Tagung im Juni 2027 in München
Der demokratische Konservatismus sieht sich durch den Aufstieg einer nationalistischen Rechten vor große Herausforderungen gestellt, die sich in der unabgeschlossenen Debatte um Sinn und Zweck der „Brandmauer“ zwischen CDU/CSU und AfD bündeln. Vor diesem gegenwartspolitischen Hintergrund eröffnet die Tagung eine historische Perspektive auf das Verhältnis zwischen Konservatismus und radikaler Rechter nach 1945, das in Deutschland wegen der Hilfsdienste der konservativen Eliten bei der Machtübernahme der Nationalsozialisten stets von besonderer Brisanz war.
Die Etablierung eines Liberalkonservatismus, der sich vorbehaltlos zu den Prinzipien und Werten der liberalen Demokratie bekennt, war ein wichtiger Faktor bei der demokratischen Stabilisierung der Bundesrepublik. Zugleich lebte am rechten Rand des Konservatismus immer auch der radikal antiliberale, nationalistisch-autoritäre Geist der „Konservativen Revolution“ fort. Aus dieser Strömung sollte letztlich die „Neue Rechte“ entstehen, deren Vertreter sich nicht selten als Hüter des wahren Konservatismus verstehen. Die langfristige Entmischung der beiden Konservatismen und die Inkompatibilität ihrer normativen Grundlagen sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es zwischen ihnen immer auch fließende Übergänge, Annäherungen in konkreten politischen Fragen und situative Bündnisse gegeben hat.
Die Tagung richtet ihren Blick auf konkrete Ideen, Akteure, Institutionen, Diskurse und Praktiken in der nationalen wie transnationalen Geschichte der Bundesrepublik, die diese Grauzone zwischen demokratischem Konservatismus und radikaler Rechter konstituiert, bespielt und verschoben haben. Dabei soll es nicht um Entlarvung, sondern um eine historische Analyse und Kontextualisierung gehen, um die langfristigen Entwicklungslinien konservativen Denkens und konservativer Politik nach 1945 sichtbar zu machen und damit auch die Großerzählung der Liberalisierung und Demokratisierung der Bundesrepublik empirisch zu differenzieren. Politik-, ideen-, sozial- und kulturgeschichtliche Beiträge sind ebenso erwünscht wie solche mit biographischem oder institutionellem Fokus.
Es wird um die Einreichung von Abstracts bis zum 31. Oktober 2026 an Maik Tändler gebeten.
Weitere Informationen und die genauen Bewerbungsmodalitäten finden sich im ausführlichen Call for Papers.
Tagung im Rahmen des Forschungsprojekts „Die Carl Friedrich von Siemens Stiftung 1958-1985: Wissenschaft, konservative Bürgerlichkeit und rechte Netzwerke“
Organisation:
Johannes Geck (IfZ)
Maik Tändler (IfZ)