Was vom Tage übrig blieb

Konrad Adenauer und die Rückkehr der letzten Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion

Wer danach fragt, was die größte Leistung ist, die Bundeskanzler Adenauer zugeschrieben werden kann, bekommt insbesondere von Vertreterinnen und Vertretern der älteren Generation zumeist eine Antwort: die Heimkehr der letzten Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion erreicht zu haben. Im September 1955 reiste auf Einladung der sowjetischen Regierung eine westdeutsche Delegation unter Adenauers Führung nach Moskau, um über die künftigen bilateralen Beziehungen zu verhandeln. Am Ende des Tages standen zwei wegweisende Ergebnisse: die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der Sowjetunion sowie die Freilassung von rund 10.000 deutschen Kriegsgefangenen und 20.000 Zivilinternierten. Am 7. Oktober 1955 trafen die ersten Kriegsgefangenen im Lager Friedland ein; die Bilder, die seinerzeit gemacht wurden, genießen geradezu ikonischen Status. Doch danach, was die ehemaligen Kriegsgefangenen zwischen 1941 und 1944 in der Sowjetunion getan hatten, fragte niemand. Kriegsgefangenschaft war auch in den Vierteljahrsheften für Zeitgeschichte und in der Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte immer wieder Thema:

Birgit Schwelling, Zeitgeschichte zwischen Erinnerung und Politik. Die wissenschaftliche Kommission für deutsche Kriegsgefangenengeschichte, der Verband der Heimkehrer und die Bundesregierung 1957 bis 1975, in: VfZ 56 (2008), S. 227–264.

Andreas Hilger, Sowjetische Justiz und Kriegsverbrechen. Dokumente zu den Verurteilungen deutscher Kriegsgefangener, 1941–1949, in: VfZ 54 (2006), S. 461–516.

Stefan Karner, Die sowjetische Hauptverwaltung für Kriegsgefangene und Internierte. Ein Zwischenbericht, in: VfZ 42 (1994), S. 447–471.

Arthur L.Smith, Die „vermißte Million“. Zum Schicksal deutscher Kriegsgefangener nach dem Zweiten Weltkrieg, München 1992.

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