09.06.2016

Zwischen alten Problemen und neuen Köpfen



Tagungstelegramm: Präsentation der AAPD 1985 mit dem ehemaligen außenpolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Karsten Voigt

Wodurch unterschied sich das Jahr 1985 von 1983 oder 1989? Diese Frage stellte Karsten Voigt an den Anfang seiner Gedanken zum neuesten Jahrgang der "Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland" (AAPD), nachdem er im vollbesetzten Fritz-Kolbe-Saal des Auswärtigen Amts von Andreas Wirsching im Namen des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin und von Legationsrat Herbert Karbach als Vertreter des Politischen Archivs begrüßt worden war.

 

1985 war kein Jahr des Massenprotestes wie 1983 und kein Jahr des Umbruchs, so der frühere außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, sondern ein Brückenjahr "zwischen alten Problemen und neuen Köpfen". Zu ersteren gehörte seiner Einschätzung nach die Krise, in die die Entspannungspolitik in den achtziger Jahren geraten war, auch wegen einer, wie Voigt es formulierte, "ideologisierten" Regierung in den USA unter Präsident Reagan. Als der "neue Kopf" Gorbatschow die politische Bühne betrat, zeigte sich, dass sich die Fakten schneller änderten als außenpolitische Werturteile. So stellten sich das Auswärtige Amt und insbesondere die Botschaft in Moskau nur langsam auf das neue Denken ein.

 

In dieser Situation sah Karsten Voigt sich - mit seinen langjährigen Kontakten zu Parteigremien, think tanks und Mitarbeitern auf der Arbeitsebene von Ministerien ("staffern") - im Vorteil. Als seine Gesprächspartner in Moskau nannte er Daschitschew, Bogomolow und Arbatow, auf der anderen Seite des Atlantiks gehörten dazu Dick Cheney und James A. Abrahamson. Voigt betonte immer wieder auch die Wichtigkeit persönlicher Kontakte außerhalb berufsdiplomatischer Zirkel, die ihm ermöglichten, auch einen Blick auf die innenpolitische Seite der Außenpolitik zu werfen. Aber auch die Leistungen des Auswärtigen Amtes hob er hervor. Sein besonderes Lob galt einer Generation von Beamten um Dieter Kastrup, Gerold Elder von Braunmühl, Hans-Friedrich von Ploetz, Klaus Citron und Friedrich Ruth, die dann bei der deutschen Wiedervereinigung ihre große Stunde erleben sollte.

 

 

Seine Ausführungen schloss Karsten Voigt mit einem Lob für die Bandbreite und die exzellente Erschließung der Dokumente in den AAPD und mit der Mahnung, hinter den Akten immer die Menschen zu sehen. In der nachfolgenden, von IfZ-Direktor Andreas Wirsching moderierten Podiumsdiskussion, an der neben Karsten Voigt die AAPD-Mitherausgeberin Hélène Miard-Delacroix und der Bearbeiter des Jahrgangs 1985, Michael Ploetz, teilnahmen, wurden zahlreiche Impulse des Vortrags aufgegriffen und vertieft. Im Lichthof des Auswärtigen Amtes klang bei einem Glas Wein die Veranstaltung aus.




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