Kindheiten im Kino. Neue Bilder zum jungen Menschen im NS-Spielfilm. (Bearbeiter: Tizian Bartling)
Das Promotionsprojekt geht der Frage nach, wie in (ausgewählten) NS-Spielfilmen Kinder und Jugendliche, ihre Lebenswelten und Familien dargestellt werden. Das zu untersuchende Filmsample umfasst dabei nicht nur explizite Jugendfilme, sondern auch Produktionen, die auf ein erwachsenes Publikum zielten, aber junge Neben- und Hauptrollen aufwiesen. Die Filmanalysen richten den Blick auf die verschiedenen Facetten kindheits-, familien- und gemeinschaftsbezogener Aspekte der NS-Ideologie: Wie werden Kindheit und Jugend, wie Erziehung und Vergemeinschaftung, wie die Rollenbilder und Beziehungen innerhalb der Familien und der Gesellschaft dargestellt? Wie ist das Verhältnis traditioneller und progressiver Auffassungen, und welche Entwicklungen sind im zeitlichen Verlauf der Diktatur zu erkennen? Die bewegten Bilder des Spielfilms waren auch immer Körperbilder, an denen gezeigt werden kann, wie Jugend als erste Generation eines „Neuen Menschen“ nach dem Rassenideal des Nationalsozialismus stilisiert und modelliert wurde.
Das Projekt fragt nicht allein nach der ideologischen und politischen Nähe des Filmschaffens, sondern auch danach, welche Freiheiten und individuellen Entfaltungen der (Film-)Jugend in einer von Autorität und Gemeinschaft geprägten Ordnung zu- und abgesprochen wurden. Um die Wirkung der untersuchten Inhalte auf ihre jungen Zuschauer nachzuvollziehen, nähert sich das Projekt außerdem der Rezeptionsgeschichte an. Es erkundet dabei das Kino als sozialen Raum der Jugend, ihrer Prägungen und Aushandlungen.
Das Melodram. Gefühle, Privatheit und Glück in der nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“. (Bearbeiterin: Sophia Munoz Ott)
Das Promotionsprojekt befasst sich mit einem der populärsten Genres des NS-Kinos – dem Melodram. Im Melodram steht die Aushandlung innerer Konflikte im Vordergrund. Die Filmfiguren befinden sich im Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichen Normen und ihren eigenen Vorstellungen von (individuellem) Glück. Sichtbar wird dies insbesondere durch die filmische Inszenierung von Gefühlswelten und Emotionen.
Interessanterweise werden diese Aushandlungsprozesse innerhalb der Filme nicht immer im Sinne der gesellschaftspolitischen Erwartungen des Nationalsozialismus aufgelöst. Dies fügt sich in die neuere Forschung zur „NS-Volksgemeinschaft“ ein, die herausgestellt hat, dass deren Mitgliedern ein (gewisser) Freiraum sowie Möglichkeiten individueller Entfaltung zugestanden wurden. Das Melodram fungierte innerhalb der scheinbar stark regulierten und kontrollierten „NS-Volksgemeinschaft“ somit als mediales Aushandlungsfeld individueller Wünsche, Träume und Sehnsüchte, die sich teils mit nationalsozialistischen Ideen verbinden ließen, teils aber auch mit ihnen konfligierten. Da es sich beim Melodram um ein Genre handelt, das sich insbesondere an Frauen richtet, beziehen sich diese Aushandlungen vor allem auf geschlechterspezifische Rollenbilder.
Ziel des Projekts ist es herauszuarbeiten, welche Lebensentwürfe und sozialen Konstellationen im NS-Melodram dargestellt und zur Diskussion gestellt werden. Diese sollen in den historischen Kontext der NS-Gesellschaftsgeschichte eingeordnet und mithilfe von Ansätzen der Geschlechter- und Emotionsgeschichte analysiert werden. In die Analyse werden genretypisch besonders bedeutsame filmische Gestaltungsmittel wie Szenenbild und Kostüm einbezogen. Sie greifen die Persönlichkeit sowie die inneren Gefühlswelten der Figuren auf und unterstützen damit das Narrativ des Films.