“Zerbrechliche Stabilität” - unter diesem paradoxen Titel versammelt ein von Paul Nolte und Martina Steber herausgegebener Sammelband “Zeithistorische Blicke auf die bundesrepublikanische Demokratie”. Um sie wird so intensiv gerungen wie seit vielen Jahrzehnten nicht mehr. Ihre frühere Selbstverständlichkeit hat sie verloren.
Das ist umso bemerkenswerter, als die Geschichte der Bundesrepublik von einem emphatischen Bezug auf die Demokratie geprägt ist, der sich in ihr Selbstverständnis eingebrannt hat. Seit 1949 wurde Demokratie als Regierungsform wie als Lebensform verhandelt und in konkrete Praxis umgesetzt. Dabei traten die Defizite und Widersprüchlichkeiten des Versprechens von Freiheit und Gleichheit, von Sicherheit und Ordnung ebenso zutage wie ihre emanzipatorischen Potenziale. Die Demokratie erwies sich als so verletzlich wie stabil, so dynamisch wie starr. Der Sammelband erprobt neue Perspektiven auf die Demokratiegeschichte der Bundesrepublik jenseits von Erfolgs- oder Misserfolgserzählungen und legt die Komplexität des bundesrepublikanischen Demokratiemodells frei.
Bei der Buchvorstellung in München haben die Herausgeber Paul Nolte (Freie Universität Berlin) und Martina Steber (IfZ) die Thesen und Perspektiven des Sammelbands vorgestellt und mit Birgit Aschmann (Humboldt-Universität zu Berlin) diskutiert. Die Moderation hat Isabel Heinemann (IfZ) übernommen.
Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus, Rhöndorf, statt.
“Zerbrechliche Stabilität. Zeithistorische Blicke auf die bundesrepublikanische Demokratie” ist als Band 29 der Rhönsdorfer Gespräche erschienen.