200 Holocaust- Forscher aus aller Welt tagen in München

Erstmals findet der Fachkongress „Lessons & Legacies“ in Europa statt – Premiere in der früheren „Hauptstadt der Bewegung“

München (3.11.2019) Am Montag startet in München eine Premiere in der internationalen Holocaust-Forschung: Unter dem Titel „The Holocaust and Europe: Research Trends, Pedagogical Approaches and Political Challenges“ kommen vom 4. bis 7. November 2019 rund 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen, um in 36 Panels und 11 Workshops neue Erkenntnisse, aber auch Probleme der Forschung und Vermittlung zu reflektieren. Durch die jüngsten antisemitischen Über-griffe und Wahlerfolge rechtsgerichteter Parteien erhält der Kongress eine be-klemmende politische Aktualität.

Seit 1989 treffen sich die Holocaustforscherinnen und –forscher aus aller Welt zum interdisziplinären Fachkongress „Lessons & Legacies of the Holocaust“, um neue Forschungsergebnisse und –trends zu diskutieren. In diesem Jahr wird dieser Fachkongress zum ersten Mal außerhalb Nordamerikas stattfinden. Organisiert wird die englischsprachige Tagung von einem internationalen Organisationskomitee und vier Institutionen: dem Zentrum für Holocaust-Studien am Institut für Zeitgeschichte München−Berlin (IfZ), der Bundeszentrale für Politische Bildung, der Holocaust Educational Foundation an der Northwestern University/USA sowie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Das Interesse innerhalb der Wissenschaft war von Anfang an überwältigend. „Mehr als 700 Forscherinnen und Forscher haben sich mit Themenvorschlägen für eine Teilnahme beworben“, freut sich Frank Bajohr, der Leiter des Zentrums für Holocaust-Studien am IfZ, der mit seiner Stellvertreterin Andrea Löw die Weichen für den ersten europäischen „Lessons & Legacies“-Kongress gestellt hat. Mit mehr als 200 Referentinnen und Referenten wird die Tagung in München nun der größte Fachkongress sein, der zum Thema Holocaust jemals in Europa stattgefunden hat.

Der Kongress repräsentiert das wachsende Gewicht von Einrichtungen, die in Europa mit der Forschung und pädagogischen Vermittlung der Geschichte des Holocaust befasst sind.
Wichtiges Anliegen ist zugleich, die zersplitterte europäische Forschungslandschaft zusammenzuführen und kritische osteuropäische Forscher zu fördern, die in ihren Ländern unter schwierigen politischen Rahmenbedingungen arbeiten müssen.

Ein besonderer Schwerpunkt gilt dem Wissenstransfer und der pädagogischen Vermittlung, unterstrichen durch die Förderung des Kongresses durch die Bundeszentrale für Politische Bildung. Anders als in den USA tagen die Forscher in München in unmittelbarer Nähe zu authentischen historischen Orten der NS-Herrschaft und des Holocaust sowie in einer vielgestaltigen Gedenkstättenlandschaft, mit der sich die Kongressteilnehmer in einem separaten Besuchsprogramm näher vertraut machen können.

Auch die interessierte Öffentlichkeit kann sich von der gegenwärtigen Holocaust-Forschung ein Bild machen. Wichtige Vorträge und Diskussionen werden im Anschluss an die Tagung im Internet dokumentiert. Zwei Abendveranstaltungen stehen darüber hinaus auch externen Gästen offen: Am Mittwoch, den 6. November diskutiert in der Großen Aula der LMU ein hochkarätiges Podium über aktuelle Fragestellungen und Herausforderungen der Holocaust-Forschung. Am Abend zuvor findet im Jüdischen Gemeindezentrum in München eine Veranstaltung unter dem Stichwort „Geschichte und Erinnerung“ statt: Sie ist am historischen Ort München dem Novemberpogrom von 1938 und dem Attentat Georg Elsers von 1939 gewidmet. Beide Veranstaltungen finden überwiegend in englischer Sprache statt, für die Veranstaltung in der jüdischen Gemeinde ist eine Anmeldung unter karten@ikg-m.de erforderlich.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter:

www.lessonslegacies.eu



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