20.04.2015

Die Tagebücher von Alfred Rosenberg



Tagungs-Telegramm: Aufzeichnungen des NSDAP-Chefideologen 1934 - 1944

 

Seit 1946 verschollen, wurden vor wenigen Jahren die politischen Tagebücher des NSDAP-Chefideologen Alfred Rosenberg aufgefunden. In einem amerikanisch-deutschen Gemeinschaftsprojekt des Centers for Advanced Holocaust Studies am US Holocaust Memorial Museum (USHMM) in Washington und des Zentrums für Holocaust-Studien (ZfHS) am Institut für Zeitgeschichte wurden die Aufzeichnungen wissenschaftlich-kritisch ediert und liegen nun erstmals als Gesamtausgabe vor. Am Donnerstag, 16. April stellten die Herausgeber Jürgen Matthäus vom USHMM und Frank Bajohr, Leiter des ZfHS, die Edition im Münchner Institut für Zeitgeschichte vor.

 

 

Die beiden Historiker zeigten anhand Rosenbergs Aufzeichnungen auf, dass seine Rolle bei der Vorbereitung und Umsetzung des Holocaust lange unterschätzt wurde. Schon früh einer der radikalsten Antisemiten, unterstützte er bis zuletzt die deutsche Vernichtungspolitik. Die Notizen verdeutlichen neben Rosenbergs unbedingter Ergebenheit gegenüber Hitler die erbitterte Konkurrenz innerhalb der Funktionselite um den "Führer". Dieser wusste seine Satrapen wirkungsvoll gegeneinander auszuspielen, nicht zuletzt Rosenberg und Joseph Goebbels, die einander in inniger Ablehnung verbunden waren. In der Diskussion, moderiert von Elizabeth Harvey von der Universität Nottingham, wurde deutlich: Das Schlüsseldokument der Rosenberg-Tagebücher eröffnet wichtige Einblicke in die vom NS-Regime erzeugte Gewaltdynamik.




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