Veranstaltungen im Sommersemester 2020

Magnus Brechtken

LMU München
Übung: 
"Nationalsozialismus und Vergangenheitsaufarbeitung – Die deutsche Perspektive"
Zeit: Donnerstags 08:00 Uhr bis 10:00 Uhr c.t.
Ort: IfZ 
Beginn: 23. April 2020

Übung zum Thema "Nationalsozialismus und Vergangenheitsaufarbeitung – Die deutsche Perspektive"

In der Übung analysieren wir Texte und Thesen zur Aufarbeitung der NS-Herrschaft vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart. Um die Fülle des Stoffes angemessen zu reflektieren ist das Thema auf zwei Semester angelegt, einmal vor allem aus der deutschen, einmal aus der internationalen Perspektive. Die Übungen sind aber in sich geschlossen und können problemlos einzeln und unabhängig voneinander besucht werden. In diesem Semester  konzentrieren wir uns auf die deutsche Perspektive und die Entwicklung der Interpretation des Nationalsozialismus in der weiteren deutschen Geschichte sowie die Diskussion über den Umgang mit den NS-Verbrechen. Die internationale Perspektive wird dabei notwendigerweise reflektiert, steht aber nicht im Mittelpunkt. Zentrale Aspekte sind die Fragen von Kontinuität und Diskontinuität, die Perspektiven historischer und juristischer Aufarbeitung, der Wandel von Geschichtsbildern und historischen Diskursen sowie der Kontext allgemeiner Historisierung. Themen, Argumente und Akteure werden dabei gleichwertig in den Blick genommen, um Entwicklungslinien und Einflüsse auf die konkurrierenden Lesarten zur NS-Vergangenheit deutlich werden zu lassen. Außerdem führt die Veranstaltung in die Grundlagen des Masterstudiums mit dem Schwerpunkt Zeitgeschichte ein.

Prüfungsform: Referat


PD Dr. Boris Gehlen

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Übung: Wirtschafts- und sozialhistorische Erträge der „Behördenforschung“
Zeit: Einführung am 24.4.2020, 10.00–14.00; Blockseminar am 12./13.6.2020
Ort: Einführung (wird online/digital abgehalten); Blockseminar voraussichtlich Raum I (gr. Übungsraum), alternativ wird die Veranstaltung online/digital abgehalten

„Behördenforschung“ boomt: Seit einiger Zeit lassen Bundesministerien ihre Geschichte erforschen, darunter beispielsweise das Bundeswirtschafts-, das Bundesfinanz- und das Bundesarbeitsministerium. Der Fokus liegt dabei meist auf der personellen, ideellen und strukturellen Kontinuitäten von der Zeit des Nationalsozialismus bis in die frühe Bundesrepublik.

Die Übung knüpft daran an und fragt, welche inhaltlichen und methodischen Perspektiven sich aus diesen Forschungen für die Wirtschafts- und Sozialgeschichte ergeben können. Hierzu werden von den Studierenden ausgewählte Forschungserträge und -ansätze vorgestellt, im Forschungsstand verortet und anschließend gemeinsam diskutiert.

Studienleistungen:
1. Vorbereitung ausgewählter Texte
2. Diskussionsbeteiligung
3. Vortrag über ein ausgewähltes Thema inkl. Vortragskonzept (Abgabe: 15.5.2020)

Einführende Literatur:
Creuzberger, Stefan/Geppert, Dominik (Hg.): Die Ämter und ihre Vergangenheit. Ministerien und Behörden im geteilten Deutschland 1949–1972 (Rhöndorfer Gespräche, Band 28), Paderborn u.a. 2018.


PD. Dr. Bernhard Gotto

LMU München
Vertiefungskurs: »Ich«. Narrative Selbstkonstruktionen im 20. Jahrhundert
Zeit: Freitags 11:00 Uhr bis 14:00 Uhr
Ort:  Die Veranstaltung wird online/digital abgehalten
Beginn: 24. April 2020

Kaum etwas erscheint so selbstverständlich und alltäglich wie „ich“ zu sagen. „Ich“ rekurriert auf einen Kern des Persönlichen, der manifest „da“ zu sein scheint, und den niemand klarer beschreiben kann als die Person, die von sich selbst in der ersten Person Singular spricht. Aus historischer Perspektive ist das höchst voraussetzungsreich, denn solche Aussagen folgen sozialen Normen und interagieren mit Erwartungen der Adressaten. Außerdem sind sie eingebettet in Vorstellungen, was „ich“ überhaupt umfassen kann, also kulturell und historisch kontingente Vorstellungen über das Verhältnis von „Selbst“ und „Gesellschaft“ – als Schlagwort mag hier der Großtrend der „Individualisierung“ und „Pluralisierung von Lebensläufen“ genügen. Im Kurs beschäftigen wir uns mit unterschiedlichen Formen und Beispielen narrativer Selbstkonstruktion: mit Autobiografien, Briefen, Interviews, Lebensläufen usw. An zahlreichen Beispielen werden wir untersuchen, wie sich diese Genres im Lauf des 20. Jahrhunderts veränderten. Der Kurs verfolgt darüber hinaus das Ziel, Aussagekraft und Grenzen solcher ego-Dokumente aus einer theoretischen bzw. quellenkritischen Perspektive zu beleuchten.

Prüfungsform: Mündliche Prüfung, Referat und Hausarbeit


PD Dr. Stefan Grüner

Universität Augsburg, Philologisch-Historische Fakultät
Übung
: Vom Historismus zur "Global History". Geschichtsdenken und Historiographie im 20. Jahrhundert
Zeit: Freitags, 10-12 Uhr. Die Veranstaltung wird online/digital abgehalten.

Die Übung wird wichtige historische Denkströmungen sowie Historikerinnen und Historiker des 20. Jahrhunderts in den Blick nehmen. Ausgehend von der Krise des Historismus um 1900 werden wir uns unter anderem mit „Klassikern“ der modernen Geschichtsschreibung wie der französischen Historikerschule der „Annales“, mit den Denkansätzen einer marxistischen Geschichtsdeutung oder mit sozialhistorischen Ansätzen und ihren Erweiterungen seit den 1960er Jahren beschäftigen. Ein Schwerpunkt der Lektürearbeit wird außerdem im Bereich der Neuen Kulturgeschichtsschreibung und im Übergang zu Ansätzen einer Globalgeschichte liegen.


Prof. Dr. Johannes Hürter

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Hauptseminar: Film in der Weimarer Republik
Ort:  Die Veranstaltung wird online/digital abgehalten
Beginn: 20. April 2020

Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich der Film schnell zum populärsten Massenmedium in Deutschland. Kommerzieller Erfolg verband sich mit einer Vielfalt, Experimentierfreudigkeit und Qualität der Filmkunst, die noch heute lebendige Einblicke in die Kultur und Gesellschaft der Weimarer Republik ermöglichen. Dabei sind Spielfilme viel mehr als nur ein Abbild der Wirklichkeit. In ihnen spiegeln sich die Emotionen und Projektionen, die Wahrnehmungen, Aushandlungen und Selbstverständigungen einer Zeit. Sie sind Seismographen kollektiver Mentalitäten, die sie zugleich mitformen. Das Seminar beschäftigt sich mit dem Leitmedium Film als zeithistorischer Quelle. Einführend werden die methodischen Grundlagen erläutert und die Produktions- und Rezeptionsbedingungen des Weimarer Kinos sowie die Verbindung zwischen Filmwirtschaft und Politik überblickt. Im Mittelpunkt des Seminars stehen exemplarische Analysen einzelner Spielfilme, die für zentrale Aspekte der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Konflikte und Diskurse in Deutschland zwischen 1918 und 1933 besonders charakteristisch sind.

Empfohlene Literatur:
Grundkenntnisse über die Geschichte der Weimarer Republik werden vorausgesetzt. Alle Seminarteilnehmende sind angehalten, ihr Wissen vorbereitend mit Hilfe der einschlägigen Studienbücher aufzufrischen (empfehlenswert etwa: Dirk Schumann/Eberhard Kolb, Die Weimarer Republik, München 2013).
Methodische Einführung: Margit Szöllösi-Janze, „Ein Film ist schwer zu erklären, weil er leicht zu verstehen ist“. Spielfilme als zeithistorische Quelle, in: Johannes Hürter/Tobias Hof (Hrsg.), Verfilmte Trümmerlandschaften. Nachkriegserzählungen im internationalen Kino 1945-1949, Berlin/Boston 2019, S. 14-30.
Nach wie vor grundlegend: Siegfried Kracauer, Von Caligari zu Hitler. Eine psychologische Geschichte des deutschen Films, Taschenbuchausgabe Frankfurt a.M. 1984


Dr. Christian Marx

Universität Trier
Hauptseminar
: 'United in diversity' vs. 'BeLEAVE in Britain'. Die Geschichte der europäischen Integration seit 1945
Zeit: Montags, 12:00-14:00 Uhr
Beginn: 20. April 2020
Ort: Die Veranstaltung wird online/digital abgehalten

Der Gründungsvertrag für die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl 1951/52 bildete den Grundstein für eine lang währende Zone politischer Stabilität und wirtschaftlicher Prosperität in Westeuropa. Gleichwohl differierten Ideen und Vorstellungen von Europa – sowohl hinsichtlich der Grenzen als auch im Hinblick auf die inhaltliche Ausgestaltung. Nach mehreren gescheiterten Anläufen trat Großbritannien 1973 ebenfalls der EG bei, um es knapp 50 Jahre später wieder zu verlassen. In der Geschichte der europäischen Integration blieb jener Austritt bis zur Gegenwart eine Ausnahme.

Anhand ausgewählter Themen und Texte wird die vielschichtige Entwicklung der europäischen Integration in politik-, sozial-, wirtschafts- und kulturhistorischer Perspektive eingehend analysiert.

Literatur:
Clemens, Gabriele / Reinfeldt, Alexander / Wille, Gerhardt: Geschichte der europäischen Integration. Ein Lehrbuch. Paderborn 2008.
Elvert, Jürgen: Geschichte der europäischen Integration. Darmstadt 2012.
Loth, Wilfried: Der Weg nach Europa. Geschichte der europäischen Integration 1939-1957. Göttingen 1990.
Thiemeyer, Guido: Europäische Integration. Motive - Prozesse - Strukturen. Köln 2010.


Prof. Dr. Michael Schwartz

Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Hauptseminar II: „Wann ist ein Mann ein Mann?“ Zur Geschichte der Männlichkeit(en) vom 18.-21. Jahrhundert (Blockseminar)
Die Veranstaltung wird online/digital abgehalten

1984 fragte der Sänger Herbert Grönemeyer in einem populären Song: „Wann ist ein Mann ein Mann?“ Heute ist diese Frage fast noch schwerer zu beantworten. Denn seither haben sich Männer-Bilder und Männer-Rollen weiter pluralisiert und fragmentiert. Ersichtlich ist Mann-Sein nichts Selbstverständlich-Natürliches mehr (ebensowenig wie Frau-Sein), obschon dies lange anders gesehen wurde, sondern stets historisch bedingt und durch spezifische sozioökonomische und soziokulturelle Kontexte geprägt. Mann-Sein wird stets nach ethnischen, sozialen und religiösen Rahmenbedingungen unterschiedlich definiert. Zugleich geht es um sich wandelnde Macht-Verhältnisse zwischen „hegemonialen Männlichkeiten“ und „marginalisierten Männlichkeiten“. Neben Deutschland und dem transatlantischen „Westen“ sollen auch nicht-europäische Typen von Männlichkeit – und deren Relationen zum „Westen“ – betrachtet werden.

Einführende Literatur:
Jürgen Martschukat / Olaf Stieglitz, Geschichte der Männlichkeiten, Frankfurt/M. / New York 2008, 2. Aufl. 2018.
Wolfgang Schmale: Geschichte der Männlichkeit in Europa (1450-2000), Wien / Köln / Weimar 2003.
Ernst Hanisch, Männlichkeiten. Eine andere Geschichte des 20. Jahrhunderts, Wien e.a. 2005.


Prof. Dr. Elke Seefried

Universität Augsburg
Hauptseminar
(MA/LA Gym): Teilung, Einheit und Transformation: Deutsch-deutsche Geschichte 1980-1994
Zeit: Montags, 14:00 – 15:30 Uhr
Beginn: 27.04.2020
Ort: Die Veranstaltung wird online/digital abgehalten

Nach dem Umbruch 1989/90 rückte die Geschichte der „Wiedervereinigung“ rasch in den Fokus der zeithistorischen Forschung. Demnach war die DDR wirtschaftlich immer stärker von der Bundesrepublik abhängig geworden und implodierte dann unter dem Druck der Ausreisebewegung und der friedlichen Revolution. In der Bundesrepublik, die zunächst in der Zweistaatlichkeit angekommen schien, obsiegte 1989/90 der Wille zur raschen Wiedervereinigung nach 40 Jahren Teilung, zumal sich außenpolitisch ein kurzes „window of opportunity“ für die Einheit auftat.

Die neuere Forschung hingegen fokussiert die politische und sozioökonomische „Transformation“. Der Umbruch endete demnach nicht 1989/90, sondern zog sich noch weit in die 1990er Jahre, ja wirkt im Hinblick auf die ostdeutschen Verlusterfahrungen womöglich bis heute nach. Gerade die aktuelle Spaltung in der politischen Kultur legt nahe, dass zur deutsch-deutschen Geschichte auch die „Ko-Transformation“ in Ost und West (Philip Ther) Anfang der 1990er Jahre gehört.

Das Hauptseminar leuchtet deshalb nicht nur die deutsch-deutsche Politik-, Gesellschafts- und Kulturgeschichte der 1980er Jahre und die Wege in die Wiedervereinigung 1989/90 aus, sondern betrachtet ebenso die Dynamiken des Wandels und die sozioökonomischen Wirkungen der Transformation bis 1994. Abschließend wollen wir diskutieren, welche Wirkung die deutsch-deutsche Vergangenheit auch heute noch entfaltet.

Literatur:

  • Frank Bösch (Hrsg.), Geteilte Geschichte. Ost- und Westdeutschland 1970−2000, Göttingen 2015.
  • Thomas Großbölting/Christoph Lorke (Hrsg.), Deutschland seit 1990. Wege in die Vereinigungsgesellschaft, Stuttgart 2017.
  • Philipp Ther, Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent. Eine Geschichte des neoliberalen Europa, Berlin 2014.
  • Andreas Wirsching, Abschied vom Provisorium. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland 1982-1990, München 2006.

Leistungsnachweis: Hausarbeit


PD Dr. Martina Steber

Bergische Universität Wuppertal
Vorlesung: Das Britische Empire im 19. und 20. Jahrhundert
Zeit: Mittwoch 10-12

Auf dem Höhepunkt seiner globalen Macht im frühen 20. Jahrhundert beanspruchte das Britische Empire die Herrschaft über ein Viertel der Weltbevölkerung und einen ebensolchen Teil der Erdoberfläche. Sein Empire machte das Vereinigte Königreich zu einer globalen Hegemonialmacht. Dabei handelte es sich um ein komplexes Gebilde politischer Herrschaft, geprägt von ökonomischen Abhängigkeitsverhältnissen, politischen Klientelsystemen, kulturellen Überlegenheitsfantasien und christlichen Missionierungsüberzeugungen sowie sozialen und politischen Beziehungsgeflechten zwischen Metropole und Peripherie. Die Vorlesung beleuchtet die vielschichtige Geschichte des britischen Empires vom Ende des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs bis zur Phase der rapiden Dekolonisation in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Einführende Literatur: John Darwin, Unfinished Empire. The Global Expansion of Britain, London 2012; John Darwin, The Empire Project. The Rise and Fall of the British World System 1839-1970, Cambridge u.a. 2009; Peter Wende, Das Britische Empire. Geschichte eines Weltreichs, 2. Aufl. München 2009.

 

Bergische Universität Wuppertal
Proseminar:Im Laboratorium der Moderne. Eine Einführung in die britische Geschichte des 19. Jahrhunderts
Zeit: Dienstag, 14-16 Uhr

Suchten die Zeitgenossen des 19. Jahrhunderts nach einer „modernen“ Gesellschaft, schauten sie zuallererst nach Großbritannien. Dort glaubten sie, gleichsam ein Laboratorium der Moderne zu finden. Erfolgreiche Industrien, mächtige Großstädte, eine reformfähige parlamentarische Monarchie, eine lebendige politische Öffentlichkeit und ein weltumspannendes Imperium faszinierten die einen, soziales Elend, eine ungerechte Klassengesellschaft, die politische Herrschaft von Adel und besitzendem Bürgertum sahen die anderen. Die britische Geschichte des 19. Jahrhunderts ist von diesen Gegensätzen durchzogen. Sie prägten und prägen die geschichtswissenschaftlichen Interpretationen genauso wie die kollektive Erinnerungskultur.

Der Basiskurs führt in die wichtigsten Themen und Forschungsfelder der britischen Geschichte des 19. Jahrhunderts ein und reflektiert zudem die historiographischen Begriffsbildungen, die im 19. Jahrhundert selbst ihren Ausgang nahmen. Lesekenntnisse in der englischen Sprache werden vorausgesetzt.

Einführende Literatur: Chris Williams (Hg.), A Companion to Nineteenth-Century Britain, Malden u.a. 2004; Susie L. Steinbach, Understanding the Victorians. Politics, Culture and Society in Nineteenth-Century Britain, London – New York 2012.

 

Bergische Universität Wuppertal
Hauptseminar: Eine zweite Chance. Geschichte der bundesrepublikanischen Demokratieert
Zeit: Dienstag, 16-18 Uhr

Nicht zuletzt durch die Herausforderung des Populismus entwickelt sich die Geschichte der Demokratie zurzeit zu einem lebendigen Forschungsfeld. Es zeichnet sich durch theoriegeleitete Fragestellungen und multiperspektivische Zugänge aus. So wird die Demokratie als institutionell abgesicherte politische Ordnung analysiert, genauso wie als umkämpfte Idee und als den Alltag prägende soziale Praxis. Ganz in diesem Sinne richtet das Hauptseminar eine demokratiegeschichtliche Perspektive auf die Geschichte der Bundesrepublik von ihren Anfängen bis in die Gegenwart und erprobt auf diese Weise neue Ansätze und Interpretationslinien. Im Vordergrund stehen praxeologische Zugänge; demokratietheoretische Positionen werden in ihrem historischen Kontext erörtert. Wie konnte sich die Demokratie nach nationalsozialistischer Diktatur und Völkermord im Westen des geteilten Deutschland etablieren? Auf welche Weise prägte sich die NS-Erfahrung einerseits und die Systemkonkurrenz mit der „Volksdemokratie“ der DDR andererseits in die bundesrepublikanische Demokratie ein? Wie lassen sich Prozesse der Demokratisierung beschreiben? In welcher Weise beeinflusste die dynamische Ausbildung internationaler politischer Räume die Entwicklung der bundesrepublikanischen Demokratie? Und nicht zuletzt: Wie wurde die Demokratie im wiedervereinigten Deutschland ausgestaltet?

Einführende Literatur: Martin Conway, The Rise and Fall of Western Europe’s Democratic Age, 1945–1973, in: Contemporary European History 13/1 (2004), S. 67-88; Frank Cunningham, Theories of Democracy. A Critical Introduction, London – New York 2002; John Keane, The Life and Death of Democracy, London 2009; Paul Nolte, Was ist Demokratie? Geschichte und Gegenwart, München 2012; Stein Ringen, What Democracy Is For. On Freedom and Moral Government, Princeton/NJ 2007; Klaus Stüwe und Gregor Weber (Hg.), Antike und moderne Demokratie. Ausgewählte Texte, Stuttgart 2004.

 

Bergische Universität Wuppertal
Übung: „Was ist eigentlich konservativ?“ Eine ideengeschichtliche Archäologie des 20. Jahrhunderts
Zeit: Donnerstag, 8-10 Uhr

Die Frage nach dem, was den Konservatismus ausmache, begleitet seine Geschichte seit den Anfängen konservativen Denkens im späten 18. Jahrhundert. Die gegenwärtige kontroverse Debatte über den Konservatismus hat eine lange Geschichte. Wie keine andere der bestimmenden politischen Ideologien der Moderne scheint sich der Konservatismus definitorischen Festlegungen zu entziehen, und tatsächlich zeichnete er sich stets durch inhaltliche Flexibilität und immense Wandlungsfähigkeit aus – verteidigten Konservative in Deutschland über lange Zeit die Monarchie, wurden sie nach 1918/19 zu Vordenkern der Diktatur oder traten nach 1968 als Anwälte der Demokratie auf. Auch wenn das Argument, dass der Konservatismus keine Ideologie besitze und allein in der Lebenspraxis verankert sei, seit je zum Grundbestand eines konservativen Selbstverständnisses gehört, trugen Intellektuelle zur Formulierung dessen, was zu bestimmten Zeiten als „konservativ“ verstanden wurde, entscheidend bei. Auch dies gehört zu den vielen Ambivalenzen und Widersprüchlichkeiten, die den Konservatismus charakterisieren.

Die Übung betreibt eine ideengeschichtliche Archäologie des Konservatismus im 20. Jahrhundert, von der langen Jahrhundertwende bis in die 1990er Jahre. Im Zentrum stehen die zentralen Texte konservativen Denkens in Deutschland, die historischen Kontexte ihrer Entstehung, ihre Rezeption und Interpretation und damit auch die konservative Kanonbildung. Daneben werden Modelle diskutiert, die in Politik- und Geschichtswissenschaft zur Beschreibung der politischen Ideologie entwickelt wurden. „Was ist eigentlich konservativ?“, dieser Frage, die nicht nur das bekannte Forum in der Zeitschrift „Der Monat“ 1962 stellte, versucht die Übung auf die Spur zu kommen.

Einführende Literatur: Axel Schildt, Konservatismus in Deutschland. Von den Anfängen im 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart, München 1998.

 

Bergische Universität Wuppertal
Forschungskolloquium zur Geschichte

Zeit: Dienstag, 18-20




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