CfP: Männlichkeiten, Weiblichkeiten und die Zeitgeschichte der politischen Rechten

Tagung im Februar 2027 in Bielefeld

1986 erschien Joan W. Scotts wegweisender Aufsatz Gender: A Useful Category of Historical Analysis. Seither hat es nicht an programmatischen Aufrufen gefehlt, Geschlecht, seine (Un-)Ordnungen und die Spezifika von Weiblichkeiten, Männlichkeiten sowie Sexualitäten und Identitäten auch jenseits des Binären als analytische Kategorien in der zeithistorischen Forschung in den Blick zu nehmen. 

Auch wenn dies die Geschichtswissenschaft insgesamt betrifft, drängt sich ein geschlechteranalytischer Zugriff insbesondere für die zeithistorische Untersuchung der politischen Rechten von konservativen bis hin zu radikalnationalistischen und völkischen Strömungen auf. Denn deren Diskurse sind in hohem Maße durch geschlechterpolitische Semantiken strukturiert. Narrative der radikalen Rechten wie „Gender-Gaga“ oder „Großer Austausch“ sowie pronatalistische Ideologien fungieren nicht nur als zentrale ideologische Bezugspunkte, sondern entfalten eine beeindruckende Anschlussfähigkeit bis in liberale politische Strömungen.

Diesen Fragen will sich die Tagung am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld widmen. Wir möchten insbesondere zur Einreichung von Beiträgen ermuntern, die den Stellenwert von Geschlecht in zentralen Forschungsfeldern historisch einordnen und vergleichend reflektieren. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei transnationalen Perspektiven sowie Projekten, die Regionen jenseits des deutschsprachigen Raums in den Blick nehmen. Darüber hinaus sind Arbeiten von Interesse, die Übergänge, Verflechtungen und Abgrenzungsprozesse innerhalb der unterschiedlichen Strömungen der politischen Rechten untersuchen und deren analytisches Potenzial ausloten. Schließlich sind auch Beiträge willkommen, die geschlechtsspezifische Überschneidungen über das gesamte politische Spektrum hinweg sichtbar machen und damit möglicherweise Vorstellungen einer „politischen Rechten“ oder auch das Rechts-Links-Schema für einen spezifischen Aspekt infrage stellen. 

Es wird um die Einreichung von Abstracts bis zum 15. Oktober 2026 an lea.tewes[at]zzf-potsdam.de gebeten.

Weitere Informationen und die genauen Bewerbungsmodalitäten finden sich im ausführlichen Call for Papers

Tagung in Kooperation mit dem DFG-Projekt „Die bundesdeutsche Rechte und die ‚sexuelle Revolution‘“ und dem Arbeitsbereichs Zeitgeschichte an der Universität Bielefeld, dem VW-Forschungsprojekt „Die radikale Rechte in Deutschland, 1945–2000“ (Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) und Moses Mendelssohn Zentrum (MMZ) in Potsdam), und dem Zeithistorischen Arbeitskreis Extreme Rechte (ZAER).

Organisation:
Isabel Heinemann (IfZ München–Berlin)
Sebastian Bischoff (Universität Bielefeld)
Christina Morina (Universität Bielefeld)
Lea Tewes (ZZF Potsdam)