Das letzte Heft des 74. Jahrgangs eröffnet Inga Steinhauser, die untersucht, welche Impulse von den Gutachten aus dem Institut für Zeitgeschichte für die Düsseldorfer Treblinka-Prozesse im Hinblick auf die Erforschung der „Aktion Reinhardt“ ausgingen – und zu einem ernüchternden Ergebnis kommt. Florent Brayard hingegen beleuchtet die Entstehungs- und Publikationsgeschichte des sogenannten Lösener-Berichts. Die Aufzeichnungen des ehemaligen „Rassereferenten“ im Reichsinnenministerium Bernhard Lösener wurden im Juliheft 1961 der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte als Dokumentation veröffentlicht – auf Initiative von Walter Strauß, Staatssekretär im Bundesjustizministerium, jenseits wissenschaftlicher Standards oder etablierter redaktioneller Verfahrensweisen und mit dem politischen Ziel, Angriffen auf den Chef des Bundeskanzleramts, Hans Globke, im Zuge des Prozesses gegen Adolf Eichmann in Jerusalem die Spitze abzubrechen. Der Aufsatz ist im Free Access zugänglich. Weiterhin beschäftigt sich Felix Berge mit informeller Kommunikation und Herrschaftspraktiken in der nationalsozialistischen Kriegsgesellschaft, während Daniel Stahl mit der Koalition gegen Straflosigkeit eine argentinisch-deutsche Initiative in den Blick nimmt, die sich die justizielle Verfolgung von schweren Menschenrechtsverletzungen in den Jahren der argentinischen Militärdiktatur zwischen 1976 und 1983 auf die Fahnen geschrieben hatte.