Neues Forschungsprojekt

IfZ untersucht die Geschichte des Bundesministeriums für Gesundheitswesen

Seit Jahresbeginn untersucht ein neues Forschungsvorhaben des IfZ personelle, institutionelle und programmatische Kontinuitäten und Brüche nach dem Nationalsozialismus in der Gesundheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland. Die Leitung des vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Projekts liegt in den Händen von Andreas Wirsching und Johannes Hürter; erforscht wird das Thema von Franziska Kuschel.

Das Projekt untersucht zunächst die Auswahl der leitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bundesministerium für Gesundheitswesen. 1961 neu gegründet, war ein Teil von ihnen aus dem Bundesministerium des Innern, andere aus zahlreichen weiteren Bundesministerien übernommen worden. Erfasst wird dabei, in welchem Umfang das Personal ehemals nationalsozialistischen Organisationen angehörte und welche Rolle dies beim Neuaufbau des Ressorts spielte. Darüber hinaus wird nach möglichen Belastungen durch frühere berufliche Tätigkeiten gefragt, etwa durch die Mitwirkung an rassistischen Praktiken der NS-Gesundheitspolitik wie Zwangssterilisationen und „Euthanasie“-Verbrechen oder an der medizinischen Unterversorgung von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern.
Zum anderen untersucht das Projekt, inwieweit gesundheitspolitische Traditionen aus der Zeit des Nationalsozialismus sowie aus der Zeit vor 1933 die Arbeit des Ministeriums prägten. Gefragt wird, wie das neue Ministerium sich mit diesen Traditionen auseinandersetzte, welche Neuausrichtungen der Gesundheitspolitik zu beobachten sind und welche sachpolitischen Folgen die Personalpolitik des Ministeriums für die Gesundheitspolitik hatte.

Eng verbunden ist das Forschungsvorhaben mit einem Projekt am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam, das seit Juli 2017 das Ministerium für Gesundheitswesen der DDR erforscht.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Johannes Hürter (huerter[at]ifz-muenchen.de)



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