Sophie Scholls Tagebücher erstmals online zugänglich

Das IfZ-Archiv hat Tagebücher, Hefte und Notizsammlungen von Sophie Scholl digitalisiert und auf der Open-Access-Plattform Zeitgeschichte Open veröffentlicht. Es ist das erste Mal, dass persönliche Zeugnisse aus der umfangreichen Sammlung zur Widerstandsgruppe „Weißen Rose“ online lesbar gemacht werden. 

In den ausgewählten Bänden des Bestands „ED 474 – Nachlass Inge Aicher-Scholl“ sind vielfältige Dokumente überliefert: Neben Tagebucheinträgen finden sich Aufzeichnungen, Bleistiftskizzen und Aquarellzeichnungen, die einen persönlichen Einblick in Sophie Scholls Gedanken, Interessen und Ausdrucksformen ermöglichen. In ihren Tagebucheinträgen verarbeitete sie etwa ihre Erfahrungen während des Reichsarbeitsdienstes 1941, brachte religiöse Überlegungen zu Papier oder entwarf Briefe an ihre Geschwister und den Verlobten, Fritz Hartnagel.

Hans und Sophie Scholl beteiligten sich ab dem Sommer 1942 an einer Münchner Studierendengruppe unter dem Namen Weiße Rose, die in mehreren Flugblättern zum Widerstand gegen das NS-Regime aufrief. Bei der Verteilung des sechsten Flugblatts wurden die Geschwister Scholl am 18. Februar 1943 im Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) entdeckt und verhaftet. Nur wenige Tage später, am 22. Februar, wurden beide Geschwister gemeinsam mit ihrem Kommilitonen Christoph Probst vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet. In den Wochen danach wurden weitere Mitglieder der Widerstandsgruppe verfolgt, zu langen Zuchthausstrafen verurteilt oder hingerichtet. 

Nicht zuletzt durch das Engagement ihrer älteren Schwester, Inge Aicher-Scholl, gehören Hans und Sophie Scholl heute zu den Ikonen des deutschen Widerstands. Bereits vor Kriegsende begann Aicher-Scholl Aufzeichnungen, Briefe und Fotos ihrer Geschwister zusammenzutragen; ihre Sammlungstätigkeit setzte sie auch nach 1945 fort. In den 1980er Jahren konnten die Aufzeichnungen noch durch die Unterlagen der Verfolger aus Gestapo und Volksgerichtshof ergänzt werden.

Nach dem Tod Inge Aicher-Scholls vertraute ihre Familie den umfangreichen Bestand 2002 schließlich dem IfZ-Archiv an, das die Unterlagen in einem Sonderprojekt erschloss und mikroverfilmte. Mit dieser 800 Archivalieneinheiten umfassenden Sammlung verfügt das Archiv des IfZ über den zentralen und umfangreichsten Bestand zur Weißen Rose. Ein ausgewählter Teil dieser Zeugnisse wurde nun einer breiten Öffentlichkeit online zugänglich gemacht. Mit der digitalen Bereitstellung lädt das IfZ-Archiv Interessierte dazu ein, diese eindrucksvollen Quellen zu entdecken und selbst zu erkunden. Die Digitalisate stehen ab sofort zur Verfügung unter https://open.ifz-muenchen.de/handle/repository/9231.



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