Tagebücher von Kardinal Faulhaber werden veröffentlicht

Die bislang der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Tagebücher von Kardinal Michael Faulhaber (1869 bis 1952) sollen in einer wissenschaftlichen Ausgabe ediert werden. Faulhaber, von 1911 bis 1917 Bischof von Speyer und danach bis zu seinem Tod im Jahre 1952 Erzbischof von München und Freising, gilt als eine der herausragenden historischen Figuren der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er verfügte über ein dichtes Netz von Kontakten zu den Eliten aus Kirche, Politik, Adel und Journalismus im In- und Ausland, darunter die Päpste Pius XI. und Pius XII., der US-Präsident Warren G. Harding, Konrad Adenauer oder Heinrich Brüning. Die lückenlos überlieferten Tagebücher umfassen den Zeitraum von 1911 bis 1952, Faulhaber berichtet über das Kaiserreich und den Ersten Weltkrieg, die Münchner Räterepublik, die Weimarer Republik, die NS-Diktatur und über die Anfänge der Bundesrepublik Deutschland.

  

In den Tagebüchern, die im Erzbischöflichen Archiv München verwahrt werden, sind Einträge zu etwa 52.000 Besuche und Gespräche notiert; die Aufzeichnungen ermöglichen einen Einblick in große politische Zusammenhänge sowie in die Gedankenwelt Faulhabers. Verfasst wurden die Einträge zum größten Teil in der Kurzschrift „Gabelsberger“, die heutzutage nur noch wenige Experten entziffern können. Geplant ist nun die Aufbereitung in einer historisch-kritischen Online-Edition. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligte dazu ein Großprojekt, das der Historiker Prof. Dr. Andreas Wirsching, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin, und der Kirchenhistoriker Prof. Dr. Hubert Wolf von der Universität Münster gemeinsam verantworten. Das Erzbischöfliche Archiv unter Leitung von Dr. Peter Pfister ist Kooperationspartner.

 

Das Projekt zur Edition der Faulhaber-Tagebücher wird der Öffentlichkeit vorgestellt in einer 

Pressekonferenz

am Dienstag, 15. Oktober, um 11.30 Uhr

im Sitzungssaal

in der Schrammerstraße 3, 6. Stock.

Um Anmeldung zu der Pressekonferenz wird gebeten per E-Mail an pressestelle@erzbistum-muenchen.de oder unter Telefon 089/2137-1263.



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