Neue Quellen zu den Beziehungen von Hitler-Deutschland und Stalins UdSSR

Tagungstelegramm: Vorstellung des zweiten Bandes der Aktenedition „Deutschland und die Sowjetunion 1933–1941“ im Auswärtigen Amt

Vor einem großem Publikum wurde am Donnerstag, 29. November 2018, der zweite Band der vierbändigen, von der Gemeinsamen Kommission betreuten und geförderten Edition "Deutschland und die Sowjetunion 1933–1941. Dokumente aus russischen und deutschen Archiven" vorgestellt. Mehr als hundert Experten und andere Interessierte haben sich dazu im Auswärtigen Amt in Berlin eingefunden. Die von dem russisch-deutschen Herausgeberteam Sergej Slutsch und Carola Tischler erarbeitete Edition dokumentiert die deutsch-sowjetischen Beziehungen vom Machtantritt Hitlers bis zum deutschen Überfall auf die Sowjetunion und stützt sich dabei auf zahlreiche Dokumente aus einer ganzen Reihe von Archiven in Deutschland und Russland.

Der 1782 Seiten starke zweite Band nimmt die Zeit von Anfang 1935 bis April 1937 in den Blick und eröffnet eine Vielfalt von Perspektiven auf das Wechselverhältnis beider Diktaturen. Dies wurde bereits in dem Einführungsvortrag von Jörg Baberwoski (Humboldt-Universität Berlin) deutlich, der den Band als eine „großartige Repräsentation der Forschung“ bezeichnete. Anschließend erläuterte Sergej Slutsch die diplomatischen Kalküle beider Seiten in diesem Zeitschnitt. Eine besondere Rolle kam dabei der am Desinteresse Hitlers gescheiterten Geheimmission des Leiters der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin David Kandelaki zu, der im unmittelbaren Auftrag Stalins Möglichkeiten für eine politische Übereinkunft mit Deutschland sondieren sollte. Carola Tischler ging auf die Bedeutung der diplomatischen Akteure der deutsch-sowjetischen Beziehungen ein, unter denen es durchaus eigenständig denkende und weitsichtige Persönlichkeiten gegeben habe. Als ein wichtiges Beispiel nannte sie David Grigor’evič Štern, der wie Kandelaki dem Großen Terror zum Opfer fiel.

Bei dem anschließenden von Andreas Wirsching – dem deutschen Co-Vorsitzenden der deutsch-russischen Historikerkommission – moderierten Podiumsgespräch wurde der Charakter der deutsch-sowjetischen Beziehungen jener Zeit anhand von Fragen nach Pragmatismus und Ideologie, der gegenseitigen Wahrnehmung und der Rolle der Komintern diskutiert. Dabei zeigte sich noch einmal, welch vielfältige Ansätze die Quellenedition für die Forschung eröffnet.



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