERBEFEHLSHABER AN DER OSTFRONT 1941/42.

    Diese Studie lenkt den Blick auf die höchsten Instanzen der Wehrmacht auf dem östlichen Kriegsschauplatz: die Oberbefehlshaber der drei Heeresgruppen und dreizehn Armeen. Im ersten Jahr des deutsch-sowjetischen Krieges handelte es sich um insgesamt 25 Generäle, die hatten mitentscheidenden Einfluss auf die Kriegführung und Besatzungspolitik im Osten hatten. Sie besaßen trotz der Befehle und Weisungen der obersten Führung beträchtlichen Gestaltungsspielraum vor Ort. Diese gruppenbiographischen Untersuchung bietet nicht nur neue Erkenntnisse über das Verhalten der Wehrmacht im Krieg gegen die Sowjetunion, sie liefert auch einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der deutschen Militärelite im 20. Jahrhundert.

 

  • Christian Hartmann: WEHRMACHT IM OSTKRIEG. FRONT UND MILITÄRISCHES HINTERLAND 1941/42.

    Das Gegenstück zur Gruppenbiographie über die militärische Elite des deutschen Ostheers. Hier geht es nicht um die „Großen“ der Wehrmacht, sondern um jene Soldaten, die man gewöhnlich die einfachen nennt, kurz: es geht um den Krieg des kleinen Mannes. Am Beispiel von fünf deutschen Divisionen, die freilich von ihrer Herkunft, Stärke und Ausrüstung, ihrem Selbstverständnis und schließlich ihren Funktionen nicht unterschiedlicher hätten sein können wird die Praxis der deutschen Kriegführung und Besatzungspolitik im Ostkrieg so anschaulich und präzise dargestellt, wie es bislang nur selten gelungen ist.

 

  • Dieter Pohl:  DIE HERRSCHAFT DER WEHRMACHT. MILITÄRVERWALTUNG UND BEVÖLKERUNG IN DER BESETZTEN SOWJETUNION 1941-1944.

    Thema dieses Buchs sind die riesigen Gebiete, die während des deutsch-sowjetischen Krieges unter der Herrschaft der Wehrmacht standen und nicht unter der der Zivilverwaltung. 1942 war die Wehrmacht immerhin für ein Gebiet mit einer Million Quadratkilometer bzw. 30 Millionen Menschen verantwortlich. Dieses Buch konzentriert sich auf die Folgen, die sich daraus ergaben. Neben der Einrichtung einer militärischen und einer landeseigenen Besatzungsverwaltung sowie die Einbindung der kollaborationsbereiten Teile der sowjetischen Gesellschaft in den deutschen Besatzungsapparat sind die deutsche Wirtschaftspolitik, die Behandlung der sowjetischen Kriegsgefangenen, die Massenverbrechen an einzelnen Bevölkerungsgruppen, der Partisanenkrieg und die Behandlung der Zivilbevölkerung bis zum deutschen Abzug die wichtigsten Aspekte dieser umfassenden Untersuchung, die erstmals alle Quellen und Studien zur deutschen Besatzungspolitik in der Sowjetunion synthetisiert. Angesichts der katastrophalen Folgen, die sich für die sowjetischen Besatzungsgebiete ergaben, lässt sich die These, die sowjetischen Zivilisten hätten es unter der Militärverwaltung besser gehabt als unter der Zivilverwaltung nicht länger aufrecht erhalten.

  • Peter Lieb (Royal Military Academy Sandhurst): KONVENTIONELLER KRIEG ODER WELTANSCHAUUNGSKRIEG? KRIEGFÜHRUNG UND PARTISANENBEKÄMPFUNG IN FRANKREICH 1943/44.

    Im Mittelpunkt dieses Buchs steht die Frage, ob sich der Krieg im Westen radikalisierte und ob auch in diesem Fall von einem Weltanschauungskrieg wie in der Sowjetunion gesprochen werden kann. Entsprechend breit ist diese Untersuchung angelegt: Nach einem Überblick über den Westfeldzug 1940, bei dem es meist gelang, die militärische Gewalt auf die eigentliche Auseinandersetzung mit dem militärischen Gegner zu konzentrieren, zerfällt der Kern dieser  Untersuchung in zwei Teile – auf die Auseinandersetzungen der deutschen Besatzer mit den französischen Partisanen und auf die Kämpfe mit den konventionellen Truppen der Westalliierten. Dabei wird den möglichen Interdependenzen zwischen dem Krieg im Osten und dem im Westen besondere Beachtung geschenkt. Im Endeffekt zeigt sich: Trotz aller Verbrechen und Grausamkeiten, welche die Kämpfe der Jahre 1943/44 begleiteten, gelang es der deutschen Führung eben nicht, Kriegführung und Besatzungspolitik so zu radikalisieren wie etwa in der Sowjetunion, auf dem Balkan und auch in Italien.

  • Christian Hartmann, Johannes Hürter, Peter Lieb und Dieter Pohl: DER DEUTSCHE KRIEG IM OSTEN 1941-1944. FACETTEN EINER GRENZÜBERSCHREITUNG

    Insgesamt haben die Mitarbeiter des „Wehrmachtsprojekts“ neben den großen Studien etwa fünfzig Aufsätze verfasst, die sich aus den Fragestellungen ihres Projekts ergaben. Die wichtigsten sind in diesem Band nochmals vereinigt; sie beschäftigen sich alle mit dem deutsch-sowjetische Krieg. Neben großen, orientierenden Artikeln stehen biographische Skizzen, Darstellungen über einzelne Brennpunkte dieses Krieges oder auch unerwartete Quellenfunde, durch die plötzlich Dinge ans Licht treten, die sonst im Dunkel der Vergangenheit geblieben wären. Entsprechend unterschiedlich ist der Fokus der Beiträge; zum Teil bieten sie einen Überblick über das Ganze oder über größere Ausschnitte, zum Teil richten sie ihr Interesse auf die Perspektive der Kriegsteilnehmer. Trotzdem „versinkt“ kein Abschnitt dieses Buchs im „Klein-klein“ des militärischen Mikrokosmos’. Vielmehr sind stets die großen Fragen angesprochen, die ein Ereignis von den Dimensionen und den Folgen dieses Krieges aufwerfen musste. Diese Fragen bilden das Band, das dieses Buch zusammenhält.


In den verschiedenen Qualifikationsarbeiten, die in unserem Projekt entstanden sind – Autoren sind: Judith Schneider, Andreas Götz, Peter Lieb, Steffen Rohr, Max Spindler und Andreas Toppe, wurden noch weitere vergleichende Perspektiven entwickelt: institutionell (Luftwaffe, Waffen-SS), zeitlich (Erinnerungskultur) oder auch sachthematisch (Völker- und Kriegsrecht). Auch diese komparatistisch geprägten Ansätze waren stets auf die großen Fragestellungen bezogen, die unserem Projekt zugrunde lagen.
Dass die Wehrmachtsausstellung im Sinne des klassischen dialektischen Dreischritts These, Antithese, Synthese schließlich überarbeitet wurde, ist auch das Werk des Instituts für Zeitgeschichte. Einen sichtbaren Schlusspunkt bildete in dieser Hinsicht die vom Projekt zusammen mit dem Hamburger Institut für Sozialforschung organisierte Tagung im März 2004 und der im folgenden Jahr von Christian Hartmann, Johannes Hürter und Ulrike Jureit gemeinsam bei C.H. Beck herausgegebene Sammelband „Verbrechen der Wehrmacht. Bilanz einer Debatte.“ (München 2005). Außerdem hat das Projekt im Oktober 2006 in Kooperation mit dem Militärgeschichtlichen Forschungsamt und dem Deutschen Komitee für die Geschichte des Zweiten Weltkriegs eine Tagung organisiert, aus der ein weiterer Sammelband hervorgegangen ist:

 

Zur Arbeit des Projekts gehört schließlich nicht nur die Grundlagenforschung, sondern auch andere Aktivitäten wie die Publikation populärwissenschaftlicher Bücher und Artikeln, ferner zahlreiche Vorträge, Lehrveranstaltungen, Gutachten, Beiträge für Ausstellungen, Diskussions- oder Tagungsbeiträgen sowie Film- und Dokumentationsberatungen, schon weil die lebhafte Debatte über die Wehrmacht und den Zweiten Weltkrieg nicht allein ein Thema der Wissenschaft war, sondern in besonderem Maße auch das einer breiten Öffentlichkeit.


Eine Übersetzung der Bände ins Englische wird momentan vorbereitet, ferner eine Übersetzung des Bandes von Peter Lieb ins Französische.


Das Folgeprojekt zum Thema „Counterinsurgency in historischer Perspektive“ knüpft thematisch an die Arbeiten des „Wehrmachtprojekts“ an, um sie mit der Militärgeschichte nach 1945 zu verknüpfen.


Stand: Oktober 2010



 
 
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