Ein Publikumsmagnet feiert Jubiläum

Die Dokumentation Obersalzberg wurde am 20. Oktober 1999 eröffnet – Festakt und freier Eintritt zum runden Geburtstag

Die Dokumentation Obersalzberg bei Berchtesgaden feiert ihr 20jähriges Bestehen: Am 20. Oktober 1999 hat die Ausstellung über die Geschichte des ehemaligen „Führersperrgebiets“ ihre Pforten geöffnet. Seither entwickelte sich der Lern- und Erinnerungsort auf dem Obersalzberg mit bis zu 170.000 Besucherinnen und Besuchern pro Jahr zu einem Publikumsmagneten mit internationaler Ausstrahlung. Ein neues Ausstellungsgebäude, für das 2017 der Grundstein gelegt wurde, und eine neu gestaltete Dauerausstellung, die derzeit vom Institut für Zeitgeschichte erarbeitet wird, sollen die Erfolgsgeschichte der Dokumentation für die Zukunft fortschreiben.

Während der NS-Diktatur war das Areal rund um Hitlers „Berghof“ der zweite Regierungssitz neben Berlin. Auf dem Obersalzberg traf Hitler im Kreise seiner engsten Vertrauten wichtige Entscheidungen, bis hin zur Planung des Krieges und der Massenverbrechen des Regimes. Nach 1945 nutzte die US-Army das Gelände als Erholungseinrichtung für die amerikanischen Soldaten in Deutschland. Mit dem Abzug der US-Truppen wurde der Obersalzberg 1996 an den Freistaat Bayern übergeben. Um zu verhindern, dass sich das ehemalige „Führersperrgebiet“ zum Wallfahrtsort für Alt- und Neonazis entwickelt, beauftragte die Staatsregierung das Institut für Zeitgeschichte München−Berlin, eine Ausstellungskonzeption für das historisch belastete Gelände zu entwickeln. Die Trägerschaft übernahm die Berchtesgadener Landesstiftung.

Bildungsarbeit am historisch belasteten Ort

 

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IfZ erarbeiteten daraufhin eine Dauerausstellung, die die Ortsgeschichte des Obersalzbergs nachzeichnet und die vermeintliche Idylle des Berghofs in die verbrecherische Gesamtgeschichte des NS-Regimes einordnet. Gleichzeitig wurde das Bildungsangebot Schritt für Schritt ausgebaut: Die Dokumentation Obersalzberg bietet seit vielen Jahren ein Begleitprogramm mit öffentlichen Abendveranstaltungen und Schülerworkshops und versteht sich als Bildungsstätte gegen rechtsextremistische Tendenzen in der Gegenwart. Nach den mitunter kontroversen Diskussionen der 1990er Jahre, wie mit diesem „Täterort“ des Nationalsozialismus umzugehen sei, hat es sich in den vergangenen 20 Jahren als Erfolgsrezept der Dokumentation bewährt, den Obersalzberg offensiv zu „besetzen“ und eine wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit den Hinterlassenschaften des NS-Regimes zu ermöglichen.

Festakt zum Jubiläum
 

Die Erfolgsgeschichte der Dokumentation hob so auch der bayerische Finanzminister Albert Füracker, in dessen Ressort die Zuständigkeit für die Dokumentation Obersalzberg fällt, in einem Festakt am 20. Oktober 2019 hervor. Die Botschaft der Dokumentation, so der Minister vor Gästen aus Politik, Kuratorium und Gedenkstättenarbeit, habe auch 20 Jahre später, in Zeiten des stärker aufkommenden politischen Extremismus und Populismus, nichts an Aktualität eingebüßt. „Erinnern, mahnen und lernen – das Team der Dokumentation Obersalzberg leistet hier Vorbildliches!“

Perspektiven für die Zukunft
 

War die Dokumentation zunächst nur für rund 30.000 Besucherinnen und Besucher pro Jahr ausgelegt, stießen die räumlichen Gegebenheiten angesichts des großen Publikumszuspruchs rasch an ihre Grenzen: 2013 beschloss die Bayerische Staatsregierung deshalb, einen Erweiterungsbau zu schaffen. Auf einer mit 800 Quadratmetern deutlich vergrößerten Fläche entsteht nun die neue Dauerausstellung „Idyll und Verbrechen“. Die Kuratorinnen und Kuratoren des IfZ haben dafür ein ambitioniertes Konzept entwickelt, das anhand von mehr als 350 Exponaten und zahlreichen multimedialen Elementen die Geschichte des Obersalzbergs neu vermitteln wird.
Zum runden Geburtstag bot das Team des IfZ einen Ausblick auf die Zukunft der Dokumentation. Mit Postern, Modellen und interessanten Exponaten konnten sich die Besucherinnen und Besucher im Gespräch mit den Ausstellungsmachern über die Neukonzeption zu informieren. Darüber hinaus gab es zum Jubiläum einen Tag lang freien Eintritt und kostenfreie Führungen. Auch an ihrem 20. Geburtstag erwies sich die Dokumentation damit erneut als Publikumsmagnet.

 



© Institut für Zeitgeschichte