Wie hat sich das Bayerische Kultusministerium nach 1945 auf den Weg in die neue demokratische Ordnung gemacht und welche Rolle spielte dabei die NS-Vergangenheit? Diesen Fragen ist Felix Lieb in seiner Studie „Tradition und Demokratie. Das bayerische Kultusministerium, seine Schulpolitik und die NS-Vergangenheit 1945-1975“ nachgegangen. Gemeinsam mit Magnus Brechtken hat er die Ergebnisse bei einer großen Veranstaltung im Ministerium präsentiert.
Felix Lieb hat die Nachkriegsgeschichte des Kultusministeriums auf drei verschiedenen Ebenen untersucht: Erstens auf der Ebene personeller Kontinuitäten zur NS-Zeit. Zweitens mit Bezug auf die Schulpolitik, insbesondere in Hinblick auf die Fächer Geschichte und Sozialkunde. Eine weitere Ebene stellte schließlich die Behördenkultur des Ministeriums dar.
Gerade für das Kultusministerium war die Untersuchung seiner NS-Bezüge von besonderer Brisanz: Denn einer der am stärksten NS-belasteten Spitzenpolitiker der bayerischen Nachkriegszeit - Theodor Maunz – hatte das Haus von 1957 bis 1964 geleitet. Maunz war Jurist und hatte als Professor im „Dritten Reich“ den „Führerwillen“ als gültige Rechtsnorm zu legitimieren versucht. Er musste zurücktreten, nachdem veröffentlichte Zitate aus seinen NS-Schriften zu großer öffentlicher Empörung geführt hatten.